Wernigerode l Mitten im ältesten Industriegebiet Wernigerodes, dem Gießerweg, hat sich ein Club etabliert, der in der Region seinesgleichen sucht: Der Elmo-Klub. Goldene Vorhänge, roter Teppich, Palmen, Glitzer und Kronleuchter treten in Kontrast zum rohen Industrieambieten der Räume mit unverputzten Wänden, zig Meter hoher Betondecke und Fliesenboden.

Vor einem Monat wurde die Veranstaltungsstätte im Gebäudetrakt des einstigen Elektromotorenwerks entscheidend erweitert. Nun können in dem Backsteinbau aus den 1930er Jahren bis zu 1800 Menschen feiern. Etwa dreimal im Monat strömen feierfreudige Nachtschwärmer sonnabends um 23 Uhr zum Köhlerteich – gespielt wird elektronische Musik, 1990er Jahre-Musik bei der „Venga Venga“-Party am 20. April oder ein ganzes Konzert, zum Beispiel von der Band „Northern Lite“ Ende August.

Hinter dem Projekt stecken die Wernigeröder Daniel Frintert, Denis Klippstein, Robert Moelle, der DJ Felix Schrader, DJ Justin Könnecke, dessen Vater Gerd und Mike Schmiedl. „Wir versuchen hier für die Wernigeröder besondere Veranstaltungen zu kredenzen“, sagt Daniel Frintert. Er ist einer der Männer, die aus Leidenschaft zu Musik, mit einem Händchen für Veranstaltungsmanagement und handwerklichem Geschick dem Elmo seit 2003 wieder Leben einhauchen. „Wir kennen das Objekt, seitdem es leersteht“, sagt der Wernigeröder. Schon damals hätten sie dem früheren Chef des Elektromotorenwerks Uwe Bögelsack ihre Pläne für eine Veranstaltungsstätte vorgestellt – mit Erfolg. Seither pachten sie einen Teil der Immobilie, in deren anderen Trakt die VEM motors produzieren.

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Konzerte, Firmenfeiern und Hochzeiten geplant

Bevor die neue Halle Ende Februar öffnete, verfügte der Club über zwei größere Räume, sogenannte Floors, in denen vor allem in der Anfangszeit elektronische Musik aufgelegt wurde. Mit der Vergrößerung will das Elmo-Team Konzerte anbieten, so wie am vergangenen Wochenende, als die Glorreichen Halunken spielten. „Wir wollen künftig auch die ältere Generation ansprechen“, sagt Denis Klippstein. Vorstellen können sie sich auch Ostrock-Bands wie Karat. Auch Firmenfeiern oder Hochzeiten sind geplant.

Jede freie Minute stecken die Freunde, die unterschiedliche berufliche Hintergründe haben, in ihren Club. „Man muss mit dem Herzen dabei sein“, sagt Denis Klippstein, der beim Bauhof angestellt ist. „Und man braucht eine verständnisvolle Familie.“

Den gesamten Umbau, die Gutachten zu Emissionsschutz, die Planer finanzieren die Freunde aus eigener Tasche. „Es hat bisher noch nicht eine Beschwerde wegen Lärms gegeben“, sagt Denis Klippstein. „Und wir sind stolz darauf, dass unsere Gäste so friedlich sind. Es gibt nie Stress unter den Besuchern, bei uns wurde noch keine Schlägerei ausgetragen.“

Umbau-Pause von 2008 bis 2012

2004 und 2005 erfolgte die Genehmigungsplanung für den Club, der 2006 als EM Kulturpool an den Start ging. Es folgten weitere Umbauarbeiten, denn an Ideen für „das Besondere“, das die Freunde stets versuchen umzusetzen, mangelte es nie. Mit dem Suizid des schwäbischen Milliardärs und VEM-Besitzers Adolf Merckle und der Finanzkrise 2008 geriet plötzlich auch ihr Projekt ins Schlingern, mitten in der Bauphase. Die Arbeiten ruhten, erst 2012 ging es weiter.

„Die Verordnungen zu Versammlungsstätten wurden in dieser Zeit extrem verschärft, sodass wir die gesamte Planung ändern mussten“, blickt Daniel Frintert zurück. Unter anderem musste ein Fluchttunnel gebaut werden.

Wozu der ganze Aufwand? „Wir wollen Wernigerode bereichern“, sagt Daniel Frintert. 2019 wird erstmals eine Jugendweihe-Feier im Elmo ausgerichtet. „Ohne Alkohol, mit Security und DJ“, erklärt Daniel Frintert.

Alternative zum Lustgarten

„Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder betrunken im Lustgarten abhängen. Man muss ihnen Alternativen anbieten. In Großstädten sind solche Jugendweihe-Feiern schon gang und gäbe.“ Auch der Young Part im Rahmen des Rathausfestes wird im und am Elmo-Klub ausgerichtet.