Hasselfelde l Für die einen ist es Freizeitvergnügen, dem sie sich insbesondere an den Wochenenden hingeben. Für die anderen sind damit Lärmbelästigungen und Unfallgefahren verbunden: Motorradfahren. Vom Harz geht mit seinen bergigen und kurvigen Strecken gleichermaßen Faszination wie Magnetwirkung auf die Bikerfans aus. Entsprechend voll sind die Straßen in den Sommermonaten. Was viele Harzer nervt. Deshalb gibt es punktuelle Sympathien mit einem Vorstoß des Bundesrates, der darauf abzielt, unbelehrbare Biker stärker auszubremsen – bis hin zu totalen Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen.

Letztere sind gewissermaßen die Krönung von Verboten und Restriktionen, um deren Umsetzung die Länderkammer bereits im Mai die Bundesregierung gebeten hat. Auf Initiative von Baden-Württemberg lag zwecks wirksamer „Minderung und Kontrolle von Motorradlärm“ ein Zehn-Punkte-Papier auf dem Tisch, das als Entschließungsantrag (Drucksache 125/20) mehrheitlich angenommen wurde.

Maximal 80 Dezibel

Entscheidende Punkte dabei: Die Bundesregierung soll auf EU-Ebene darauf drängen, dass neue Motorräder maximal 80 Dezibel Lärm verursachen dürfen. Zudem geht es um bauliche Manipulationen an Auspuffanlagen, die künftig nötigenfalls in die sofortige Stilllegung und Sicherstellung/Beschlagnahme münden sollen. Zudem soll die Bundesregierung gesetzlich darauf hinarbeiten, dass Motorsteuerungen, mit denen sich bestimmte Geräuschkulissen ermöglichen lassen, verboten werden. Um Raser besser zu identifizieren, sollen Frontkennzeichen her, die Halterhaftung geprüft werden und obendrein das Auferlegen von Fahrtenbüchern. Eine weitere Forderung kristallisiert sich dabei als Knackpunkt heraus. Unter Punkt sieben der Entschließung heißt es: „Der Bundesrat sieht dringenden Handlungsbedarf, für besondere Konfliktfälle Geschwindigkeitsbeschränkungen und zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes zu ermöglichen. Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die hierzu einschlägigen Regelungen anzupassen. Motorräder mit alternativen Antriebstechniken wie beispielsweise Elektroantrieb sollten von möglichen Verkehrsverboten ausgenommen werden.“

Letztlich passierte die Drucksache die Länderkammer im Mai mehrheitlich. Zehn Länder folgten dem Vorstoß Baden-Württembergs. Vier Länder – neben Sachsen-Anhalt auch Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein – votierten dagegen. Brandenburg und Nordrhein-Westfalen enthielten sich.

Problem Ungleichbehandlung

Sachsen-Anhalt macht nach Angaben eines Sprechers des Verkehrsministeriums seine Ablehnung im Kern an der Ungleichbehandlung von konventionellen Motorrädern und E-Motorrädern fest. Und auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stellte umgehend klar, dass es ein Fahrverbot für Motorräder an Wochenenden mit ihm nicht geben werde.

Und auch in der Harzregion sind die Reaktionen geteilt. Die Mitglieder des Harzklub-Zweigvereins Hasselfelde waren in ihrer Jahreshauptsammlung nach Angaben von Vereinschef Henning Kurth einmütig – 29 Mitglieder waren anwesend. „Die B 81 und B 242 sind kurvenreiche Bergstraßen, die bei Motorradfahrern besonders beliebt sind. Die Konzentration von Motorrädern vor allen an Wochenenden und Feiertagen ist enorm“, heißt es in einer Begründung des Harzklubs. Dabei seien die Straßen durch das erhöhte Aufkommen von Lkw, die Gesteine und Schadholz transportieren, schon sehr überfüllt.

Verstärkte Kontrollen

Gegen die „überlauten Motorräder“, die oftmals auch Wanderer in den Wäldern störten, soll aus Sicht des Vereins etwas unternommen werden. Neben verstärkten Kontrollen sieht der Klub analog zum Bundesrat sowohl Geschwindigkeitsbegrenzungen als auch Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen als geeignetes Mittel zum Zweck.

Oliver Junk (CDU), Oberbürgermeister von Goslar und zugleich Präsident des Harzklubs, steht generellen Verboten ablehnend gegenüber. „Die meisten Motorradfahrer, die ich kenne, sind vernünftig und rücksichtsvoll unterwegs. Außerdem frönen sie ihrem Hobby, was sie arbeitsbedingt nur am Wochenende können.“ Aus seiner Sicht, so Junk, sei es nicht richtig, alle zu bestrafen, nur weil es einige „Durchgeknallte übertreiben“.

Punktuelle Einschränkungen

Ablehnung kommt auch vom Oberharzer Bürgermeister Ronald Fiebelkorn (CDU). „So, wie ich segeln gehe, fahren die Motorrad – die allermeisten sind dabei vernünftig.“ Statt pauschaler Verbote würde er punktuelle Einschränkungen begrüßen. „Beispielsweise an der Soundröhre an der Rappbodetalsperre, wo im schlimmsten Fall auch Fußgänger gefährdet werden.“

Sowohl Junk als auch Fiebelkorn sehen noch ein weiteres Problem: Der Harz lebe vom Tourismus. „Ich setze mich permanent dafür ein, dass Touristen in den Harz kommen – das dürfen auch Motorradfahrer sein“, so Junk. „Jeder Zweirad-Tourist ist ein Tourist wie jeder andere“, stellt Fiebelkorn klar.