Wernigerode l Am Eingang liegt die obligatorische Kontakteliste. Gleich daneben ist der Spender mit Handdesinfektionsmittel. Die Sitzecken, der Tischtennis- und der Billardbereich im großen Saal des Jugendhauses Center sind mit Tauen, Bänken und Klebestreifen voneinander getrennt. „Damit unsere Besucher die geforderten Abstände besser einhalten“, erklärt Wernigerodes Stadtjugendpfleger Gernot Eisermann im Gespräch mit der Volksstimme.

In jedem Jugendtreff gebe es andere Voraussetzungen für die Corona-Regeln. „Das Center zwischen den Wohngebieten Stadtfeld und Burgbreite ist am größten. Dafür ist die Außenfläche relativ klein.“ Der Treff im Harzblick sei kleiner, dafür stehe den Jugendlichen der benachbarte Sportplatz zur Verfügung. Die Clubs in Silstedt und Benzingerode seien so klein, dass nach den geltenden Abstandsregeln gerade einmal fünf Leute hineindürften. „Da mussten wir alle Aktivitäten nach draußen verlegen. Anders geht es nicht“, sagt Eisermann. „Aber wir sind schon froh, dass wir überhaupt wieder öffnen dürfen.“

Wegen der Corona-Pandemie mussten Mitte März alle Jugendclubs der Stadt Wernigerode und ihrer Ortsteile schließen. Für etliche der Jugendlichen, die die Treffs regelmäßig besuchen, eine schwierige Situation. Nicht nur, weil es für die Mädchen und Jungen wichtig ist, sich mit Gleichaltrigen zu treffen. „Auch weil die Mitarbeiter in unseren Einrichtungen für sie Vertrauenspersonen sind, mit denen sie über Probleme reden können“, so der Stadtjugendpfleger. Das fiel in dieser Zeit weg. Die Kollegen hätten dennoch versucht, Kontakt zu den jungen Leuten zu halten - über WhatsApp oder auch mal beim „Gespräch über den Zaun“, so Eisermann. Die Arbeit des Streetworkers sei ebenso eingeschränkt gewesen. „Theo Drescher ist dennoch gefahren, musste sich aber auf Kontaktpflege, die Erinnerung an die Hygieneregeln und Einzelgespräche auf Entfernung beschränken“, sagt Eisermann.

Krise gefährdet Beziehung zu Jugendlichen

Das Problem: Durch die Zwangspause sei die „nicht selten mühsam erkämpfte“ professionelle Beziehung der Kollegen zu den Jugendlichen zum Teil „schwer belastet gewesen, wenn nicht sogar zerbrochen. Da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Eisermann. So bleibe nun beispielsweise eine noch nicht gefestigte Kindergruppe dem Center fern. „Da kommen nur noch einzelne.“

Die digitalen Methoden, das hätte sich während der Schließzeit gezeigt, seien als Ergänzung begrüßenswert, ersetzen aber nicht den persönlichen Kontakt und seien in vielen Fällen keine gleichwertige Alternative. Die Kollegen würden so erst zu spät oder gar nicht von manchen Problemen erfahren. „Das macht große Sorgen, und langfristige negative Auswirkungen sind zu befürchten“, schätzt der Stadtjugendpfleger ein.

Mit der Ende Mai in Kraft getretenen sechsten Pandemieverordnung durften die Jugendtreffs in Sachsen-Anhalt unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen. „In Wernigerode haben wir erst am 2. Juni aufgemacht, da wir die Zeit vor dem Pfingstwochenende noch gebraucht haben, um die Räume entsprechend vorzubereiten und Hygienekonzepte zur erstellen“, blickt Eisermann zurück. Dreh- und Angelpunkt sei wie bei vielen anderen Einrichtungen die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln gewesen. „Wir sind also durch alle Jugendtreffs gegangen und haben nachgemessen, wie viele Personen wir jeweils einlassen dürfen.“ Einige Aktivitäten wie gemeinsames Kochen und Sportspiele mit engem Kontakt seien weiterhin verboten. Auch der Fitnessraum im Center muss noch geschlossen bleiben.

Ferienpass-Teilnehmer statt Jugendlichen

In den Jugendtreffs in Wernigerode, Silstedt und Benzingerode ginge es momentan eher ruhig zu. Das liege aber auch an der Jahreszeit. „Es ist üblich, dass in den Ferien weniger regelmäßige Besucher kommen.“ Dafür würden jetzt die Teilnehmer der Ferienpass-Aktionen die Räume an manchen Tagen füllen. Eisermann freut sich, dass die Ferienaktionen der Stadtjugendpflege trotz Corona angeboten werden können - wenn auch Ausflugsfahrten in die nähere und weitere Umgebung ausfallen müssen.

Eine gute Nachricht hat Gernot Eisermann noch für die Jugendlichen. Die zweieinhalbwöchige Schließzeit, die sonst nach den Sommerferien in den Wernigeröder Jugendtreffs ansteht, wird es dieses Jahr nicht geben. „Das haben die Mitarbeiter beschlossen. Wir hatten doch wegen Corona schon so lange zu.“