Wernigerode l Das hat Wernigerode mit Paris und Rom gemeinsam: die Liebesschlösser. Was den Liebenden in den europäischen Metropolen die Pont Neuf oder Ponte Milvio ist, ist den Harzer Turteltäubchen der Altstadtkreisel.

Ob mit Namen oder Initialen versehen oder mit eingeprägtem Liebesschwur – Schlösser säumen das Geländer der markanten Fußgängerbrücke im Herzen der Stadt. Sowohl in Richtung Schloss als auch mit Sicht auf den Brocken haben etliche Paare ihre Schlösser angebracht, um ihre Liebe zu besiegeln. Ob die Flammen der Leidenschaft dank dieses Rituals tatsächlich bis in alle Ewigkeit lodern – wer weiß.

Mit den Schlössern selbst ist zumindest erstmal Schluss. Die Stadtverwaltung hat die Liebesbeweise aus Metall aufbrechen lassen. Hat die Wernigeröder Rathausspitze etwa kein Herz für Romantiker? Wenn das Amor wüsste.

„Die Schlösser verstärken die Rostbildung am Geländer“, begründet Sprecher Tobias Kascha den radikalen Kahlschlag an der Fußgängerbrücke. An dem erst 13 Jahre alten Bauwerk nagt schon jetzt der Zahn der Zeit. Auch auf dem Fußweg frisst sich der Rost durchs Metall, weshalb die Brücke neu beschichtet werden muss.

Schlechte Nachricht für alle Liebenden: Nach den Bauarbeiten soll Wernigerodes Altstadtkreisel weiter liebesschlossfrei bleiben. Verliebte Pärchen machen deshalb künftig wahrscheinlich einen Bogen um die plötzlich so unromantische Harzstadt. Aber wie sagte Humphrey Bogart einst so schön: „Uns bleibt immer noch Paris.“