Wernigerode l Es hätte so schön sein können. Das Ja-Wort im Standesamt, der Kuss. Tränen der Rührung, wenn der Pianist zum Finale ansetzt. Lauter Jubel, wenn das frischvermählte Brautpaar aus dem Rathaus tritt. Was folgt, ist eine Party, die auf ewig in Erinnerung bleibt. Schließlich ist es doch der schönste Tag des Lebens. Doch in Zeiten von Corona ist alles anders – auch in der Hochzeitsstadt Wernigerode. Menschenansammlungen und Partys sind verboten. Überhaupt sollen Kontakte vermieden werden, um das Ansteckungsrisiko so niedrig wie möglich zu halten.

„Bei den Brautpaaren gibt es viele Unsicherheiten in diesen Tagen“, schätzt Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha ein. „Was ist erlaubt? Oder wie gestalten wir diesen ganz besonderen Tag? – Das sind nur einige Fragen, mit denen unsere Standesbeamten tagtäglich konfrontiert werden.“

Wie eine Hochzeit abzulaufen hat, ist in der Pandemieverordnung des Landes geregelt. Beispielsweise darf laut Verordnung nur die engste Familie des Paares – also Eltern, Kinder, Geschwister und die Trauzeugen – teilnehmen. Eine Regelung, die in Wernigerode noch verschärft wurde. Nur die Brautpaare selbst dürfen zum Heiraten ins Rathaus kommen. Einzige Ausnahme sind betreuungspflichtige Kinder der angehenden Eheleute, die mit ins Standesamt genommen werden dürfen. „Wir wollen unsere Mitarbeiterinnen einfach intensiv schützen“, begründet Kascha die strenge Regel, die „weitestgehend akzeptiert“ werde.

Wernigerode als Hochzeitsort weiterhin gefrag

Dennoch hätten einige Brautpaare ihre Trauung abgesagt beziehungsweise auf später verschoben. Dies seien zumeist Paare gewesen, die eine große Feier für den Beginn ihres gemeinsamen Glückes planten, so der Sprecher. Es gebe dennoch positive Signale. „Auch in diesen Tagen werden Termine für Trauungen gebucht – sowohl für kurzfristige Eheschließungen als auch für Trauungen im Sommer“, so Kascha. Wernigerode sei als Hochzeitsort nach wie vor gefragt – bei Einheimischen wie bei Paaren von außerhalb. „Das freut uns und macht Hoffnung.“

Eine stimmungsvolle Ausgestaltung der Trauung sei für die Standesbeamtinnen während der Corona-Krise selbstverständlich. „Das ist Bestandteil ihrer ganz eigenen Berufsehre“, versichert Tobias Kascha. Gleichzeitig werde alles dafür getan, um Mitarbeiter und Paare zu schützen. „Wir stellen Desinfektionsmittel zur Verfügung“, so Kascha. In unmittelbarer Nähe zum Trauzimmer gebe es Waschbecken zur Reinigung der Hände. „Außerdem haben wir eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz angeschafft.“ Nach den Trauungen werden die Räumlichkeiten gereinigt. Maskenpflicht bestehe nicht.

Der Blick über den Tellerrand zeigt: In anderen Harzer Kommunen sind die Auflagen für Hochzeiten nicht ganz so verschärft. „Wir haben es bei den Auflagen des Landes belassen, um die Paare nicht noch mehr zu bestrafen“, sagt Melanie Kohlmeister, Standesbeamtin in der Gemeinde Huy. „Sie freuen sich doch auf den schönsten Tag ihres Lebens.“ Dennoch seien einige Hochzeiten abgesagt worden, nachdem die Brautpaare von den Einschränkungen gehört hatten.

