Wernigerode l Langsam wuchert das Gras rund um die Hütte nahe des Ottofelsens. „Wir mussten die Station aufgeben“, sagt Andy Schröder. Wie der Präsident des Kreisverbandes vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) erläutert, trauen sich die Bergwacht-Mitglieder, die zur Hilfsorganisation gehören, nicht mehr zu der Basis südlich von Wernigerode.

Am 9. August hatte Philipp Constantin Fürst zu Stolberg-Wernigerode, dem das Waldstück gehört, den Nutzungsvertrag außerordentlich gekündigt – „rein vorsorglich“, wie er auf Volksstimme-Anfrage schreibt. Eine erste Kündigung des Pachtvertages von 1990 hatte er bereits im September 2017 ausgesprochen. „Dies war leider unumgänglich, da der Zweigverband Wernigerode des Deutschen Roten Kreuzes trotz Abmahnung die Hütte kontinuierlich nicht vertragskonform nutzte“, so Stolberg-Wernigerode.

Ihn stört, „dass einige wenige Mitglieder der Bergwacht unter dem Deckmäntelchen Dienst in einer DRK-Sanitätsstation in Wahrheit mit ihren Familien ihre Freizeit verbringen“. Daraus machen die ehrenamtlichen Helfer kein Hehl. „Die Hütte ist der Mittelpunkt unserer Gemeinschaft“, sagt Bergwacht-Leiter Holger Müller.

Bergwacht baute Hütte selbst

Für ihn und viele ältere Mitglieder sei der Streit um die Unfallhilfsstation „eine hochemotionale Geschichte“. Immerhin hätten sie das Häuschen in den 1980ern selbst ausgebaut und seit Jahrzehnten gepflegt. Doch unter dem Druck der Kündigung des Nutzungsvertrages und des Verbots, die Wege zur Unfallhilfsstation zu befahren, habe sich kaum noch jemand getraut, die Hütte zu besetzen.

Damit klafft aus Sicht der Bergwacht nun ein Loch im Rettungsnetz zwischen Wernigerode und Brocken. „Vom Ottofelsen aus haben wir kürzere Wege zu Einsätzen rund um Drei Annen Hohne als von Schierke aus“, erläutert Müller. Die Hütte sei eine wichtige Ergänzung zur Brocken-Station der Bergwacht. Das sieht Philipp zu Stolberg-Wernigerode anders: „Die Hütte ist als Einsatzstandort des DRK schon seit vielen Jahren obsolet geworden. Einsätze werden vom Brocken aus gefahren.“

Ob mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus in Schierke, in dem die Bergwacht ab 2019 Platz für Garage, Büro, Aufenthalts- und Umkleideräume finden soll, ein adäquater Ersatz geschaffen wird? „Kaum“, sagt Holger Müller. Dieses Domizil sei nicht mit der Bereitschaftshütte vergleichbar. „Auch den Harzgebirgslauf im Oktober können wir ohne die Station nicht absichern“, klagt DRK-Chef Schröder.

Bergwacht kann sich Miete nicht leisten

Stolberg-Wernigerode pocht dagegen auf einen Vertragsentwurf, den er dem DRK-Kreisverband im vergangenen September unterbreitet hat. Dieser hätte die „nicht dienstliche Nutzung der Hütte“ legalisiert. Doch „die Mietforderung aus dem Angebot des Fürsten könnten wir niemals stemmen“, entgegnet Andy Schröder.

Für ihn und die anderen Bergwacht-Mitglieder die letzte Hoffnung: „Wir wollen einfach nur, dass die Eigentumsfrage geklärt wird – notfalls über Anwälte.“ Er habe bislang keine Post vom Gericht erhalten, antwortet Philipp Constantin zu Stolberg-Wernigerode.