Tanne l „Sonst habe ich mir um diese Zeit im August so oft gewünscht, dass die Regenwolken mal verschwinden, diesmal geht die Sonne gar nicht weg“, sagt Brockenbauer Uwe Thielecke. Sein Team samt Landwirtslehrling ist quasi pausenlos mit der Wasserversorgung für Rinder beschäftigt.

Zusätzliche Wassercontainer

Denn 170 Kühe und nochmal gut 400 Kälber, Bullen, Ochsen wollen versorgt sein. Eine Kuh brauche etwa 55 Liter am Tag, jetzt bei der Hitze elf Liter mehr, so der Experte. Ständig würden deshalb dieser Tage Container mit Wasser zu den über 20 Standorten mit Herden auf die Weiden gefahren.

Eigentlich müsste das Gras dort jetzt noch grün sein und bis 30 Zentimeter hoch stehen, aber noch nicht mal zehn Zentimeter sind noch da, die meisten Halme gelb. „Die Verluste liegen bei 35 bis 40 Prozent“, sagt Bauer Thielecke. Der ganze Schaden werde aber erst nächstes Jahr erkennbar, die Folgen seien noch nicht abzusehen. Hoffentlich regne es bald.

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Bio-Futter reicht gerade so

Auf der Weide selbst finden die Tiere nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Futtermenge. „Wir haben immer soviel eigenes Bio-Futter, wie wir brauchen“, so Thielecke, „noch kommen wir gerade so hin. Aber verkaufen können wir keins.“ Viele Landwirte würden schon händeringend Futter zu kaufen suchen. Thieleckes müssen selbst schon sehr haushalten. Deshalb würden derzeit mehr Rinder als sonst geschlachtet. Ihre für den Herbst geplante Verwertung werde sozusagen vorgezogen, um Futter für die anderen Rinder auf den Oberharzer Weiden zu sparen. Und diese anderen scheinen Trockenheit und Hitze irgendwie gelassen zu nehmen.

Friedlich stehen die braunen Tiere in der prallen Sonne, als ob ihnen die nichts anhaben kann. Weiße Rinder oder solche mit weißen Flecken könnten durchaus Sonnenbrand bekommen, so Experten, die braunen Harzer nicht. „Wir haben durch die Hitze noch kein Tier verloren“, sagt Uwe Thielecke. Der pausenlose Wassertransport zu den Weiden zahle sich aus. Einmal auch musste ein Tier wegen einer Sonnenallergie mit Schutzemuslion eingecremt werden, aber ansonsten kämen die Tiere ganz gut mit dem Wetter zurecht.

Rote Höhenvieh genügsam

„Meine Kollegen von anderen Höfen staunen immer, wenn ich sage, unsere Rinder fressen das, was auf der trockenen Weide steht. Das wollen manche gar nicht glauben, ist aber so“, erläutert Thielecke. Das Rote Höhenvieh, Harzer Schlag sei genügsam. Jeder Grashalm, selbst Diesteln würden gefressen und als Futter verwertet. Manchmal könnten sich die Rinder bequem in den Schatten legen oder einen kühleren Stall aufsuchen, bleiben aber in der prallen Sonne. „Weil da ein bischen Wind weht, das ist ihnen lieber als windstiller Schatten“, erläutert der Brockenbauer. Er ist froh, den Weidebetrieb insgesamt normal absichern zu können.

Dazu gehört auch der Einsatz von zehn Bullen. Sie sorgen auch bei der Hitze jetzt für Rindernachwuchs und sehen wohlgenährt aus. In einigen Wochen seien sie klapprig, erklärt Thielecke. Aber nicht, weil Futter fehlt, sondern von den vielen Decksprüngen.