Wernigerode l Noch wuchert das Gras wild. Doch Mitarbeiter der Lebenshilfe in Wernigerode mähen derzeit unter Anleitung von Mike Ziese den Boden hinter der Stadtfeld-Schule. Bisher Brachflächen soll auf den gemähten Streifen eine Blühwiese entstehen.

Genauer gesagt eine „Bienenweide“, das erklärt Enrico Kretschmar, Versicherungsmakler und Imker. „So wie es Weiden für Kühe gibt, gibt es saftige Weiden für Bienen“, so der 58-Jährige Bienenfreund. Damit das funktioniert, bedarf es der richtigen Pflanzen. Wenn die Wiese sähbereit ist, wird Phacelia angepflanzt. Dieses Wasserblattgewächs wird von Imkern gern für Bienenweiden benutzt, weil es besonders ertragreich ist. Damit die Wiese bereits fürs Pflanzen ist, muss im nächsten Schritt nach dem Rasenmähen mit einer Egge der Boden aufgelockert werden, informiert Kretschmar.

„Der Landkreis Harz blüht auf, fängt an zu summen und Insekten und Bienen zu lieben“, erklärt Kretschmar. Die Aktion ist ein weiterer Mosaikstein in der Initiative „Der Landkreis Harz blüht auf“, welche Enrico Kretschmar ins Leben gerufen hat. Die Initiative unterstützt und ergänzt die Stadt Wernigerode als Mitglied des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“. „Es gibt 70 bis 80 Prozent weniger Insekten. Auch Kinder sollen darauf achten, dass Insekten einen Lebensraum bekommen“, erklärt Kretschmar.

Bilder

Stadtfeld-Schüler sammeln Müll

Deshalb halfen auch die Kinder der Grundschule Stadtfeld fleißig bei der Vorbereitung der Fläche mit. Eifrig sammelten sie Müll auf, der sich auf der Fläche zwischen Sportplatz und Garagenkomplex angesammelt hatte. Beteiligt waren an der Aktion mit Kretschmar und der Lebenshilfe die sogenannten „Bücherwürmer“, Kinder der Jahrgangsstufen Eins und Zwei, und der Klasse 4a.

„Zwei große Müllsäcke sind dabei voll geworden“, erklärt Kretschmar. „Wir haben das alles in guter Teamarbeit geleistet“, so Ziese. Wie Winnie Zagrodnik, Sprecherin der Wernigeröder Stadtverwaltung, informiert, sollen die Müllsäcke ausgestellt werden, um dafür zu werben, keine Abfälle in die Grünflächen zu werfen.

„Die Kinder waren sehr eifrig und freuen sich schon darauf, wenn die Fläche erblüht“, berichtet Sabine Wetzel, Lehrerin der Stadtfeld-Grundschule. Anschließend gab es im Schulgarten ein Honig-Frühstück.

Merhrere Blühwiesen in Wernigerode

„Wir wollen vor allem die Flächen nutzen, die sowieso da sind“, so Kretschmar. Die Fläche zwischen Sportplatz und Garagenkomplex zählt zu diesen sogenannten „Eh-Da-Flächen“, wie sie Kretschmar bezeichnet. Das sei ein Gewinn für alle: „Wir wollen, dass es blüht, und gleichzeitig wird die Fläche noch für die Bienenweide urbar“, sagt der Imker.

Nicht nur an der Stadtfeld-Grundschule, sondern auch an anderen Stellen in Wernigerode werden im Rahmen des Projekts „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“ auf mehreren Flächen Blühwiesen angelegt. „Wenn Leute sehen, wie es gedeiht, spornt es sie an“, sagt Enrico Kretschmar selbstsicher.