Wernigerode l Die Uhr tickt, der Countdown läuft: 60 Minuten haben die sechs Teilnehmer Zeit, des Rätsels Lösung und damit den Ausgang aus Dr. Kovaljows geheimen Gemächern zu finden. In ihrem „Escape Room“ (engl. escape = Flucht, Ausbruch, Entkommen) möchten Jörg Vilser und Marcel Völkel ihren Besuchern eine völlig neue Welt eröffnen.

Zeitreise ins Jahr 1930

Wer die von außen unscheinbaren Industrieräume im Gießerweg 3 betritt, verlässt das Jahr 2016: Es ist 1930. Stalin setzt den Plan zur Moskauer Stadterneuerung in die Tat um. Ernsthaft steht dem Vorhaben nur ein Mann im Weg. Von der Regierung verfolgt und gesucht - Dr. Hagen Kovaljow. Aus sicherer Quelle des deutschen Geheimdienstes ist bekannt, dass er eine Formel zur Herstellung hochexplosiven Materials entwickelt hat und einen neuen Anschlag plant. So weit zur Geschichte.

Das Spiel beginnt in einem düsteren Bretterverschlag – es ist der einzige Raum, den die beiden Sozialpädagogen Vilser und Völkel bereits jetzt zeigen möchten. Erst im März haben sie ihr Unternehmen „Harzgames“ angemeldet, vor gerade einmal einem Monat begonnen, die einstigen Lagerräume zu renovieren. Strom musste verlegt, Wände tapeziert, die Scheiben abgedunkelt und unzählige kleine Handgriffe erledigt werden.

Streng geheime Räume

Die beiden weiteren Zimmer bleiben ihr streng gehütetes Geheimnis. So viel sei vorab verraten: In mühevoller Kleinarbeit, mit unzähligen Requisiten aus Privatbesitz und von Flohmärkten, spannungsgeladener Musik, Rauch- und Lichteffekten werden die Besucher aus ihrem Alltag heraus in die 1930er Jahre katapultiert.„Das Gruppenerleben macht das Spiel reizvoll“, sagt Jörg Vilser. Ein zusötzlicher Kick sei der Zeitdruck. „Die Teilnehmer müssen sehr schnell erkennen, dass sie es nur gemeinsam schaffen können.“

Detektivarbeit notwendig

Vilser und Völker hatten das sogenannte Fluchtspiel erst im Oktober 2015 in Magdeburg erstmalig ausprobiert und auf Anhieb Gefallen daran gefunden. „Wir haben es allerdings nicht geschafft“, räumt Jörg Vilser ein. „Der richtige Schwierigkeitsgrad war auch für uns eine Herausforderung: Macht man es zu einfach, ist es langweilig. Ist es zu schwer, ist die Motivation nicht groß, es noch einmal zu versuchen.“ Letztlich zähle das Spielerlebnis, nicht der Erfolg.

Marcel Völkel ist der kreative Kopf der beiden Spielfreunde. Details wie Laser, versteckte Schlösser mit Zahlencodes, geheime Schalter und Hinweise müssen die Teilnehmer aufspüren, Fragen beantworten und knifflige Rätsel lösen. Am besten gelange dies in einer Gruppe von vier bis fünf Personen. Geduld, Ausdauer, Teamgeist und logisches Denken sind gefordert.

Konzept stammt aus Japan

Das Konzept zu dem spannenden Detektivspiel stammt aus Japan und basiert auf Computerspielen der frühen 2000er Jahre. In ihnen ist eine Figur in einem virtuellen Raum gefangen und muss – genauso wie im realen „Escape Room“ – gewisse Gegenstände finden und Fragen beantworten, um in den nächsten Raum zu gelangen. In Deutschland sind die „Escape Rooms“ seit 2013 Trend. „Es gibt viele Anbieter, die nur einen Raum haben“, erklärt Jörg Vilser. Die beiden Wernigeröder haben für mehr Rätselspaß drei Zimmer plus Empfangsraum konzipiert.

Doch nicht die Anzahl der Zimmer, vor allem die Qualität der Ausstattung sei wichtig. „Manche sind sehr authentisch dekoriert, andere total lieblos.“ Er schwärmt von einem „Escape Room“, der ans alte Ägypten angelehnt ist. „Man hatte das Gefühl, als sei man in einer Pyramide.“ Von solchen Effekten soll auch ihr Harzer Fluchtspiel profitieren. „Wir wollen bei der nächsten Umgestaltung Kulissenbauer einbinden“, sagt Marcel Völkel. Denn alle halbe Jahre wechselt die Geschichte und damit auch die gesamte Einrichtung des „Escape Rooms“. Am 7. Mai fällt der Startschuss.

Anmeldung unter www.harzgames.de