Elbingerode l Eltern kamen mit ihren Grundschulkindern an der Hand, Lehrer fragten, wie es nun weitergeht, das Telefon klingelte am laufenden Band. Im Sekretariat der Grundschule „Paul Ernst“ in Elbingerode ging es am Montag, dem ersten Tag, der wegen der Corona-Krise unterrichtsfrei war, recht hektisch zu. Doch die Schulleiterin Bettina Borth und die Sekretärin Alexandra Werner waren die Ruhe selbst. „Ich ahnte schon im Vorfeld, dass es zu einer landesweiten Schulschließung kommt. Daher war ich nicht überrascht, als es am Freitagnachmittag amtlich wurde“, berichtet die Schulleiterin.

Die Anfragen beantworten die beiden Frauen ruhig und sachlich, zwischendurch ist sogar Zeit für eine Tasse Kaffee und ein paar Waffeln. Den Fachlehrern erläutert die Pädagogin das weitere Vorgehen – gemeinsam versuchen sie, das Beste aus der Situation zu machen. „Meine Sekretärin und ich werden jeden Tag in der Schule anwesend sein. Die Lehrkräfte bleiben in Rufbereitschaft zu Hause. Auch in der Benneckensteiner Grundschule ist jeden Tag die leitende Lehrkraft als Ansprechpartner da“, erläutert Bettina Borth.

Zum Unterrichtsbeginn am Montag kamen neun Schülerinnen und Schüler, deren Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit fanden. Sie wurden nicht weggeschickt, sondern während der Unterrichtszeit und im Hort beschäftigt. In Hasselfelde sah das Bild ähnlich aus. Nur wenige Kinder waren am Montag zur Notbetreuung in der Blumenau-Grundschule, berichtet Schulleiterin Elke Prill. „Unsere Eltern haben sehr verantwortungsvoll gehandelt.“

Die Nachricht von der Schließung der Schulen und Kitas ging ab Freitagnachmittag durch Presse, Rundfunk und soziale Medien und kam bei den Eltern an. So sieht es Hans-Henning Friedrichs, der als Hauptamtsleiter der Oberharzstadt zuständig für Kitas, Horte und Grundschulen ist. Nur wenige Mädchen und Jungen kamen am Montag in die Kitas, berichtet Friedrichs. „Ich habe den Eindruck, dass die Schließung zu einem hohen Prozentsatz akzeptiert wird.“

Höchstens zehn Prozent

Von rund 300 Kindern, die in den sieben Tagesstätten im Stadtgebiet betreut werden, waren zirka zehn Prozent erschienen – „wenn überhaupt“, so Friedrichs. Er vermutet, dass ihre Zahl weiter sinken wird, sobald die zwei Übergangstage vorüber sind und nur noch Kinder betreut werden, deren Eltern als „unentbehrliche Schlüsselpersonen“ im Sinne des Erlasses des Sozialministeriums vom Sonntag gelten.

Die Eltern müssen dann einen Antrag stellen und eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen, so Friedrichs. Die Formulare werden in den Einrichtungen ausgeteilt und können voraussichtlich am heutigen Dienstag über die Homepage www.oberharzstadt.de heruntergeladen werden.

Er schätzt, dass bis Ostern nur ein bis zwei Kinder pro Einrichtung betreut werden müssen. „Es gibt den ausdrücklichen Wunsch, dass die Kinder in ihren Einrichtungen bleiben.“ Die geringe Zahl der Kinder sei im Sinne der Corona-Prävention von Vorteil. „Wir wollen versuchen, die Infektionskette zu unterbrechen.“ Mit einer einzigen Notgruppe mit vielleicht 25 Kindern werde das kaum gelingen. „Damit vergrößert sich das Risiko enorm.“

Die Verwaltung stehe in ständigem Austausch mit den Einrichtungen und den Eltern. „Die Lage muss täglich neu beleuchtet werden“, so Friedrichs. Dass die Kommunikation mit den Eltern funktioniert, bescheinigt Nicole Jenderze vom Schulelternrat der Oberharzstadt. Sie lobt die „ganz tolle Arbeit an der Schule, im Hort und mit den Elternräten“. Am Sonntag habe es eine Telefonkonferenz mit dem Landeselternrat gegeben, in der umfassend informiert wurde. „Am ersten Tag ist es gut gelaufen, aber auf längere Sicht wird es schwierig“, sagt sie. Viele Eltern seien verunsichert, wie mit eventuell nötigen Auszeiten von der Arbeit konkret umgegangen werde. „Viele haben auch Angst um ihren Job, wenn sie zu Hause bleiben.“ Zudem gebe es viele Alleinerziehende, die nicht auf die Großeltern zurückgreifen können – sofern es diese gibt.

Olympiade abgesagt

Ausfallen werden in der Grundschule Elbingerode neben Unterrichtsstunden auch geplante Aktionen und Veranstaltungen. Abgesagt wurde die Mathematik-Olympiade, der Girls Day, der Brandschutztag und das Projekt Ostern. Für die unterrichtsfreie Zeit bekommen die Grundschüler Unterrichtsmaterial nach entsprechenden Aufgabeketten in den Fächern Mathematik, Deutsch und Sachkunde. Diese sind für die drei Wochen ausreichend.

Die Fachlehrer bereiten diese vor. „Bei den gesamten logistischen und organisatorischen Maßnahmen werde ich von Schulelternrat des Grundschulverbundes unterstützt“, sagt Schulleiterin Bettina Borth, die hofft, dass sie am 14. April alle Paul-Ernst-Grundschüler wieder gesund begrüßen kann.