Blankenburg l Ein trauriges Ende hat eine Tierrettung in Blankenburg genommen. Doch der Reihe nach: Jens Rennecke, der in Neinstedt bei Thale seit vier Jahren eine Wildtierrettungsstation betreibt, ist Freitagfrüh um 7 Uhr von einer Freundin angerufen worden. Sie habe ihm berichtet, dass im Blankenburger Stadtteil Oesig ein Waschbär mitten in der Einfamilienhaussiedlung an der Straße sitzt und sehr hilfsbedürftig aussehe. Da der 50-Jährige bereits zu einem anderen Einsatz ausgerückt war, empfahl er, bei der Rettungsleitstelle in Halberstadt beziehungsweise bei der Feuerwehr anzurufen.

Studenlang keine Hilfe

„Nach gut zwei Stunden, wir waren inzwischen zurück und mitten bei der Versorgung unserer mehr als 70 Stationstiere, rief abermals Iris an“, erinnert sich Rennecke und fügt hinzu: „Noch immer war niemand gekommen, um dem jungen Bär zu helfen.“ Er habe die Tierfreundin an die Blankenburger Stadtverwaltung verwiesen und gehadert: „Es kann ja wohl nicht sein, dass sich immer alle raus halten und ich als kleiner Privater die Stadtkosten zu tragen habe.“ Der Neinstedter riet, extra auf die Tiernot hinzuweisen und darauf zu bestehen, „das nun endlich mal jemand kommt“.

Waschbär im Kescher gefangen

Es tat sich aber weiter nichts. Gegen 16.45 Uhr habe ihn eine Oesig-Bewohnerin kontaktiert und ihn um Hilfe gebeten, weil all ihre Anrufversuche, dem verletzten Waschbären zu helfen, nicht gehört wurden. Rennecke war geraden nach Staßfurt zu einer Tierübernahme unterwegs, drehte auf der Stelle um und „flog“, wie er auf seiner Facebookseite schreibt, nach Blankenburg. In der Wohnsiedlung angekommen, war ein Feuerwehrauto vor Ort, „zwei junge Frauen in voller Montur hielten mit einem Kescher den Waschbären in Schach“.

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Wildtier am Verdursten

Seine Frage nach einer Erstuntersuchung wurde verneint. Schließlich würde es sich um ein gefährliches Tier handeln, das zur Versorgung nicht mitgenommen werden dürfe, so die Kameradinnen zu Rennecke. Er schickte sofort eine Anwohnerin nach Wasser und befreite den Bären aus dem Kescher. Das Tier habe die gefüllte Plastikflasche ohne zu zögern ausgetrunken, auch die zweite Flasche sei fast in einem Zug geleert worden. „Die Gluthitze hatten das fast bewegungsunfähige Tier an den Rand des Verdurstens gebracht“, ärgert sich Rennecke.

Hilfe kommt zu spät

Von Blankenburg aus fuhr er mit dem Bären nach Ballenstedt zu einer Tierärztin, die feststellte, dass das Jungtier offensichtlich angefahren wurde und diverse Verletzungen hat. Der Wildtierretter nahm den Waschbären dann in seiner Station auf, wo er jedoch am Sonnabendvormittag eingeschläfert werden musste. „Er hatte sich einfach nicht mehr erholen können.“ Für Jens Rennecke kein Einzelfall. „Leider passiert es immer wieder, dass Hilfeleistungen bei Wildtieren zu spät einsetzen.“