Wernigerode l Es ist nur ein Punkt unter vielen auf der Liste der Bauvorhaben, die die Stadt Wernigerode in den Jahren 2020 bis 2023 plant. Doch die Produktstelle 5.1.1.01. birgt Sprengstoff: Unter dem Titel „Stadtumbau Schierke, Arena“ sind 700.000 Euro für 2020 eingestellt, 180.000 Euro sind für 2021 vorgesehen. Warum dies – ist die knapp neun Millionen Euro teure Feuerstein-Arena nicht längst fertig? Das wollten die Mitglieder des Wernigeröder Bauausschusses in ihrer jüngsten Sitzung wissen. Frank Beimel, Sachgebietsleiter des Hochbauamts, wollte Auskunft geben – aber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Was hinter verschlossenen Türen dargelegt wurde, bringt die Ausschussmitglieder aus der Fassung: Unter dem Punkt werden vor allem die Schlussrechnungen für verschiedene Baulose, also Teile des Gesamtprojekts, zusammengefasst. Ebenso die Schlussrechnungen von Ingenieurbüros, die noch beglichen werden müssen.

Der größte und zugleich strittigste Posten ist nach Volksstimme-Informationen eine offene Rechnung der Firmen Umwelttechnik und Wasserbau (U & W) und Stratie aus Blankenburg. Darin werden der Stadt rund 600.000 Euro netto aufgrund von Bauzeitverzögerungen in Rechnung gestellt. Inklusive Mehrwertsteuer erhöht sich die Summe auf mehr als 700.000 Euro.

Stadt reserviert 300.000 Euro für Forderung

Im Rathaus wird diese Forderung zwar nicht anerkannt – offenbar wird aber damit gerechnet, zumindest einen Teil der Summe bezahlen zu müssen: 300.000 Euro der im Haushalt veranschlagten Summe sind dafür reserviert.

Zum Hintergrund: Die beiden Firmen hatten für den Arena-Bau eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Die strittige Rechnung bezieht sich auf zwei Lose, mit denen die Unternehmen beauftragt worden waren. Diese erledigten die maßgeblichen Betonarbeiten und bauten die großen Fundamente für das Dach. Nachdem im Mai 2016 im Brockenort der Startschuss gefallen war, kamen die Bauarbeiten zeitweilig ins Stocken.

Verantwortlich waren dafür nach Volksstimme-Informationen nicht nur der felsige Untergrund, sondern auch organisatorische Mängel. Diese sorgten dafür, dass die Bauunternehmen erheblich länger auf der Arena-Baustelle gebunden waren als geplant – die dadurch entstandenen Schäden wollen die Firmen ersetzt haben.

Wernigerode verweigert Zahlung

An Fahrt gewann der Konflikt seit Jahresbeginn 2019. Die Wernigeröder Stadtverwaltung hatte eine Schlussrechnung bei den Unternehmen angemahnt, rechnete aber mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag. Kurz darauf flatterte die um ein Vielfaches höhere Forderung der beiden Bauunternehmen ins Haus. Die Stadtverwaltung hält diese Ansprüche jedoch für unbegründet und unzureichend untersetzt und verweigert daher seitdem die Zahlung.

Inzwischen hat sich aber wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Stadt gezwungen sein könnte, zumindest Teile der geforderten Summe zu zahlen. Ein Gerichtsverfahren sei kostspielig und sein Ausgang ungewiss, weshalb Anwälte nach Volksstimme-Informationen zu einer außergerichten Einigung rieten. Eine solche könne auf verschiedenen Wegen erreicht werden, beinhalte aber in vielen Fällen ein Entgegenkommen beider Seiten, was Teilzahlungen einschließen könnte.

Dafür sind demnach die besagten 300.000 Euro im Haushalt 2020 vorsorglich eingeplant worden. Entsprechend liest sich die offizielle Stellungnahme aus dem Rathaus, die lediglich aus dem folgenden Satz besteht: „Die im Haushaltplanentwurf 2020 für die Schierker Feuerstein Arena beantragte Ausgabensumme beinhaltet größtenteils als kaufmännische Sicherheit einen Anteil für den Fall, dass entgegen der Auffassung der Stadt Wernigerode doch berechtigte Forderungen am Projekt beteiligter Firmen nachgewiesen werden können.“

Was unternehmen Baufirmen?

Welche Schritte die beiden Firmen unternehmen werden, ob sie eine außergerichtliche Einigung oder doch eine Klage gegen die Stadt anstreben, ist derweil noch unklar. U & W-Geschäftsführer Jörn Frankenfeld war am Mittwoch, 22. Januar, für Volksstimme-Nachfragen nicht erreichbar.

Offen ist derzeit zudem, ob die Stadtratsmitglieder bei den Etatberatungen mitziehen und die zusätzlichen Arena-Kosten, wie von der Verwaltung vorgesehen, im Haushalt verankern. Im Bauausschuss wurde über das Zahlenwerk abgestimmt – nach den vorhergehenden Enthüllungen war die Stimmung sichtlich angespannt. Einhellig enthielten sich die sieben anwesenden Mitglieder der Stimme. Im Wirtschaftsausschuss, in dem ebenfalls nichtöffentlich zur Sache informiert wurde, enthielten sich fünf Mitglieder, drei stimmten zu.