Wernigerode l Ein böses Erwachen hat es nach einer groben Fahrlässigkeit für eine 64 Jahre alte Harzerin gegeben. Die Frau aus Wernigerode zahlte für die Notöffnung einer Tür statt 89 Euro satte 890 Euro. Das Geld ist wahrscheinlich auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Es sei denn, es handelt sich letztlich doch nur um ein Versehen und der betreffende Schlüsseldienst erstattet der Frau das irrtümlich abgebuchte Geld zurück.

Die Frau, so Polizeisprecher Uwe Becker, hatte am Mittwoch, 8. August, einen Schlüsseldienst gerufen. Dessen Mitarbeiter forderte für die Anfahrt 89 Euro. Da die Frau nicht so viel Bargeld im Haus hatte, traf sie eine folgenschwere Fehlentscheidung: „Sie übergab dem Mann ihre EC-Karte nebst Geheimzahl“, berichtet der Polizeisprecher. Das Ansinnen war klar: Mit geradezu blindem Vertrauen bat sie den wildfremden Mann, sich das Geld doch an einem Geldautomaten zu holen.

Zunächst schien das mit dem Vertrauen noch zu klappen: Der Mann brachte der Rentnerin die EC-Karte wenig später zurück, so der Polizeisprecher weiter.

Kontoauszug verrät Abhebung

Wenige Tage später, am Montag, 13. August, dann bei Blick auf das Konto oder die Kontoauszüge das böse Erwachen und der Schock: Der unbekannte Mann hatte die Gunst ganz offensichtlich genutzt und statt der verabredeten 89 Euro mal eben 890 Euro vom Konto geholt.

Ob er hierbei gezielt, also mit Vorsatz, agierte, oder einfach spontan zugriff, ist bislang unklar. Zumindest theoretisch könnte auch ein Tippfehler daran „schuld“ sein, dass aus 89 satte 890 Euro wurden. Dann aber hätte der Unbekannte der Frau das irrtümlich zu viel gezogene Geld umgehend aushändigen müssen.

Fragen, die die Ermittler der Polizei nun zu klären haben. „Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdachts eingeleitet“, so Hauptkommissar Becker.

Ganz generell rät der Sprecher im Harzer Polizeirevier, sollte man für den Fall des versehentlichen „Ausschließens“ oder Zufallens der Tür nach Möglichkeit einen Ersatzschlüssel bei Verwandten oder anderen Vertrauenspersonen hinterlegen, um im Bedarfsfall darauf zurückgreifen zu können. „Grundsätzlich sollte Fremden niemals die EC-Karte – und schon gar nicht mit der dazugehörigen PIN – ausgehändigt werden“, betont der Sprecher. In einem Fall wie dem aktuellen hätte die Frau notfalls den Mitarbeiter des Schlüsseldienstes zum Geldautomaten begleiten und dort selbst das geforderte Geld ziehen müssen.