Wernigerode l Sein Name ist aus Harzer Musiklandschaft nicht wegzudenken. Und das schon seit Jahrzehnten – ob als Chef des Happy Groove Orchestras, als Chorleiter, Musiklehrer, als Initiator und Regisseur etlicher Kindermusicals – oder als Chef seiner eigenen Musikschule: Thomas Schicker.

1991 eröffnet, werden in der Musikschule heute etwa 400 Schüler unterrichtet – und das in Filialen in Wernigerode, Blankenburg, Ilsenburg und Halberstadt. In Wernigerode ist zum Standort im Stadtfeld nun eine zweite Filiale dazugekommen.

Nachfrage nach Klavier

Schicker hat im September Räume im ehemaligen AOK-Gebäude in der Salzbergstraße bezogen. „Viele Schüler wohnen hier oben“, begründet er diesen Schritt. „Und der Weg durch die Stadt kann manchmal lang und beschwerlich sein.“ Mit der neuen Filiale wolle er den Musikschülern entgegenkommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Besonders für die Jungen und Mädchen des Landesmusikgymnasiums und des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums liege die neue Filiale günstig. „Sie können gleich nach dem Unterricht zu uns rüber kommen.“ Die 20 Lehrer der Musikschule würden aber längst nicht mehr nur Kinder und Jugendliche unterrichten. „Etwa 20 Prozent unserer Schüler sind Erwachsene“, sagt Schicker. Tendenz steigend.

Auch bei der Auswahl der Instrumente habe es in den letzten Jahren Verschiebungen gegeben. „Der große Keyboard-Boom ist vorbei“, sagt Thomas Schicker. Gewachsen sei dagegen das Interesse am klassischen Klavier und an Streichinstrumenten. „Nicht zufriedenstellend ist die Nachfrage bei Blasinstrumenten“, sagt der Musikschulleiter, der um den Nachwuchs der Blaskapellen in der Region fürchtet.

Und Schicker weiß wovon er spricht, schließlich leitet er seit Jahren das Happy Groove Orchestra. Die Wernigeröder Big Band sei aus Musikschülern gewachsen, die inzwischen erwachsen sind. Das Ensemble gebe wie auch das Stadtfeld-Orchester und die von Schicker initiierten Musicals Musiktalenten die Möglichkeit, sich vor Publikum zu präsentieren.

Auftritte als Ansporn

Dabei seien die Musicals nicht wirklich erträglich, werden deshalb vom Verein Rainbow Music getragen. „Aber wann steht man schon einmal vor großem Publikum und singt und spielt, wie bei unserem diesjährigen Musical ‚Der große Gatsby‘?“ Eine solche Erfahrung hinterlasse bei den jungen Menschen einen bleibenden Eindruck und sporne sie möglicherweise für eine weitere musikalische Karriere an.

Thomas Schicker selbst ist die Leidenschaft für die Musik sozusagen in die Wiege gelegt. „Meine Eltern waren beide Musiklehrer“, verrät der gebürtige Erzgebirger. Seine Begeisterung für Musik führte ihn schon als Jugendlicher nach Wernigerode, wo er vier Jahre lang die Spezialklassen für Musikerziehung besuchte. Nach Wehrdienst und Studium kehrte er als Lehrer nach Wernigerode zurück – und ist bis heute hier geblieben.

Inzwischen 64-jährig, kann und will er nicht von der Musik lassen. Vor allem die Tasteninstrumente haben es ihm angetan. „Ich spiele Klavier, um zu entspannen“, sagt er. Ob er inzwischen manchmal an die Rente denke? Schicker lacht: „Als Musiker geht man nicht in Rente. Man hört einfach irgendwann mal auf.“