Silstedt l Das Jahr 2017 wird in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Silstedt eingehen. Darin waren sich alle anwesenden Brandschützer und Gäste auf der Jahreshauptversammlung der Silstedter am Sonnabend im Gerätehaus einig.

Von Katastrophe verschont

Das Juli-Hochwasser hatte das ganze Dorf in Atem gehalten und von den 73 Kameraden ein enormes Pensum an Einsatzbereitschaft verlangt. Vier Tage dauerte das Retten, Sichern und Bangen. Am Ende blieb der Wernigeröder Ortsteil von einer großen Katastrophe verschont. „Dank eures Engagements, dank eines hervorragend agierenden Krisenstabs mit Oberbürgermeister Peter Gaffert an der Spitze, dank der Unterstützung der Kameraden aus Anhalt-Bitterfeld und Menz, dank der Bundeswehr, Bergwacht, vielen Helfern und Sponsoren, die mit Naturalien unterstützten“, sagte Manfred Schönyan. Dann hielt Silstedts Wehrleiter kurz inne und betonte: „Dieses Zusammenstehen werde ich nie vergessen.“

Juli-Flut gegenwätig

Die Ereignisse vom 25. bis 28. Juli waren das Thema in den Redebeiträgen. Zu sehr seien die Bilder „noch immer präsent“, sagte Vizewehrleiter Ronny Leseberg. Der 35-Jährige erinnerte an den Dammbruch an der Holtemme, die Gefahr, dass die frei gespülte Gasleitung bricht, an das überflutete Unterdorf, an Bürger, die mit Schlauchbooten aus ihren Häusern gerettet wurden. „Es ist kaum in Worte zu fassen, was hier geleistet wurde. Ich bin sehr stolz auf alle Kameraden und all jene, die geholfen haben“, betonte Leseberg.

Hochwasser im Harz

Wernigerode (ru) l Land unter in Wernigerode und Umgebung. Der Dauerregen hat die Harzbäche Holtemme und Ilse in reißende Flüsse verwandelt. Sie sind über die Ufer getreten.

  • Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wernigerode. Foto: Regina Urbat

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  • Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

    Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht überspült zu werden. Foto: Regina Urbat

    Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht ...

  • Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen nicht, der Sturzbach läuft über. Foto: Regina Urbat

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  • Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstörten Behelfsbrücke aus den Fluten. Foto: Michael Lumme

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  • Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Foto: Jörg Niemann

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  • Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäcke. Foto: Uta Müller

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  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner informieren sich über die Lage. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner inf...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brücke hervor. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brüc...

  • Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Sielaff

    Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Si...

  • Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: Ulrich Eichler

    Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: ...

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto: Matthias Bein

    Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto...

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Anwohner stehen  in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matthias Bein

    Anwohner stehen in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matt...

  • Schaulustige  in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall auf das Hochwasser. Foto: Matthias Bein

    Schaulustige in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall a...

  • Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

    Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

  • Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens Müller

    Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens M...

  • Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

    Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

  • Foto: Jens Müller

    Foto: Jens Müller

  • Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße in die Ilse abgeleitet. Foto: Denis Loeffke

    Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße...

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode:  An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina Urbat

    Nach dem Hochwasser in Wernigerode: An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina ...

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

    Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

Als Einsatzleiter während des Juli-Hochwassers hat er ebenso „Hervorragendes geleistet“, wie anschließend mehrfach betont wurde. Leseberg selbst wünsche sich, dass die Kameraden den Schwung aus den Hochwassertagen mitnehmen, dass „alle immer mit anpacken“.

Drei Sterneköche

Ihren besonderen Dank richteten Leseberg wie auch Schönyan das Serviceteam der Feuerwehr. Es habe nicht nur beim Hochwassereinsatz Großartiges geleistet, sondern versorge die Kameraden bei allen Veranstaltungen ausgezeichnet. „Wer hat schon drei Sterneköche in seinen Reihen“, betonte der 62-jährige Wehrleiter und begrüßte Marianne und Fabian Oberbeck sowie Detlef Helmhold zur Jahreshauptversammlung besonders herzlich.

Toni und Toni

Viel Lob ernteten auch „Toni und Toni“, die Jugend- und Kinderwehrleiter Toni Hartmann und Toni Heldach, ebenso der Chef der Feuerwehrveteranen, Wilhelm Hartmann. Ihren Dank für ihr Verständnis richtete die Wehrleitung an die Partner und Familien der Kameraden. Es sei nicht selbstverständlich, laufend auf die Männer und Frauen, auf die Mütter und Väter zu verzichten, wenn sie zu Einsätzen ausrücken müssen. Insgesamt waren es im Vorjahr 8536 Einsatzstunden.

Menz-Duo nun Harzer

„Für eine Wehr mit 28 aktiven Kameraden ist das schon eine dolle Hausnummer“, sagt Matthias Seidel. Der Leiter der befreundeten Wehr aus Menz, einem Ortsteil von Gommern im Jerichower Land, lobte in seinem Grußwort die „tolle Truppe“, zu der mittlerweile mit Antje und Sebastian Peters zwei ehemalige Menzer gehören.

Viel Lob in höchsten Tönen gab es auch von Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), Ortsbürgermeister Karl-Heinz Mänz und Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht (beide CDU). Jeder erinnerte mit kleinen Anekdoten an die Tage im Juli 2017, jeder dankte für das große ehrenamtliche Engagement und jeder versicherte, wie wichtig die Feuerwehr für das Gemeinwohl eines Ortes sei.

Mercedes mit Lackschäden

Die „Wichtigkeit“ wurde dann durch Hinweise und Anregungen von Kameraden gleich noch auf die auf die Probe gestellt. Beispielsweise beklagte Sören Thieme, dass die Motorkettensäge auf dem Einsatzfahrzeug immer noch nicht funktioniere, obwohl sie mehrfach bei der Wachbereitschaft in Wernigerode zur Überprüfung abgegeben wurde. Ordnungsamtsleiterin Anja Münzberg griff den Hinweis auf und versicherte, sich zu kümmern.

Mängelliste

Gleiches galt, als ein anderer Kamerad auf erste erhebliche Mängel im und am Gerätehaus hinwies. Dazu fühlte er sich motiviert, nachdem Ortsbürgermeister Mänz davon sprach, dass die Silstedter mit dem vor 13 Jahren eingeweihten Neubau den „Mercedes“ unter den Gerätehäusern hätten. Als dann die Mängel wie lockere Fliesen in den Umkleideräumen und bröckelnder Putz am Sockel des Gebäudes und weitere kleinere Schäden aufgezählt wurden, bat Mänz um eine Auflistung. Der Kritikübende merkte an, dass die Kameraden nach wie vor bereit seien, Renovierungsarbeiten in Eigenleistung zu übernehmen. „Doch bei den Fliesen muss eine Fachfirma ran.“

Löschfahrzeug abgelehnt

Als Überbringer einer „trauringen Nachricht“ bezeichnete sich Marcus Meier, Brandschutzverantwortlicher bei der Kreisverwaltung. Der Antrag der Silstedter auf ein neues Löschfahrzeug, das vor allem für den Katastrophenschutz ausgerüstet sei, „wurde abgelehnt“. Verständnis habe Meier dafür nicht, zumal Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) immer wieder betont hätte, wie wichtig die Ausrüstung der Feuerwehr sei. Er hoffe, dass die Silstedter erneut den Antrag stellen.