Interview

Der Wernigeröder Sternekoch Robin Pietsch spricht über seine Corona-Infektion, neue Projekte und anstehende Veränderungen

Nicht mehr riechen, nicht mehr schmecken können – mit dieser Sorge musste sich Wernigerodes Sternekoch Robin Pietsch auseinandersetzen. Er hatte Corona.

15.07.2021, 20:00
Robin Pietsch ist Sachsen-Anhalts einziger Sternekoch. Er betreibt zwei Restaurants in Wernigerode.
Robin Pietsch ist Sachsen-Anhalts einziger Sternekoch. Er betreibt zwei Restaurants in Wernigerode. Foto: Ben Kruse

Volksstimme: Herr Pietsch, seit wenigen Tagen sind Ihre beiden Wernigeröder Restaurants wieder geöffnet. Was ist es für ein Gefühl, nach acht Monaten Corona-Zwangspause wieder für Gäste am Herd zu stehen?

Robin Pietsch: Es war einfach nur megageil. Die Gäste am ersten Abend kannten wir fast alle persönlich. Die meisten waren Stammgäste, die sofort reserviert haben, als sie hörten, dass wir wieder öffnen. Einige haben sogar Geschenke für uns mitgebracht.

Hand aufs Herz: Wer aus der Übung ist, macht Fehler – und die können beim Hantieren mit scharfen Messern und am heißen Herd auch schon mal schmerzhaft ausfallen ...

Das stimmt. Der eine oder andere hat sich wirklich geschnitten, aber nicht schlimm. Wir waren alle ein kleines bisschen aufgeregt, da haben sich natürlich Fehler und Unsicherheiten eingeschlichen – aber von denen haben die Gäste hoffentlich nichts mitbekommen.

Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet, ich hatte nicht einmal einen Schnupfen.

Hatten Sie während der vergangenen Monate die Befürchtung, dass Sie Ihre Restaurants nicht wiedereröffnen können?

Weil wir die Zeit wirtschaftlich nicht überstehen? Ehrlich gesagt nicht. In meinem Fall kann ich nur sagen, dass die Wirtschaftshilfen akkurat waren. Wenn man dann auch gut haushaltet und nicht auf großem Fuß lebt, kann man so etwas überstehen. Unsere beiden Unternehmen sind gesund, darum hatte ich diesbezüglich keine Sorgen.

Apropos gesund. Sie persönlich hatten in den vergangenen Monaten gesundheitliche Probleme, wurden positiv auf Covid-19 getestet.

Ja, das kam für mich völlig unerwartet. Bei den Jobs, die ich in dieser Zeit hatte, wurde penibel auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet und regelmäßig getestet. Als ich für Dreharbeiten nach Leipzig gefahren bin, wurde wieder ein Test gemacht. Der fiel positiv aus. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet, ich hatte nicht einmal einen Schnupfen. Darum habe ich einen zweiten Test gemacht, und auch der war positiv.

Wie ging es dann weiter?

Ich wusste ehrlich nicht, wie ich mich verhalten soll. Darum habe ich versucht, verschiedene Hotlines zu erreichen. Aber an einem Samstagabend waren die natürlich nicht besetzt. Dankenswerterweise wurde mir dann im Harzklinikum geholfen. Da wurde ein PCR-Test gemacht. Ebenfalls mit positivem Ergebnis.

Blieb es dabei, dass keine Symptome aufgetreten sind?

Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, dass ich wohl keine hatte. Aber in dem Moment, in dem man das Testergebnis erhält, fängt man an, nachzudenken und sich reinzusteigern. Sind das Halsschmerzen? Schmecke ich noch alles richtig?

Darum bin ich jeden Morgen als Allererstes an den Kühlschrank gegangen und habe an einer Zitrone geleckt.

Viele Infizierte haben davon berichtet, dass aufgrund von Corona Ihr Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt wurde ...

Das war meine größte Angst. Darum bin ich jeden Morgen als Allererstes an den Kühlschrank gegangen und habe an einer Zitrone geleckt und gerochen. Meine Lebensgefährtin fand das schon seltsam, aber mich hat das beruhigt.

Was sagen Sie zum Thema Corona-Leugner?

Ich kann nicht verstehen, dass es noch immer Leute gibt, die die Existenz von Corona leugnen. Ich habe live gesehen, dass es das gibt. In meinem Fall war es nicht der Rede wert, aber ein Freund von uns lag lange Zeit mit Corona in Ballenstedt in der Lungenklinik. Bei ihm war die Situation wirklich ernst.

Wie haben Sie die Zeit der Isolation empfunden, in die Sie sich nach der Diagnose begeben mussten?

Ich musste mit meiner Partnerin zu Hause bleiben – den ganzen Tag zusammen und das über Wochen, das sind wir gar nicht gewohnt. Unsere größte Sorge war es, dass wir uns aufs Dach steigen. Aber das ist nicht passiert. Im Gegenteil, wir haben die Zeit sogar genossen. Wir haben den Fernseher leer geschaut und durften zum Glück auch in unseren Garten rausgehen.

Also mal – unverhofft – Zeit zum Ausspannen?

Ja, aber ich habe die Zeit auch zum Arbeiten genutzt. Dank Laptop war das ja möglich. Wir haben die Corona-Monate genutzt, um einen Online-Shop aufbauen zu lassen, einen eigenen Gin und einen Whiskey zu entwickeln und Kochboxen für Laien zusammenzustellen. Und ich habe im Lockdown an einem Buch gearbeitet.

Ein Kochbuch?

Genau. Es heißt Heimatküche und enthält für jeden nachzukochende Gerichte. Außerdem erkläre ich darin Basics, wie eine Soße gezogen wird zum Beispiel.

Ich hatte tatsächlich großes Interesse, dem Palmenhaus endlich neues Leben einzuhauchen.

Wer Ihnen in den sozialen Netzwerken folgt, konnte sehen, dass Sie außerdem viel für Dreharbeiten unterwegs waren ...

Das stimmt. Ich war für mehrere Projekte und verschiedene Sender unterwegs. Mein Herzensprojekt ist „StadtLandPietsch“. Dafür reise ich durch Sachsen-Anhalt – und stehe mal nicht selbst am Herd. Stattdessen entdecke ich Land und Leute, schaue Menschen über die Schultern, die sich zum Beispiel komplett selbst versorgen oder etwas Besonderes anbauen. Unter anderem besuche ich auch ein Start-up, das sich komplett auf Wildfleisch-Produkte spezialisiert hat.

Traut man der Gerüchteküche in Wernigerode, haben Sie in den vergangenen Monaten auch ein Bauprojekt vorbereitet. Stimmt es, dass Sie das Palmenhaus im Lustgarten kaufen und sanieren wollen?

Ich hatte tatsächlich großes Interesse, dem Palmenhaus endlich neues Leben einzuhauchen und mit dem „Zeitwerk“ dort einzuziehen. Aber es kam trotz vieler Bemühungen und obwohl die Stadt mit allen Mitteln hinter mir gestanden hätte, wie mir zugesichert wurde, nicht zu einer Einigung mit dem Eigentümer.

Und nun? Bleibt das „Zeitwerk“ an seinem angestammten Platz?

Nein, nach nunmehr zehn Jahren „Zeitwerk“ wird es Zeit für eine Veränderung. Mehr werde ich noch nicht verraten. Aber wir bleiben definitiv in Wernigerode.