Wernigerode l Es knallt in Wernigerode – und zwar nicht nur zu Silvester. Ob im Stadtfeld, im Harzblick, rund um den Katzenteich und um den Supermarkt Kaufland – es vergeht fast keine Nacht, in der die Anwohner nicht hochschrecken, weil es in der Nähe kracht. Manchmal so heftig, dass die Fensterscheiben benachbarter Gebäude klirren. „Die Knallerei ist immer zwischen 19 und 23 Uhr“, schreibt eine Wernigeröderin auf der Internetplattform Facebook. „Es kommt aus Richtung Walter-Grosse-Ring, manchmal ein lauter Knall, manchmal ein leiser.“

Im Wernigeröder Ordnungsamt ist das Problem bekannt, obwohl es bisher wenig Beschwerden von Anwohnern gegeben habe. „Wir haben beobachtet, dass es im Zeitraum Oktober/November im Bereich Veckenstedter Weg/Heidebreite verstärkt geknallt hat“, sagt Amtschef Gerald Fröhlich auf Nachfrage. Rechtlich sei es so geregelt, dass der Verkauf von Feuerwerkskörpern an Privatpersonen lediglich an den letzten drei Werktagen des Jahres gestattet ist. Gezündet werden dürfen Raketen und Böller laut Polizei nur vom 31. Dezember, 18 Uhr, bis zum 1. Januar, 1 Uhr. Außerhalb dieser Zeitspanne müssten private Feuerwerke von der Stadt, professionelle vom Landkreis genehmigt werden, so Fröhlich. Alles andere ist illegal.

Für die strafrechtliche Verfolgung sei jedoch nicht das Ordnungsamt, sondern die Polizei zuständig. „Wir geben gern Tipps und unterstützen, wo wir können. Aber einschreiten dürfen wir nicht“, sagt Gerald Fröhlich.

Polizei hat zwei Fälle registriert

Im Polizeirevier Harz wurden für dieses Jahr lediglich zwei Fälle dieser Art registriert, war auf Nachfrage zu erfahren. Am 21. November habe ein Wernigeröder zweimal von seinem Balkon aus mit einer Schreckschusspistole geschossen. „Da der Mann nicht im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis war, wurde Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht erstattet“, informiert Burckhard Vossler vom Polizeirevier in Halberstadt. Am 14. Oktober sei die Polizei von einem Mitarbeiter des Wernigeröder Ordnungsamts darauf hingewiesen worden, dass er gegen 0.36 Uhr einen lauten Knall gehört habe. Er soll aus Richtung des Parkplatzes „An den sieben Teichen“ im Harzblick gekommen sein. Polizisten hätten die Gegend kurz darauf abgesucht und weder Personen, Rückstände von Knallern noch Sachschäden entdeckt. Weitere Erkenntnisse lägen nicht vor. „Es wurden keine anderen Fälle angezeigt“, so Vossler.

Auch die Anwohner stehen vor einem Rätsel. „Man hört das Knallen, aber man sieht nie etwas“, so eine Wernigeröderin. Sie und andere Nachbarn setzen ihre Hoffnung weiterhin in die Polizei.

Feuerwerksverbot in der Fachwerkstadt

Übrigens: Das Ordnungsamt weist auch in diesem Jahr daraufhin, dass das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in der Altstadt auch an Silvester verboten ist, da Fachwerkgebäude mindestens 100 Meter von einem Feuerwerk entfernt sein müssen. Ebenso betroffen von diesem Verbot sind Wohngebiete, in denen sich Krankenhäuser, Kinder- und Altenheime sowie Kirchen befinden.