Wernigerode l Kopfschütteln bei Manuela Harbordt: Die Bewohnerin der Insel in Wernigerode kann den Konzeptwechsel bei den Verantwortlichen der Hochschule Harz nicht nachvollziehen. Nachdem erst 2018 auf der Wiese südwestlich neben dem Audimax der Hochschule in Wernigerode ein Naturschutzprojekt durchgeführt worden sei, solle „dies nun alles zerstört werden“, um für die Studenten ein Fitnessstudio zu bauen.

Für die Anwohnerin, die im nahen Umfeld lebt, ein Unding. Sie glaubt, dass es in Wernigerode bereits genügend Sportmöglichkeiten gibt und bei Bedarf auch die bestehenden Fitnessräume in Immobilien der Hochschule saniert werden könnten. Zudem zweifele sie an der Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition, da besagtes Fitnessstudio während der Semesterferien wohl kaum genutzt würde.

Einschränkung

Kritikpunkte, die mit Blick auf Details des Hochschul-Bauprojekts allerdings ein Stück relativiert werden müssen. So planen die Verantwortungsträger der Hochschule Harz auf dem bislang unbebauten Grünflächen-Grundstück den zweigeschossigen Neubau eines Sportzentrums, der rund 200 Quadratmeter Grundfläche umfassen soll.

Nach Angaben von Dajana Nickel, ihres Zeichens Dezernentin für Bau, Liegenschaften und Technik der Hochschule, umfasst die besagte Wiese samt Hang rund 2100 Quadratmeter Fläche. Vom Bauvorhaben selbst werde also rund ein Zehntel dieser Fläche tangiert.

Änderung

Wenn es denn überhaupt zum Neubau des Sportzentrums an dieser Stelle komme. Aktuell wird gerade das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan angeschoben. Nachdem Anfang April die Mitglieder des städtischen Bau- und Umweltausschusses das bebauungsrechtliche Ansinnen der Hochschule Harz ohne Änderungen behandelt hatten, sollen die Stadträte das Verfahren am Donnerstag ganz offiziell starten. Es geht letztlich darum, den bestehenden Bebauungsplan mit Blick auf das Bauprojekt der Hochschule fortzuschreiben.

Dabei soll laut Antragsunterlagen auch der tangierten Öffentlichkeit die Möglichkeit der Stellungnahme eingeräumt werden. Geplant ist im angestrebten beschleunigten Verfahren die 30-tägige Auslegung der Projektunterlagen. Wann genau diese Auslegung erfolgen soll, ist bislang noch unklar. Klar ist derweil die Meinung von Enrico Kretschmar. Der 59-Jährige aus Hessen ist Imker und betreut zusammen mit Studenten der Hochschule Harz die an besagter Blühwiese etablierten drei Bienenvölker.

Wunsch

Als Fachmann sieht Kretschmar keine gravierenden Probleme auf die Bienen zukommen. Das geplante Gebäude solle ja nur einen Teil der Fläche tangieren – damit kämen die Bienen problemlos klar. „Wichtig ist, dass im Zuge des Vorhabens möglichst wenige Bäume wegfallen“, formuliert Kretschmar einen grundsätzlichen Wunsch. Wobei an dieser Stelle von Bäumchen gesprochen werden müsse, denn die Pflanzen auf der Wiese seien noch relativ klein. Kretschmars Forderung: Wenn für wegfallende Bäume ausreichend Ersatzpflanzungen erfolgen und diese vor allem nach bienenfreundlichen Gesichtspunkten ausgewählt würden – beispielsweise Bienenweide gepflanzt werde, sehe er keine Probleme. „Wir würden uns nicht beißen, von mir aus als Imker sehe ich in keiner Weise Probleme“, ist der Experte überzeugt. Letztlich wäre es natürlich wünschenswert, wenn die Hochschule tangierte Fachleute – beispielsweise ihn als Imker – schon bei den Planungen mit ins Boot holen würde. So könnten die Auswirkungen des Bauvorhabens von vornherein aus Sicht des Imkers bewertet werden und etwaige negative Auswirkungen für Bienen und Insekten schon an dieser Stelle minimiert werden.

Ein Wunsch, mit dem Enrico Kretschmar sowohl bei Dajana Nickel als auch bei Heike Bode, Vize-Kanzlerin der Hochschule Harz, auf offene Ohren stößt. „Wir unterstützen den Imker vollumfänglich, und ich glaube, unser Bauvorhaben und die Imkerei schließen sich wechselseitig nicht aus. Wir wollen beides kombinieren“, so Bode. So sei auf dem Sportzentrum eine begrünte Dachfläche denkbar, wenn es für die Insekten sinnvoll sei.

Befürchtungen hat Anwohnerin Manuela Harbordt auch mit Blick auf die Feuersalamander, die unweit des Audimax leben. Dessen Existenz bestätigt Kretschmar aus seiner Imkerei vor Ort. Aber: „Die Feuersalamander sind im Bachlauf des nahen Mühlgrabens zu finden, nicht auf der Wiese, die teilweise bebaut werden soll.“