Harz

Blankenburg sieht gelb

Die Abfallwirtschaft Nordharz liefert die Gelben Tonnen nach Blankenburg. Das funktioniert nicht überall reibungslos.

Von Holger Manigk

Blankenburg l Derenburg und Hüttenrode haben sie schon, nun folgt Blankenburg: Die Blütenstadt bekommt Gelbe Tonnen als Ersatz für die Gelben Säcke zur Entsorgung von Verpackungsmüll. Doch die Auslieferung geht nicht ohne Pannen ab: „Für einige unserer Häuser erhalten wir zu viele der zweirädrigen Tonnen“, erläutert Torsten Graf. Wie das Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft berichtet, befüllten einige Mieter sogar schon die überzähligen Abfallbehälter.

„Wir müssen nun im Anschluss das Wirrwarr in unserem Bestand bereinigen und herausfinden, wo wie viele Tonnen stehen, die gar nicht bestellt wurden“, so Graf weiter. Das bedeute einen immensen Mehraufwand – quasi doppelte Arbeit – für die Mitarbeiter der Genossenschaft. Sie waren bereits vor der Tonnen-Auslieferung von Objekt zu Objekt gegangen, um mit den Mietern über deren Wünsche zu sprechen. „Doch offenbar hat es keinen Abgleich mit der von uns eingeschickten Bedarfsliste gegeben“, vermutet der Genossenschaftsvorstand.

Das bestätigt Dirk Hirschfeld auf Volksstimme-Anfrage. „Wir orientieren uns bei der Auslieferung an der Zahl der vorhandenen Hausmülltonnen“, erklärt der Chef der Abfallwirtschaft Nordharz, die bis 2023 weiter den Verpackungsmüll im Landkreis einsammelt. Aufgrund dieser spärlichen Informationsgrundlage – die genutzten Daten stammen aus dem Herbst vergangenen Jahres – könne es zu Problemen wie in Blankenburg kommen.

„Angesichts von 80. 000 Haushalten im Harz und einigen Städten, in denen für einzelne Straße Sonderregelungen gelten, ist diese Variante sicher nicht die optimale Lösung, aber die mit einem vertretbaren Aufwand“, so Hirschfeld. Die Abfallwirtschaft-Mitarbeiter bemühten sich „nach Kräften, die relativ umfangreichen Reklamationen abzuarbeiten“.

Bis wann alle Blankenburger Haushalte mit den zweirädrigen 240-Liter-Tonnen ausgestattet sind, lasse sich laut des Geschäftsführers noch nicht seriös prognostizieren: „Das Winterwetter erschwert die Auslieferung – und die Abfallentsorgung hat für uns weiterhin Prioriät.“ Weitgehend abgeschlossen ist dagegen bereits die Bereitstellung der Vier-Rad-Behälter mit einem Fassungsvermögen von 1100 Litern für größere Wohnanlagen.

„Da haben wir gemeinsam mit den Verantwortlichen einen guten Kompromiss gefunden“, sagt Wohnungsgenossenschaftschef Graf. Die großen Container seien zunächst auf einem zentralen Lagerplatz gesammelt worden, sollen nach und nach an den einzelnen Blöcken verteilt werden. Damit habe der Vermieter genug Zeit, an seinen Immobilien die nötigen Stellplätze zu schaffen und einzuzäunen. An den Wohnhäusern in der Helsunger Straße etwa stehen die Tonnen schon in einer Einhausung.

Unterdessen reißt die Kritik wegen mangelnder Bürgerbeteiligung vor und während der Umstellung nicht ab. „Wir Blankenburger hatten keine Gelegenheit, unsere Standpunkte und Sorgen darzulegen“, klagt etwa Grit Dinsel. Die Rechtsanwältin hätte sich eine Befragung seitens der Stadtverwaltung im Vorfeld gewünscht – „oder wenigstens ein Einlenken nach dem Aufschrei, als im Herbst die Einführung der Tonnen öffentlich bekannt wurde“.

Das Beispiel Wernigerode habe gezeigt, dass es möglich war, nachzujustieren. Nach Protesten von Innenstadt-Bewohnern verhandelte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) mit Abfallwirtschaft und Entsorgungswirtschaft des Landkreises Harz nach. Das Ergebnis: In zwölf Straßen im Zentrum der Nachbarstadt dürfen weiter gelbe Säcke genutzt werden.

Denn in der Blütenstadt gebe es dieselben Probleme wie in Wernigerode: „In der Altstadt sind viele Häuser und Grundstücke einfach zu eng, um die Tonnen unterzubringen“, so Dinsel. Dasselbe gelte für die meisten Gehwege. „Ganz zu schweigen von der ästhetischen Seite“, ergänzt die Blankenburgerin. „Die Gestaltungssatzung schreibt für die Innenstadt vor, welche Farbe unsere Dachziegel haben sollen – und nun knallen wir quietschgelbe Tonnen vor die Fachwerk-Häuser?“