Sorge l Gerade mal 82 Einwohner hat Sorge – und soll doch zum 30. Jahrestag des Mauerfalls ganz besonders in den Fokus rücken. Schließlich bietet das Dorf an der Warmen Bode mit Grenzmuseum und Grenzlandschaft einmalige Erinnerungstücke an die Zeit der deutsch-deutschen Teilung. Die sollen zum Jubiläum herausgeputzt werden, wie Ortsbürgermeisterin Inge Winkel (parteilos) sagt.

Die Vorsitzende des 20 Mitglieder starken Vereins, der sich um das Museum am Bahnhof im Ortskern und die Freilichtausstellung am einstigen Todesstreifen kümmert, will den Besuchern mehr bieten: Um den erhaltenen Grenzturm zu sanieren, brauchen die Sorger Fördergeld.

Nötig seien für die „dringenden Reparaturen und einen neuen Anstrich“ rund 42 000 Euro. „Das können wir als rein spendenfinanzierter Verein unmöglich stemmen“, sagt Winkel. Dabei sei das Freilandmuseum einmalig. „Wir zeigen Originale, das hat sonst keiner.“

Infoschilder auf Englisch

Das schlage sich auch 30 Jahre nach der Grenzöffnung in den Besucherzahlen wieder. „Ursprünglich hatten wir vermutet, dass das Interesse nach der Wende schnell erlischt“, so Winkel. Doch die Ausstellung im Bahnhofsgebäude und die Grenzlandschaft zögen rund 7000 Besucher pro Jahr an – darunter viele Gäste aus dem Ausland.

„Immer mehr Touristen aus Frankreich, Dänemark und Großbritannien finden den Weg zu uns“, erläutert die Vereinschefin. Deshalb werden am Rundweg neue Informationsschilder installiert – auf Englisch. Zudem sei geplant, ein Audioguide-System anzuschaffen. „Das ist zwar weniger persönlich als der direkte Kontakt, aber wir wollen mit der Zeit gehen.“

Unterdessen ist die Ausstellung am Bahnhof mit Artefakten aus dem Kalten Krieg – zusammengetragen vor zehn Jahren zum 20. Jahrestag des Mauerfalls – seit Anfang Mai wieder von Mittwoch bis Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr sowie nach Anmeldung geöffnet. Für Gruppen ab sechs Personen bieten Inge Winkel und Ulrich Scholz aus dem niedersächsischen Hohegeiß Sonderführungen an. Zu sehen sind neben einem originalgetreuen Modell der Grenzanlage Ausstellungstücke aus dem Alltag der Grenztruppen der DDR und der Bewohner des Grenzgebietes.

Nutzungsvertrag mit Landesforstbetrieb

Der Eintritt zum Freilandmuseum ist frei. Besucher können einen Geschichtspfad mit Informationstafeln, Resten der Grenzzäune I und II, einer Grenzsäule, dem Beobachtungsturm, einer Gewässersperre, einem Erdbunker und dem Ring der Erinnerung mit der Stempelstelle Nummer 46 der Harzer Wandernadel erkunden.

Für das Flurstück mit den Grenzanlagen hat der Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt als Eigentümer des Areals Anfang Mai eine Nutzungsvereinbarung mit dem Förderverein unterzeichnet. Damit verpflichten sich dessen Mitglieder, für die Verkehrsicherheit auf dem Gelände zu sorgen.