Oberharz-Stadt l Es waren nur 0,6 Sekunden, nur knappe zwei Meter, die den Unterschied machten. Für Danilo Riethmüller bedeutete dieser minimale Vorsprung Gold. Im schweizerischen Lenzerheide konnte der Nachwuchs-Biathlet nach Platz 14 im Einzel und dem siebenten Platz im Sprint am letzten Wettkampftag der Juniorenweltmeisterschaft richtig glänzen. Mit drei Teamkollegen holte er zudem in der Staffel Silber. Grund genug für die Oberharz-Stadt, den Sportler bei einem Empfang im Elbingeröder Rathaus zu würdigen.

„Ein ganz schönes Brett“ habe er mit dem Weltmeistertitel vorgelegt, meint Ronald Fiebelkorn (CDU), Bürgermeister der Oberharz-Stadt. Schließlich seien die Erwartungen mit Blick auf die kommenden Wettkämpfe nun groß. Der 20-jährige Biathlet weiß jedoch, dass immer ein Quäntchen Glück dazugehört, der Titel kein Garant für weitere Siege ist. Das habe auch die Meisterschaft in der Schweiz gezeigt. „Ich war anfangs müde und nicht ganz so gut drauf. Am zweiten Tag lief es besser, auch vom Körperlichen her“, verrät er.

Glückstränen in Hasselfelde

Einen richtigen Motivationsschub bekam er dann in der Staffel, die er als Schlussläufer von Platz vier auf das Podest führte. „Dass wir auf Platz 2 laufen können, hätte ich nicht gedacht. Wir haben zwei Minuten und zwölf Sekunden Rückstand gehabt“, blickt er zurück. Auch in der Verfolgung lag er lange hinten, zeitweise sogar auf Platz 8. Doch mit seiner Treffsicherheit schoss er sich ganz nach vorn. In seiner Heimatstadt Hasselfelde floß mehr als nur eine Glücksträne, wie das früherer Betreuergespann vom örtlichen Skiverein zugibt.

„Er fängt als kleiner Bengel an und steht jetzt hier als Weltmeister“, ist Bernd Ehrlich vom Hasselfelder Skiverein gerührt. „Du hast mit diesem Titel dem gebeutelten Harz wieder Selbstvertrauen gegeben.“ So ganz wohl fühlt sich Danilo Riethmüller bei all den Lobeshymnen nicht, blickt dann und wann verlegen nach unten.

Mit Skilanglauf fängt alles an

Als er von seinen Anfängen erzählt, ist er wieder Feuer und Flamme. Zunächst war der Skilanglauf seine Leidenschaft, Ausflüge des Vereins zum Biathlon-Landesleistungszentrum Sonnenberg machten ihn dann neugierig auf die verwandte Sportart. „Ich habe die Biathleten schießen gesehen und fand das sehr inte­ressant. Dann habe ich meinen Vater gefragt, ob ich mal ein Schießtraining machen kann. Ratzfatz war ich beim Schnuppertraining und dann war ich dabei“, erzählt der 20-Jährige schmunzelnd.

Heute trainiert er für den WSV Clausthal-Zellerfeld, macht nebenbei eine Ausbildung bei der Bundespolizei. Doch seine Heimat hat er nicht vergessen. „Ich habe einen sehr guten Freundeskreis zu Hause. Auch der Skiverein ist immer für mich da, wenn ich mal ein Problem habe“, erzählt er. Fast jedes freie Wochenende ist er zu Besuch, wohnt dann im Haus von Opa Dieter Berg, der im Vorstand des Hasselfelder Skivereins aktiv ist. Die Räume seiner ehemaligen Fleischerei hat dieser mittlerweile zur Danilo-Fanecke umgestaltet. Hier werden auch der neue Pokal sowie die zwei Medaillen ihren Platz finden.

Der Enkel dagegen sammelt lieber Ski. 16 Paar besitzt er, um je nach vorherrschenden Bedingungen das passende Sportgerät dabei zu haben. „Das Material hat eine bedeutende Rolle“, erklärt er. Vor allem aber seien es die körperliche Fitness und die Konzentration, die stimmen müssen. „Das ist schon eine spannende Sportart, weil zwei Komponenten zusammenkommen“, meint auch Stadtratsvorsitzender Rudolf Beutner (CDU). Zudem sei der Sieg nicht von subjektiven Urteilen der Schieds- oder Punktrichter abhängig, sondern allein von der Leistung des Athleten.

Großes Ziel: Olympia

Und die stimmte in Lenzerheide. „Danilo war aber schon als Elfjähriger sehr ehrgeizig“, erinnert sich Dieter Kornbaum, der den heutigen Weltmeister einst in Hasselfelde trainierte. Von 2008 bis 2011 stand er zudem unter den Fittichen von Vereinskollege Jürgen Schomburg. Mit Stolz blicken beide auf die Laufbahn ihres Zöglings.

Dieser will weiter von sich hören lassen. Im kommenden Jahr könnte er letztmalig bei der Juniorenweltmeisterschaft antreten, mit 21 Jahren ist Schluss. „Ich bin auch schon im EU-Cup gestartet, der Vorstufe zum Weltcup“, wirft Danilo Riethmüller ein. Das große Ziel sei aber die Olympiade in zwei Jahren. Alle, die im A-Kader laufen, seien mit knapp unter und über 30 Jahren im gesetzten Alter, die Chancen für ihn, zu starten, dementsprechend gut. Im B-Kader ist er bereits. „Mal gucken, wo es hingeht“, meint der Weltmeister. Seite 12