Wernigerode l Alarm mitten in der Nacht, Feuer löschen bei Minusgraden – der verheerende Brand in Wernigerodes Altstadt hat am Wochenende wieder mal bewiesen: Die Kameraden der Feuerwehr sind da, wenn es brennt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das hat sich auch 2017 gezeigt: 683 Mal wurden die Brandschützer alarmiert – im Schnitt fast zweimal täglich. Dabei rückten sie unter anderem zu 55 Bränden, 138 Unwettereinsätzen und 35 Verkehrsunfällen aus.

Besonders in Erinnerung geblieben ist das „sogenannte Jahrhunderthochwasser“, wie Ortswehrleiter Torsten Breiting bei der Jahreshauptversammlung sagte. „Die Flut sei ‚nicht überraschend‘ gekommen. „Alle Wetterstationen warnten schon Tage vorher, und in gewissem Maße bereitete man sich seelisch und moralisch darauf vor.“ Als die Wassermassen Stadt und Ortsteile schließlich zu überfluten drohten, hätten die Kameraden schnell reagiert und „alles Mögliche“ getan, um die „Stadt, ihre Bürger und Touristen und viele Gebäude vor Schlimmerem zu schützen“, so Torsten Breiting.

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42 Freiwillige Feuerwehrleute

61 Männer und Frauen gehören der Wernigeröder Einsatztruppe an. Neben den 19 Hauptberuflichen versehen 42 Kameraden ihren Dienst freiwillig und zuverlässig.

Aber die Feuerwehrleute plagen Sorgen. 2017 fühlten sie sich einige Male im Regen stehen gelassen. Schon 2016 hatten Brandschutzprüfer etliche Mängel im Gerätehausbeanstandet. Es fehlte an einem zweiten Rettungsweg, an rauchdichten Fluren, brandschutztechnischer Überwachung und Rauchmeldern. Das Dachgeschoss mit Versammlungsraum und Damentoiletten musste sogar gesperrt werden.

Seit Mai 2017 ist das Gerätehaus Baustelle – bei laufendem Betrieb. „Die Arbeiten wurden von katastrophalen Zuständen begleitet“, blickte Torsten Breiting zurück. „Dreck, Müll und Bauschutt – Stolperfallen, welche den Weg zu Umkleide und Fahrzeugen zu einem abenteuerlichen Hindernis werden ließen.“ Im November war der Frust so groß, dass Breiting seine Kritik in der Sitzung des Stadtrats äußerte.

Brandschutzmängel bei Feuerwehr

Das Gröbste haben die Kameraden inzwischen hinter sich. Bis Ende April wird gebaut, so Rathaussprecher Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage. Als nächstes sei der Aufenthaltsraum der Wachbereitschaft dran. „Wände und Fußboden müssen entfernt, Trennwände eingerichtet werden.“ Neben Restarbeiten im Keller und im Dachgeschoss werden Räume gemalert, eine Rauchschutztür installiert und an der Elektrik gearbeitet. Laut Kascha koste die Beseitigung der Brandschutzmängel 350.000 Euro.

Und weitere Investitionen werden fällig, denn die baulichen Mängel an dem fast 70 Jahre alten Gebäude bestehen nach wie vor. Das ist auch den Verantwortlichen im Rathaus bewusst. „Ich habe einige Baustellen, was die Feuerwehr betrifft“, sagte Ordnungsdezernent Volker Friedrich. Neben Schierke und Minsleben sei das auch das Gerätehaus in Wernigerode.

In letzter Zeit sei die Unterstützung im politischen Raum gewachsen. Den Stadträten sei bewusst geworden, dass „hier prioritär etwas getan werden“ muss, so Friedrich. Als oberster Feuerwehrchef der Stadt dankte er den Kameraden – wie auch Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht, Stadtrat André Weber (beide CDU), Ex-OB Ludwig Hoffmann (SPD) und Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse. „Es ist toll, was ihr macht“, so Friedrich. „Als Bürger fühle ich mich von euch gut geschützt.“

Übrigens: Die Wernigeröder Feuerwehr sucht Verstärkung. Torsten Breiting lädt alle interessierten Männer und Frauen ein vorbeizukommen. Vielleicht springt der Funke über.