Elbingerode l Noch keine 20 Jahre alt waren Lieselotte und Werner Lehmann, als sie sich das erste Mal bei der Jugendarbeit in Stiege begegnet sind. „Er hat mir einfach gefallen, wir haben uns gut verstanden“, blickt die 86-Jährige auf die Anfänge zurück. „Wir haben uns getroffen, sind spazieren gegangen, haben viel erzählt. Und dann haben wir lange auf der Bank am See in der warmen Sonne gesessen, uns angestrahlt und Händchen gehalten. Das war sehr romantisch.“ Die Liebe überdauert den ersten Sommer. „Und im Winter kam er über das Eis zu mir rüber“, erzählt sie. Denn beide wohnen auf verschiedenen Seiten des örtlichen Teiches.

Nur wenige Jahre vorher trennten sie dagegen noch mehr als 300 Kilometer. Lieselotte wuchs im heute tschechischen Gablonz an der Neiße auf, wurde 1946 mit ihrer Familie vertrieben. Nach einigen Aufenthalten in Orten der damaligen sowjetischen Besatzungszone fand sie mit ihren Eltern im Harzort Stiege eine neue Bleibe. Und trifft auf die Liebe ihres Lebens.

Kein klassischer Antrag

Im Jahr 1954 heiratet das Paar. Einen klassischen Antrag gab es übrigens nicht. „Wir saßen zusammen, die Hände ineinander verschlungen, und auf einmal hatte ich die Ringe in der Hand“, beschreibt Lieselotte den unscheinbaren und doch einprägsamen Moment. Gemeinsam bauen sich die Lehmanns ein Zuhause auf. „Wir haben ein Grundstück in Elbingerode erwerben können und mein Mann hat die dortige Feldscheune in harter Arbeit umgebaut.“ 1961 konnte die Familie einziehen. Das große Gelände und die nahegelegenen Wiesenflächen waren ideal für die aufwachsenden Kinder.

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„Unsere Tochter und unsere zwei Söhne sind unser größtes Hab und Gut, unser ganzer Stolz. Wir freuen uns so sehr, dass wir die drei haben“, zeigen sich die Eltern gerührt. Sechs Enkel und vier Urenkel gehören mittlerweile auch zur Familie.

In all den Jahren haben beide hart gearbeitet, um für ihre Kinder sorgen zu können. Der heute 87-jährige Werner Lehman hatte seine Aufgaben in der Pädagogenarbeit gefunden. Nach einem Studium unterrichtete er zuerst an der Polytechnischen Oberschule (POS) in Osterwieck und danach viele Jahre an der POS in Elbingerode. Die technischen Fächer wie Physik und Polytechnik waren seine Fachgebiete. Lieselotte Lehmann verschrieb sich beruflich ganz der Forstwirtschaft.

„Den Wald zu pflegen ist der schönste Beruf“, schwärmt sie noch heute. Der Blick auf die sterbenden Bäume im Harz schmerze sie deshalb besonders. Nach einem Studium zum Forstingenieur durchlief sie mehrere Stationen, bekam den Titel eines Oberförsters zuerkannt. In ihren letzten Dienstjahren leitete sie das Büro im Forstamt in Ilsenburg. „Ich habe immer sehr lange gearbeitet und mein Mann hat sich dann um die Kinder gekümmert“, rechnet sie ihm hoch an.

Was ist das Erfolgsrezept?

Stets hätten die beiden sich gegenseitig unterstützt. Das sei nunmal das, was eine gute Ehe ausmache. „Wir hatten immer ein sehr großes Verantwortungsgefühl – den Kindern, aber auch uns gegenüber. Wenn man sich etwas zusammen aufgebaut hat, hält man eben zusammen“, bekräftigt Lieselotte Lehmann. Diese Einstellung wünsche sie sich auch von den jüngeren Generationen. Einen kleinen Streit gebe es überall, und dann komme es darauf an, für das gemeinsam Aufgebaute zu kämpfen.

Dass die beiden auf mittlerweile 65 Ehejahre zurückblicken können, ist aller Ehre wert. Zur Eisenhochzeit erreichten sie daher auch ganz besondere Grüße: Die Glückwünsche des Ministerpräsidenten, des Landrates und der Stadt Oberharz überreichte Elbingerodes Ortsbürgermeister Rudolf Beutner.