Wernigerode l Blumensträuße, Pflanzen, Figuren und Schmuck – all das wird immer wieder auf dem Friedhöfen der Stadt geklaut. Am Lesertelefon der Volksstimme beklagt Herbert Selbitschka, dass vom Grab seiner Frau auf dem Zentralfriedhof in Hasserode die Geranien gestohlen wurden. „Ich war nur noch fassungslos über diese Piätätlosigkeit“, so der 85-jährige Wernigeröder. Er wisse selbst, dass man da wenig machen kann und hoffe dennoch, dass durch die Veröffentlichung „ein wenig an die Moral erinnert wird“.

Auch auf dem Friedhof Sankt Theobaldi in Nöschenrode ist der Blumenklau keine Seltenheit. „Das kommt leider regelmäßig vor. Erst vor Kurzem hatten wir einen ähnlichen Fall“, sagt Friedhofs-Mitarbeiterin Brigitte Pella. „Um 8 Uhr morgens brachte eine junge Frau einen Blumenstrauß auf das Grab einer Angehörigen.“ Eine Stunde später schaute ihre Mutter vorbei „und die Blumen waren weg“.

Diebstahl am Muttertag

Vor allem am Muttertag oder wenn die Gräber neu bepflanzt werden, schlagen die Diebe zu. Nicht nur Sträuße und Blumengedecke. „Es wurde schon ein Urnenständer oder eine 50 Zentimeter große Engelsfigur gestohlen. Einmal verschwand sogar ein großer Pflanzenkübel“, so Brigitte Pella. Sie arbeitet jeden Tag von 6.30 Uhr bis 15 Uhr auf dem Friedhof. Bis zum späteren Nachmittag sei immer jemand auf dem Gelände. Tagsüber konnte noch kein Diebstahl beobachtet werden, wobei es sehr schwer immer und alles zu kontrollieren, zum Beispiel wer zu welchem Grab gehört.

„Ich finde das einfach furchtbar. Die Leute, die so etwas machen, kennen keinen Respekt vor der Totenruhe.“ Im Vorjahr sah Brigitte Pella eine ältere Frau, die von Grab zu Grab gegangen ist. Daraufhin rief sie die Polizei. Die Beamten nahmen die Frau mit zur Wache.

Diebe selten ertappt

Dass ein Blumendieb auf frischer Tat erwischt wird, kommt jedoch sehr selten vor. „Das Problem ist leider nicht neu. Bei derartigen Vorfällen ermutige ich die Angehörigen, zur Polizei zu gehen. Erfolgreich ist dies hingegen meistens nicht“, sagt Viola Berwig-Holzhauer. Die Friedhofsverwalterin könne die Traurigkeit und Wut der Betroffenen verstehen. „Es tut mir aufrichtig leid, so etwas zu hören.“