Die Familie

Franz (Frank) Klemm

- Urgroßvater von Jeff Schiebe

- lebte von 1858 bis 1942

- Ende 1870/Anfang 1880 nach Amerika ausgewandert

- war in den USA Farmer

Vater: Heinrich Klemm - 1815-1871, in der Westernstrasse 9 in Wernigerode geboren

- war wie sein Vater Fleischermeister

Mutter: Luise Magdalene

- geborene Schatz, 1819-1881

- ihr Vater Rudolf Schatz war Tischlermeister

Großeltern: Luise Menger und Johann Heinrich Wilhelm Klemm (etwa 1783-1825)

- Großmutter heiratete in zweiter Ehe Fleischermeister Ernst Sonntag (1803-?)

- dieser übernahm Schlachterei und vererbte sie an den gemeinsamen Sohn Ernst (1828-1909)

- aus der zweiten Ehe Luises gingen noch drei weitere Kinder hervor, zwei sind bekannt:

Emma, verheiratet Beck, und Anna, verheiratet Hegner

- in den nachfolgenden Generationen wurde in eine Familie Brandt eingeheiratet

Quelle: Corinna Meiß

Wernigerode l Jeff Schieber lächelt. „Ein großartiger Ort zum Leben“, lautet sein Fazit zu Wernigerode. Der Amerikaner ist kein Tourist, er ist seiner Familiengeschichte auf der Spur. Dafür ist der 71-Jährige in den Geburtsort seines Urgroßvaters mütterlicherseits gereist.

Frank Klemm, so nannte sich der Vorfahre, wurde 1880 in den USA eingebürgert. Er lebte als Farmer in Hanover, Minnesota, hatte mehrere Kinder, ging regelmäßig zur Kirche, sang im Chor. Das alles ist Jeff Schiebe bekannt. Er möchte jedoch erfahren, wie das Leben des Urgroßvaters war, als er noch Franz Klemm hieß und den Harz seine Heimat nannte. Gerade einmal rund 7000 Einwohner hatte Wernigerode damals, die heutigen Ortsteile Nöschenrode und Hasserode waren noch eigenständig. „Wie hat er damals gelebt, warum ist er aus Wernigerode weggegangen?“, fragt Schiebe.

Urgroßvater war guter Schüler

Nur wenige Unterlagen geben Anhalt für seine Forschungen. Ein Zeugnis aus dem Jahr 1869 ist erhalten. Es belegt, dass der Urgroßvater, ein guter Schüler, die Knaben-Mittelschule besucht hat. Heute befindet sich ein Gebäude des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums an dieser Stelle. Konfirmiert wurde Klemm im April 1873 in der St. Sylvestrikirche.

Bilder

145 Jahre später besucht sein Urenkel das Gotteshaus. „Das ist unglaublich“, berichtet Schiebe begeistert. „Ich gehe auf den Wegen, die meine Vorfahren gegangen sind.“ Auch dem ehemaligen Wohn- und Geschäftssitz der Familie in der Westernstraße 9 stattet er einen Besuch ab. Früher ging Fleisch über die Ladentheke, heute ist es Kleidung.

Hobby wird "Besessenheit"

Ahnenforschung ist seit fast 60 Jahren Jeff Schiebers Hobby. „Mittlerweile ist es Besessenheit“, gesteht er lachend. Begonnen habe es mit einem Referat in der siebten Klasse. „Damals befragte ich die Mutter meines Vaters zur Familiengeschichte.“ Auch dieser Zweig führt nach Deutschland, in die Hansestadt Anklam in Mecklenburg-Vorpommern.

Erst in der Computer-Industrie tätig, mittlerweile als Professor für Marketing führen Schieber immer wieder Dienstreisen in die Heimat seiner Ahnen. Dabei unternahm er bereits 1992 und 196 Abstecher nach Wernigerode. „Die Stadt hat sich sehr zum Positiven verändert. Und die Kommunikation ist leichter geworden. 1992 sprach kaum jemand Englisch“, berichtet er.

Hilfe dank Internet und Scanner

Übersetzungsprobleme, gerade bei handgeschriebenen alten Dokumenten, erschweren seine Recherchen. Dafür ist der technische Fortschritt eine große Hilfe. „Zwei Erfindungen erleichtern die Arbeit: Internet und Scanner. Wie sollte ich früher an Unterlagen gelangen? Sie lagen in einer deutschen Kirche und ich war in Boston.“ Heute kein Hindernis mehr.

Doch am ergiebigsten sind Forschungen vor Ort. Im Stadtarchiv, dem Harzmuseum, in alten Kirchenaufzeichnungen. Und Jeff Schiebe hat sich Hilfe besorgt: Er kontaktierte die Historikerin Corinna Meiß aus Goslar. Erfahren auf dem Gebiet der Ahnenforschung, hat sie mit ihrem Kunden alte Zeitungen, Todeanzeigen und Innungsunterlagen gesichtet. „Aber viele Fragen, die Jeff Schiebe hat, werden nicht in einem Archiv beantwortet“, betont sie. Beide hoffen, dass Wernigeröder Nachfahren der Klemms/Sonntags alte Fotos aufbewahrt haben, Geschichten und Gerüchte zur Familie von Generation zu Generation weitergetragen wurden.

Lebenszeichen aus der alten Heimat

Das letzte Lebenszeichen, dass Schiebe von seinem Harzer Familienzweig gefunden hat, ist ein Brief aus dem Jahr 1948. Der Autor Friedrich Brandt, ein ehemaliger Hotelier, verlor beim Bombenangriff auf Magdeburg 1945 „meinen Betrieb und auch die Frau“. Er kehrte in seine „Vaterstadt“ Wernigerode zurück. Gebeutelt von Krankheit und den Rationierungen der Nachkriegszeit bittet er seine amerikanischen Cousins und Cousinen um Lebensmittel-Pakete. Ob er jemals welche erhalten hat, ist eine der vielen offenen Fragen, auf die Jeff Schiebe Antwort sucht.

Wer Infos zu den gesuchten Familien hat, kann sich an Corinna Meiß wenden, Telefon: (0 53 21) 3 98 85 14, E-Mail: info@woerteragentur.com