Elbingerode l Den Sonntagabend am 28. Juli 2018 werden Marina und Thomas Sturm wohl nie vergessen. Sie wollen gerade schlafen gehen, als die Frau ein merkwürdiges Knistern am Haus hört. Vielleicht der Wind, denkt sie noch und will sich gerade müde vom Tag wieder dem Bett zuwenden. Doch das Geräusch lässt ihr dann doch keine Ruhe. Zum Glück.

Denn als Marina Sturm kurz nach Mitternacht aus dem Fenster schaut, traut sie ihren Augen nicht: Es brennt im Hof lichterloh. Sofort ist sie hellwach, informierte den Mann im Nebenzimmer. Geistesgegenwärtig springt Thomas Sturm heraus und kann gerade noch das schon äußerlich angebrannte Auto wegfahren, alarmiert die Feuerwehr.

Dort geht der Ruf um 0.56 Uhr ein. Wenige Minuten drauf fährt ein Trupp los. Einer bemerkt dabei anhand der Adresse: „Das ist doch bei Thomas, einem von uns.“ Schweigen. Kein normaler Einsatz also.

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Angriffe auf Rettungskräfte

„In so einer Situation bekommt der Einsatz blitzartig ein Gesicht“, erläutert Vize-Ortswehrleiter Ronald Danker. Gerade in letzter Zeit häuften sich ja generell Angriffe auf Rettungskräfte in Deutschland und in der Region, da sei man sensibilisiert. Nun bei einem Elbingeröder Kameraden!?

Kurz nach dem Alarm sind die Feuerwehrleut bei Sturms, gehen professionell ans Löschen, Thomas Sturm selbst packt mit an. Das Feuer hat zwei Plastikmülltonnen geschmolzen und in große Fackeln verwandelt. Ein Zaun brennt, die Flammen lecken an Hauswänden. Beherzt dämmt der Trupp um Einsatzleiter Tobias Ulrich das Feuer ein. Abseits steht das qualmende Auto. Die wegen der Brisanz des Feuers schon alarmierten Wehren aus Rübeland, Neuwerk, Königshütte und Benneckenstein werden zurück beordert ...

Geschafft sitzen Marina und Thomas Sturm in ihrem gerade geretteten Haus, können das Geschehen nicht fassen. Vor allem will es nicht in ihren Köpfe, dass jemand das Feuer durch Anzünden des Papiers in der Papiertonne mutwillig auslöste. Das hat die ebenfalls sofort vor Ort aktive Polizei festgestellt. Die ganze Gefahr wird erst am Morgen klar.

Gefahr für ganze Straße

„Hier hat jemand mutwillig Menschenleben aufs Spiel gesetzt“, schüttelt Thomas Sturm den Kopf. „Ein ganzer Straßenzug hätte in Brand geraten können“, so Wehrleiter Danker, das sei verhindert worden.

Der Schaden ist auch so groß genug: Einige hundert Euro an Zaun und Hof, aber wohl einige tausend Euro am Auto. Pech im Unglück: Sturms Wagen ist nicht vollkaskoversichert, Vandalismus deckt die Haftpflicht nicht ab, heißt es. Sein Glück: Die Kameraden der Elbingeröder Feuerwehr halten zu ihm. Sie sammeln sofort mehrere hundert Euro und übergeben sie. Dem 54-Jährigen Sturm, seit 35 Jahren Feuerwehrmann, kommen die Tränen. „Mit der Rolle als Retter, wo man oft Schlimmes erlebt, komme ich klar“, gesteht er, „mit der Rolle als Opfer nicht.“ Auch Tage nach der Brandstiftung finden er und seine Frau keine Ruhe:

5000 Euro Sachschaden

„Wer macht sowas?“, fragen sie sich. Der Schaden beträgt rund 5000 Euro. Das malträtierte Auto wird für Arbeit und Feuerwehrdienst gebraucht. Beide wissen noch nicht, wie es weitergehen soll.

Die Polizei ermittelt indes wegen Brandstiftung. Zeugen wollen am fraglichen Abend drei junge Männer gesehen haben, die in der gleichen Straße zwei Briefkästen in Brand setzten und dann vor Sturms Haus einen der ihren vergeblich abhalten wollten, auf den Hof zu gehen. Ob er der Täter ist? Jugendliche sind an jenem Tag wegen eines Musikfestivals viele in der Stadt gewesen. Die Polizei bittet erneut um Mithilfe aus der Bevölkerung.

Sachdienliche Hinweise bitte an das Polizeirevier Harz, Telefon (0 39 41) 67 42 93.