Gemeinde Huy vergibt keine neuen Termine

Für sich habe das Standesamt im Huy ebenso die Notbremse gezogen. „Wir vergeben im Moment keine neuen Termine, arbeiten nur bereits angemeldete ab.“ Und zwar mit aller Vorsicht. „Bei uns sitzt natürlich niemand hinter Plexiglas“, so Kohlmeister. Aber auf die Sicherheitsabstände werde geachtet. „Und wer auf eine Maske besteht, kann sie tragen.“ Dazu komme – wie vom Land gefordert – die obligatorische Gesundheitsabfrage von Brautpaar und Gästen. Übrigens: Die Westerburg fällt derzeit als Hochzeitslocation aus. Sie ist wegen der Corona-Krise seit Mitte März geschlossen.

In Ilsenburg seien bisher keine Hochzeiten durch das Standesamt abgesagt worden, informiert Bürgermeister Denis Loeffke (CDU). „Wir sind dazu angehalten, die Trauungen durchzuführen.“ Einige Brautpaare hätten aber ihren Termin auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Für Hochzeiten in Ilsenburg gelten die Vorgaben des Landes. Die Teilnehmerzahl sei auf maximal zehn Personen begrenzt.

„Auf Händeschütteln und ähnliches wird verzichtet, die Gäste sitzen in einem Abstand von mindestens 1,5 Meter“, so Loeffke weiter. „Außerdem werden alle Anwesenden nach ihrem Wohlbefinden gefragt.“ Darüber hinaus muss jedes Brautpaar eine Liste mit den vollständigen Namen, Anschriften und Telefonnummern der anwesenden Gäste abgeben. „Diese werden bei uns im Standesamt zwei Monate aufbewahrt.“

Abstand halten und weniger Gäste

Ganz ähnlich werden derzeit Hochzeiten in Osterwieck gehandhabt, heißt es aus dem Rathaus. Gebote der Stunde sind Abstandshaltung, reduzierte Teilnehmerzahl, Gesundheitsabfrage und Hygienestandards. Zudem könnten im Moment nicht alle Trauzimmer vollumfänglich genutzt werden.

In Blankenburg werden alle geplanten und gewünschten Trauungen trotz Corona-Krise durchgezogen, meldet Pressesprecher Bennet Dörge. Selbstverständlich mit Einschränkungen. „So sind zum Beispiel Sektempfang und Gruppenfoto nicht erlaubt.“ Zudem könnten Hochzeiten derzeit nicht an allen Trauorten stattfinden, da das Kloster Michaelstein, das Große Schloss und die Glasmanufaktur Harzkristall in Derenburg geschlossen seien. Stattdessen werde laut Dörge das historische Rathaus mit Trauzimmer und Ratssaal genutzt, um die Abstandsregeln einzuhalten.

„Trauungen im Kleinen Schloss wären ebenfalls möglich, fanden aber in den letzten Wochen nicht statt.“ Der Ablauf der Zeremonie sei inhaltlich und zeitlich unverändert – unter Berücksichtigung der Pandemieverordnung des Landes. Der Hochzeitsgesellschaft und den Standesbeamten stehe Handdesinfektion zur Verfügung. „Bei größeren Hochzeitsgesellschaften finden die Trauungen nicht im Trauzimmer, sondern im Ratssaal statt“, so Dörge weiter. Bisher hätten zwei Brautpaare ihre Hochzeit abgesagt.

Standesamt informiert Paare vor Trauung

Auch in Halberstadt wird weiter geheiratet. „Derzeit mit insgesamt acht Personen“, informiert Pressesprecherin Ute Huch. „Das Standesamt setzt sich zu Beginn einer jeden Woche mit den Brautpaaren telefonisch in Verbindung und teilt die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen mit“, so die Sprecherin weiter.

Zudem müsse jeder Teilnehmer vor der Eheschließung ein Merkblatt mit seinen Daten ausfüllen und versichern, in den vergangenen 14 Tagen in keinem Risikogebiet gewesen zu sein und keinen Kontakt zu infizierten Personen gehabt zu haben. „Weiterhin darf kein Teilnehmer Symptome wie Husten, Schnupfen, Fieber oder Atemwegsbeschwerden haben“, so Ute Huch. Wie in allen anderen Harzer Standesämtern werde der Mindestabstand eingehalten.