Benneckenstein l Der Anfang ist geschafft, freut sich Mario Tänzer vom Ostdeutschen Fahrzeug- und Technikmuseum in Benneckenstein. Acht Mal, verteilt auf die Wochenenden und Feiertage, konnten er und sein Team nach der Zwangspause durch die Corona-Krise bereits wieder Besucher in der Wernigeröder Straße 10 begrüßen. Und es gibt vor allem auf dem Außengelände allerhand Neues zu sehen.

„Wir haben im vergangenen Jahr den U-Boot-Turm bekommen. In der Winterpause haben wir aus einem unserer Bäume eine Treppe mit Steg gebaut. Jetzt können die Besucher auf den Turm gehen, oben rausschauen und ein Erinnerungsfoto machen“, erzählt er. Das sei deutschlandweit einmalig.

Zwei neue Objekte

Ein paar Meter weiter steht die nächste Neuerung: eine Luftabwehrkanone des Typs S-60. „Das Flak-Geschütz ist eine Entwicklung der russischen Armee aus dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Exemplar hier ist allerdings aus den späten 1950er Jahren und wurde in Polen produziert“, erklärt Mario Tänzer.

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Wiederum ein paar Meter entfernt, direkt vor der Brockenkuppel, steht ein neuer Übungspanzer. „Das ist kein richtiger Panzer, aber der Turm des T-72 ist dem Original nachempfunden und mit originalen Geräten bestückt“, beschreibt der Technikfan. „Hier konnte auch unter nicht alltäglichen Bedingungen das Schießen trainiert werden. Die Kanone ist aber nicht echt, Ziele wurden mit Laser anvisiert.“ Der Simulator konnte zudem auf eine Rüttelplatte gestellt, der Innenraum mit warmer Luft gefüllt oder die Sicht mit Rauch eingeschränkt werden. Das können Besucher zwar nicht ausprobieren, aber es sei geplant, mittels einer Treppe das Innere des Turms begutachten zu können.

Neben den beiden Neuanschaffungen seien es vor allem kleinere Arbeiten, die das Team in den zurückliegenden Monaten erledigt habe. So seien einige Objekt neu platziert worden. „Und unter das Flugzeug haben wir eine Betonplatte gesetzt. Es stand vorher auf der Wiese und hat angefangen, einzusacken“, meint Mario Tänzer.

Projekte pausieren

Geplant hatte er noch weitere Neuerungen, doch diese liegen coronabedingt erstmal auf Eis. „Hieraus wollte ich einen Mitropa-Kiosk machen. Da sitze ich schon zwei Jahre dran“, sagt er und zeigt auf einen Eisenbahnwaggon, der vor dem Museumseingang steht. Doch aufgrund der finanziellen Einbußen durch die Zwangsschließung musste er das Projekt pausieren lassen.

„Ich habe den Waggon im März soweit fertig gehabt, dass nur noch die Küche fehlt. Das Angebot der Zimmerei war auch schon da, aber ich wusste nicht, was wird, und habe es daher nicht annehmen können.“ Jetzt ruhe die Arbeit am Waggon wieder – und das sei ärgerlich, meint Tänzer. „Das Museum braucht einen Imbiss. Die Leute, die hierher kommen, wollen einen Kaffee trinken und eine Bockwurst essen“, erzählt er. Anfragen gebe es einige.

Auch in der Brockenkuppel sollte sich schon einiges getan haben. „Um einen ebenen Boden zu schaffen, sollte hier Beton rein. Aber das kostet 3500 Euro“, verrät der 38-Jährige. „Wir wollen die Ausstellung erweitern, eine größere Radarantenne einbauen, kleinere Antennen und Abhörtechnik integrieren.“ All das muss nun warten. Denn der Saisonstart im April, der die Einnahmen für Investitionen bringen sollte, fiel aus. „Ab jetzt müssen wir uns etwas als Winterpuffer zurücklegen. Wir müssen an einem Tag für zwei Tage arbeiten“, verdeutlicht Mario Tänzer. Wichtige Einnahmen fehlen aber bereits. „Im April hätten wir den Ostermarkt und den Oldtimerteilemarkt gehabt. Das ist immer der Startschuss und Impulsgeber, damit die Leute kommen.“ Und das seien dann nicht nur die üblichen 100 bis 200, sondern mehr als 1000 Besucher. „Das sind immense Einbußen. Es ist, als wenn eine Firma einen Großauftrag verlieren würde.“

Erster Hoffnungsschimmer

Hinzu komme ein weiterer Rückschlag. Eigentlich sollte auf dem Gelände in Benneckenstein für einen deutschen Kinofilm gedreht werden. „Einige Szenen sollten bei uns entstehen, am U-Boot und Flugzeug“, sagt Tänzer. „Aber auch das Filmgeschäft ruht, weil ihnen die Einnahmen fehlen.“ Hoffnung schöpft er nun aus der vor wenigen Tagen erteilten Erlaubnis, wieder Panzerfahrten anbieten zu können. Das sei schließlich seine Haupteinnahmequelle. Solange das Einreiseverbot nicht aufgehoben sei, könne er dies allerdings nur Gästen aus Sachsen-Anhalt anbieten. Deren Daten müssen zudem abgefragt und acht Wochen aufbewahrt werden. Auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sei Pflicht. Das Museum bleibe vorerst auch an regulären Wochentagen geschlossen. Das nächste Mal öffnet es über das verlängerte Pfingstwochenende vom 29. Mai bis 1. Juni jeweils von 10 bis 16 Uhr.