Wernigerode l Kaffee oder Cappuccino? Für Katrin Schilz stellt sich diese Frage nicht. Vielmehr muss es heißen: Pils oder Hefeweizen? Die 40-Jährige ist die Geschäftsführerin der Münchner Brauereien Franziskaner, Spaten und Löwenbräu. Als Vertriebsdirektorin der Gastronomien National für den Weltkonzern Anheuser-Busch Inbev ist sie seit Herbst 2015 auch für die Hasseröder-Brauerei in Wernigerode mit zuständig. „Wenn ich überhaupt mal Kaffee trinke, dann vielleicht einen Latte Macchiato - ansonsten ziehe ich Tee vor“, verrät die Bierexpertin im Gespräch mit der Volksstimme.

Viel lieber möchte sie über ihre Trinkgewohnheiten in punkto Gerstensaft berichten. „Da kommt es ganz auf die Situation an – im Biergarten in München trinke ich natürlich Weißbier. Abends im Club bestelle ich ein Beck‘s oder Corona“, sagt sie. „Und wenn ich in Wernigerode bin, dann freue ich mich auf ein frischgezapftes Hasseröder Premium Pils.“

Männerfreundschaft und Grillabende

Zum vierten Mal reist sie bereits in die Harzstadt. Ihr sei es wichtig, die Menschen und die Gegend, mit der das Bier verwurzelt ist, kennenzulernen. „Jede Region hat ihre Einzigartigkeit und das schmeckt man auch im Bier“, ist sie überzeugt. Hasseröder: Das stehe für Männerfreundschaft und sei ein Bier für gesellige Grill- und Fußballabende, aber auch für die Touristen, die auf ihren Ausflügen einen Abstecher ins Lokal machten. Neben der Altstadt Wernigerodes hat sie Pullman City und die Köhlerei Stemberghaus erkundet. Beeindruckt sei sie vom Brauereigelände. „Es ist unsere modernste Brauerei im Konzern“, berichtet sie. „Der Umweltgedanke spielt eine wichtige Rolle. Hier werden Standards gesetzt.“

Ist sie in Wernigerode, trifft sie sich mit Gebietsverkaufsleiter Christian Neuhäuser - „unserem Mann für die Marke Hasseröder“, betont sie. Denn dass sie den Vertriebsposten von der aus dem Unternehmen geschiedenen Susanne Baum im Herbst übernommen hat, ändere nichts am Aufgabenfeld Christian Neuhäusers.

Fassbieranstiche und Zuprosten

Drei von vier Wochen ist sie unterwegs. Nicht nur jede Menge Termine in den Brauereien füllen ihren Kalender – sie ist auch die Frau für den Fassbieranstich, auch auf dem Münchner Oktoberfest. „Während der Wies‘n bin ich jeden Tag zehn Stunden unterwegs“, sagt sie. Unzählige Male stößt sie an solchen Tagen mit den Feierlustigen an. „Manchmal schummele ich und gieße mir ein Alkholfreies ein.“ Am heutigen Freitag eröffnet sie das Volksfest in Bruckmühl.

Nachdem sie im Jahr 2000 ihren Abschluss in der Tasche hatte, fing sie bei Beck & Co. an. „Ich fand die Marke schon als Studentin in Bayreuth cool und wollte unbedingt für sie arbeiten.“ Es hat geklappt. Nach einem Traineeprogramm stieg sie die Karriereleiter immer weiter auf. Schließlich wurde sie das Gesicht der Münchner Marken – mitten im mehr als traditionellen bayrischen Biermarkt. Es habe für Aufruhr gesorgt, dass eine Frau so eine zentrale Position im Bierkonzern einnimmt, erinnert sie sich. „Ich wurde aber herzlich willkommen geheißen. Es ist ein extrem spannender Job.“