Derenburg l Die Burgmühle in Derenburg atmet förmlich Geschichte. Dies liegt nicht nur an der langen und wechselvollen Vergangenheit des Gebäu- deensembles an dem wahrscheinlich ältesten nachgewiesenen Mühlenstandort im Harzkreis. In zwei Räumen in direkter Nachbarschaft zur historischen Mühlenstube zeigt Eigentümer Thomas Merbt ganz besondere Schätze: in einer kleinen Privatausstellung.

In mehreren Vitrinen und Schaukästen hat er hunderte Artefakte aufgereiht, die einzigartige Einblicke in die napoleonische Zeit und die sogenannten Befreiungskriege geben. Mit unglaublicher Akribie hat Thomas Merbt über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg auf den einstigen Schlachtfeldern in Österreich, Polen, Tschechien und Frankreich nach Spuren gesucht. Und ist fast immer fündig geworden: ob Reste von Waffen, Gewehr- und Kanonenkugeln, Gürtelschnallen, Münzen, Orden, Abzeichen. Ob von Preußen, Franzosen, Österreichern. Im Laufe der Jahre fanden über Ankäufe und Tausch weitere einzigartige Objekte den Weg zu ihm.

Opa hat Interesse geweckt

Angesteckt von dieser Sammelleidenschaft wurde er einst von seinem Großvater Paul Lindner. „Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Rohrnetzmeister für das Verlegen der Gasleitungen in Leipzig“, erzählt Thomas Merbt. „Bei den Erdarbeiten hat er immer etwas gefunden.“ So erinnert er sich noch genau an jenen Tag im Jahr 1963, als ihm sein Opa eine Schaufel in die Hand gab und ihn aufforderte, im Garten zu graben. „Das erste, was ich ausgebuddelt habe, war diese Kanonenkugel“, erzählt Thomas Merbt und zeigt stolz auf eine imposante Eisenkugel in einer seiner Vitrinen. Gleich daneben: eine Schwarz-Weiß-Fotografie seines Opas. Der hatte seine Fundstücke 1945 einfach im Garten vergraben, um sie vor den herannahenden Russen zu retten. „Damit hat er bei mir das Interesse für diese Zeit geweckt“, so Thomas Merbt, der seither selbst einmalige Exponate zusammengetragen und restauriert hat.

Bilder

So finden sich in seinem Privatmuseum 20 originale Uniformen von englischen, französischen und preußischen Soldaten, von einem Lützower Jäger, einem Aschersleber Husar und einem Reiter aus der sogenannten Schwarzen Schar des Braunschweiger Herzogs Friedrich Wilhelm (1771-1815). Hinzu kommen rund 100 Feuer- und Blankwaffen, eine Kücheneinrichtung mit Zinn- und Keramik-Geschirr, Bücher, Möbel, Gemälde und mehr als 1000 Artefakte und Alltagsgegenstände aus der napoleonischen Zeit. „Und wer weiß schon, dass es in Herzberg eine Waffenfabrik gegeben hat“, fragt er und zeigt auf eine Pistole aus der Harzer Waffenschmiede Crause.

Für Merbt sei gerade der regionale Bezug für seine Sammlung wichtig, wie er betont. Denn auch schon vor den großen Schlachten wie bei Jena (1806), Leipzig (1813) oder Waterloo (1815) hat es immer wieder Auseinandersetzungen der damaligen Kriegsgegner gegeben.

Viele regionale Bezüge

So erzählt er gern die Geschichte, dass ein einziger Schuss genügt habe, um die Franzosen von der Festung Regenstein bei Blankenburg zu vertreiben. „Das ist in der Militärgeschichte sicher einmalig“, so Thomas Merbt. Die preußische Bergfestung war bereits während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) von den Franzosen erobert worden. Im Februar 1758 soll es dann einem preußischen Kanonier gelungen sein, das Brunnenhaus auf dem Regenstein mit einem Volltreffer zu zerstören. Ohne Wasserversorgung mussten sich die Franzosen ergeben. In Drübeck soll ein französischer Reiter samt Pferd im Morast versunken sein. Daran erinnere sogar ein Spottlied, das wohl allerdings in Vergessenheit geraten sei.

Eine weitere Geschichte berichtet vom Braunschweiger Herzog Karl Wilhelm Ferdinand (1735-1806), dem Oberbefehlshaber der preußischen Truppen in der Schlacht bei Auerstedt am 14. Oktober 1806. „Nach dessen schwerer Verletzung - eine Gewehrkugel hatte von der Seite seine Augen durchschlagen - wurde er immer von sechs Mann auf einer Bahre vom Schlachtfeld bis ins Lazarett nach Wolfenbüttel getragen. Dabei kam er auch durch Derenburg“, so Thomas Merbt. Der Sohn Karl Wilhelm Ferdinands, der als Schwarzer Herzog in die Geschichtsbücher eingegangen ist, fiel übrigens am 16. Juni 1815 in der Schlacht bei Quatre Bras - zwei Tage vor der vernichtenden Niederlage Napoleons im nahegelegenen Waterloo.

Konzept vorhanden

Und so gebe es noch viel mehr anhand der zahlreichen Ausstellungsstücke zu erzählen, die nun aber möglichst umziehen sollen. Thomas Merbt, inzwischen 72 Jahre alt, will seine Sammlung auch in Zukunft in guten Händen wissen - am liebsten in der Region zwischen Blankenburg, Quedlinburg, Wernigerode, Ilsenburg und Goslar. „Wir haben hier so viele interessante historische und vorbildlich restaurierte Gebäude, die andererseits kaum oder gar nicht touristisch genutzt werden“, sagt der Derenburger. Deshalb wünscht er sich Kontakt zu Kommunen, die sein Museum übernehmen würden, ohne es kaufen zu müssen. Ob es dann über einen Verein, eine Stiftung oder über eine Tourist-Info zugunsten der Gemeinde betrieben wird, darüber wäre zu sprechen: „Es wäre nur schade, wenn solch eine bedeutende Sammlung verkümmern würde.“

Kontakt unter Telefon (01 76) 39 85 86 38 und unter der E-Mail-Adressse thomasmerbt@hotmail.com