Wernigerode l „Ich bin stets unzufrieden mit mir, möchte ständig mehr schaffen und habe unendlich viele Ideen.“ Dass sie genau so und kein bisschen anders tickt, davon hat Marlies Ameling in den vergangenen acht Jahren als Geschäftsführerin der Park & Garten GmbH die Gäste im Bürgerpark, im Miniaturenpark „Kleiner Harz“ und ihre Mitarbeiter überzeugt. Zum 31. Dezember wird sie in den Ruhestand verabschiedet.

Parkareal 17 Hektar groß

Die 65-Jährige kann sich noch gut an jenen 1. April 2010 erinnern – ihren ersten Tag als Geschäftsführerin. „Ich wusste nicht, was mich erwartet“, blickt sie zurück. Seit 2009 war sie bereits als Leiterin der Schauwerkstatt über die Oskar Kämmer Schule auf dem Parkgelände beschäftigt gewesen, kannte das 17 Hektar große Landesgartenschauareal gut. Doch in die Bücher und in die wirtschaftliche Situation hatte die gelernte Industriekauffrau keinen Einblick. „Ich musste erst einmal eine Struktur aufbauen“, berichtet sie.

Analyse, Synthese, Idee – dieses Vorgehen sei ihr als Industriedesignerin in Fleisch und Blut übergegangen. „Ich sehe ein Problem, ich erarbeite eine Aufgabenstellung und setze sie um“, erklärt sie. „Hauptaufgabe war es, den Park besucherfreundlicher zu gestalten.“ So habe sie den Wasserspielplatz, den Grillplatz und die Umgestaltung des Tiergeheges auf den Weg gebracht.

Viel schaffen für wenig Geld

Wenige Tage nach ihr nahm Ines Geike ihre Arbeit im Dornbergsweg auf. Die Buchhalterin und die technische Leiterin Sandra Pech bildeten mit Marlies Ameling ein Dreiergespann, das den Park in den letzten Jahren prägte. „Der Betrieb stand wirtschaftlich nicht gut da, wir haben es geschafft, ihn in acht Jahren in ordentliches Fahrwasser zu bringen“, sagt die gebürtige Thüringerin.

Marlies Ameling blühte in ihrer Rolle als Marketingchefin auf. Ihr Credo: viel Mehrwert schaffen für wenig Geld. „Ich arbeite mit einem Budget von 10 000 Euro für alle unsere Veranstaltung im Park“, sagt sie nicht ohne Stolz. Ob das Literaturcafé, Spaß mit Tieren, das Modellbaufest, der Tag der Vereine, der Kleingärtnertag, der Miniaturenpark bei Nacht oder der Kindertag – den Fokus legt sie stets auf Familien und auch Alleinstehende und Senioren – auch auf jene, die sich nicht den großen Urlaub leisten können.

Unterstützung von Partnern

Mit der Hilfe von Partnern aus Wirtschaft – wie der Volksstimme, der AOK, den Stadtwerken und der Harzsparkasse – erarbeitete sie einen prallgefüllten Veranstaltungskalender, der von April bis Oktober Jahr für Jahr Hunderttausend auf das Gelände, wo 2006 die Landesgartenschau stattfand, lockt. Sie initiierte drahtloses Internet für die Besucher im Bürgerpark, brachte mit guten Ideen wie Picknick im Park und den ausgefallenen Spielplätzen Leben auf das Areal, das früher zum Teil als Deponie diente.

Unter ihrer Federführung wurde der Miniaturenpark „Kleiner Harz“ um 20 Modelle erweitert und ausgebaut. Mittlerweile werden die Modelle im Bürgerpark in eigenen Werkstätten restauriert. Die Schauwerkstatt, die noch bis Ende 2016 unter der Regie der Oskar Kämmer Schule lief, wird demnächst um eine digitale Besucherinformation erweitert. Besucher können sich über das von der Kommunalen Beschäftigungsagentur geförderte Projekt „Kleiner Harz“, die Instandhaltung und Entstehung der 70 Mini-Sehenswürdigkeiten informieren.

30 Jahre im Derenburger Glaswerk

Etliche Stellen für Ein-Euro-Jobber haben sie geschaffen, viele sind heute in Lohn und Brot, einige arbeiten sogar im Bürger- oder Miniaturenpark. Dass sie selbst über die Arbeitslosigkeit in den Park kam, wissen nur wenige. 30 Jahre lang war Marlies Ameling im Derenburger Glaswerk im Marketing und Vertrieb tätig. „Ich war an 200 Tagen im Jahr auf Messen und im Einkauf unterwegs“, erinnert sie sich. 2004 dann der Rausschmiss. In der Oskar Kämmer Schule fing sie noch einmal ganz von vorne an, als Anleiterin bemalte sie die Modelle. „Gleimhaus und Kleines Schloss Blankenburg habe ich gebaut“, verrät sie. Fast einen perfektionistischen Anspruch hat sie an die Arbeit mit den Modellen – eben weil ihr das Handwerk so vertraut ist. Auch den Bau der Miniaturen betreute sie mit.

Als sie 2009 die Leitung der Schauwerkstatt übernahm, war das nicht jedem Recht. „Einigen Männern war es ein Dorn im Auge, dass ich als Frau plötzlich den Ton angab“, sagt sie. Doch sie wuchs an der Aufgabe – und als die Stelle neu ausgeschrieben wurde, ermutigte ihr Mann Lothar sie, sich zu bewerben.

Mehr Schulkassen erwünscht

Ihrer Nachfolgerin Sandra Pech und dem neuen Geschäftsführer Andreeas Meling wünscht sie gutes Gelingen. „Es ist eine unendliche Arbeit“, so Ameling. „Mein Wunsch wäre, dass noch mehr Schulklassen die Chance nutzen, im Minitaurenpark mehr über ihre Region zu erfahren.“ Was sie mit ihrer neugewonnenen Freizeit anfängt, weiß sie noch nicht. „Ich werde kreativ sein.“ Daran lässt sie keine Zweifel aufkommen.