Wernigerode l Wernigerode hat ein Problem: Der Stadt laufen die hauptberuflichen Feuerwehrleute davon. Der Grund: In anderen Kommunen werden die Brandschützer verbeamtet. Nicht so in Wernigerode. „Wir konkurrieren mit Halberstadt, Salzgitter und Braunschweig“, sagt Wernigerodes Ordnungsdezernent Christian Fischer.

17 Mann stark müsste die Einsatztruppe sein. Im Moment sind es aber nur 15 Mitarbeiter. Tendenz sinkend. Erst kürzlich habe ein junger Mann in Wernigerode gekündigt, um in einer Nachbarstadt unter attraktiveren Konditionen anzuheuern. Seine Stelle soll zwar nachbesetzt werden. Aber auch andere Kameraden spielen mit dem Gedanken, die Wernigeröder Wehr zu verlassen.

„Wir investieren pro Feuerwehrmann oder -frau fast 100.000 Euro in die Ausbildung, die sich am Ende andere Städte zu nutze machen“, sagt Dezernent Fischer. Und das könne nicht sein. Die Stadtverwaltung verfolge die Strategie, Personal zu gewinnen und dann zu halten. Um mit anderen Arbeitgebern konkurrenzfähig zu sein, sollen künftig auch Wernigerodes Brandschützer verbeamtet werden, so die Idee in der Stadtverwaltung.

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Gute Absicherung

„Diese Männer sind bereit, ihr Leben zu opfern“, so der Dezernent. „Wir sind es ihnen schuldig, sie so gut wie möglich abzusichern.“ Und das sei im Beamtenstatus gegeben. „Im Falle eines Verunglückens sind sie besser abgesichert.“ Auch die Ruhestandsregel für den feuerwehrtechnischen Dienst sei von Vorteil.

Die Stellen für die Feuerwehrleute sollen laut Fischer nicht neu geschaffen, sondern lediglich umgewandelt werden – und das nicht auf einmal, sondern sukzessive. „Wenn ein Kamerad aus Altersgründen ausscheidet, soll seine Stelle nicht mit einem Tarifbeschäftigten, sondern mit einem Beamten besetzt werden.“ Und in den nächsten Jahren würden gleich mehrere Männer altersbedingt aus dem feuerwehrtechnischen Dienst ausscheiden.

Stadtrat entscheidet über Stellenplan

Über den Stellenplan und damit über die Verbeamtung der Feuerwehrleute entscheidet der Stadtrat – ebenso über die Notwendigkeit von Investitionen. Und auch da liegt bei der Feuerwehr einiges im Argen. „Wir müssen unbedingt in die Hauptwache investieren“, so der Ordnungsdezernent. So werde ein Anbau benötigt, um die Einsatzfahrzeuge unterzustellen. Die hauptberufliche Wachbereitschaft sei das Rückgrat des städtischen Brandschutz, so Fischer. „Sie sind es, die bei einem Feuer als erste vor Ort sind, die ihre Gesundheit für andere riskieren.“ Da helfe es nicht, nur zu loben. „Wir müssen Geld in die Hand nehmen und nachjustieren.“

Wie wichtig die Schlagkraft von Wernigerodes hauptberuflichen Brandschützern im Zusammenspiel mit den freiwilligen Kräften ist, habe sich erst im Juli wieder bei dem Großbrand in der Marktstraße gezeigt. „Man kann den Kollegen nur gratulieren“, so Hagen Bermann (CDU) in der jüngsten Sitzung des Ordnungsausschusses. „Wenn man sieht, wie schnell die Feuerwehr da war – das lässt sich nicht mit Geld aufwiegen.“

Der Vorstoß der Verwaltung, die Hauptamtlichen zu verbeamten, stieß in der Sitzung erst einmal auf Zustimmung. „Die Leute gehen nun mal dahin, wo sie besser entlohnt werden“, so Ausschusschef Christian Härtel (Linke). Die Bekämpfung von Bränden sei nur ein kleiner Teil des Aufgabenspektrums. Durch vermehrte Stürme und Fluten sei die Aufgabenpalette der Wehrleute in den vergangenen Jahren breiter geworden. Deshalb sei es auch bei schwieriger Finanzlage richtig, sich „in Richtung Beamtenstatus zu bewegen“, so Christian Härtel. „Und zwar zügig.“ Kommentar