Benneckenstein l Eine Nacht bei 17 Grad Celsius unter Null und kniehohem Schnee – kein Problem für Rene Golz. „Der Wintereinbruch ist eine Gelegenheit, meine Grenzen auszutesten – und was anderes habe ich ja derzeit eh kaum zu tun“, sagt der Survival-Trainer aus Benneckenstein.

Denn „seit November darf ich nicht mehr arbeiten“, berichtet der 50-Jährige über die Auswirkungen des neuerlichen Corona-Lockdowns auf sein Geschäft: Abenteuer-Touren im Oberharz-Wald – und die Vermietung einer mobilen Ferienwohnung („Tinyhouse“) sowie eines Tipis auf seinem Grundstück am Rande Benneckensteins.

Mit beiden Übernachtungsangeboten gingen Golz und seine Partnerin Alexandra Boschke Anfang September an den Start. „Das Tinyhouse war bis Dezember ausgebucht. Doch wir mussten leider vielen Gästen erklären, dass sie uns momentan nicht besuchen dürfen und sie auf den nächsten Sommer vertrösten“, erläutert der Wahl-Benneckensteiner.

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Doch das positive Echo und die Nachfrage für die beiden Unterkünfte habe gezeigt: „Es war der goldrichtige Schritt, mitten in der Krise ins Risiko zu gehen und einen Kredit für die Investitionen aufzunehmen“, ist Rene Golz überzeugt. Deshalb nutze er die Zeit, in der er weder Urlauber beim Überlebenstraining anleiten noch beherbergen darf, für weitere Expansionspläne am Rande Benneckensteins: „Wir haben ein Nachbargrundstück samt Haus gekauft – da entstehen zwei neue Ferienwohnungen.“

Um Elektrik und Innenausbau kümmere er sich weitestgehend selbst: „Ich habe nun ja leider Zeit.“ Zum Sommeranfang will er die ersten Urlauber in den beiden Unterkünften direkt am Rappbode-Ufer empfangen.

Folgt Stellplatz für Dachzeltnomaden?

Dazu möchte Überlebenskünstler sich ein weiteres Grundstück direkt nebenan sichern: „Die Wiese wäre ein perfekter Stellplatz für Dachzeltnomaden.“ So bezeichnen sich Camper, die in Zelten auf ihren Autos übernachten. „Tagsüber könnten sie den Harz erkunden und sich abends wieder bei uns in der Ruhe und Idylle einfinden“, lautet Golz‘ Vision.

Mit solchen positiven Gedanken versuche er, die „Existenzangst abzuschütteln, die derzeit sicher viele Unternehmer plagt“. Er selbst müsse nun vom Puffer zehren, den er sich im vergangenen Sommer erarbeitet habe. „In dieser Zeit hat uns die Krise einen enormen Zulauf beschert“, erläutert der Überlebenstrainer. So musste er 2020 wegen der Pandemie von rund 75 gebuchten Kursen 17 ausfallen lassen. Damit lande er in etwa bei den Zahlen eines gewöhnlichen Jahres mit 50 bis 60 Anmeldungen.

Schmerzlich sei dagegen für ihn, dass seine Touren mit der Jugendherberge Torfhaus allesamt ausfielen. „Sonst gehe ich etwa 15 Mal pro Jahr mit den Kindern und Jugendlichen in den Wald.“ Ebenso musste Golz sein ehrenamtliches Engagement komplett herunterfahren: Ausflüge mit dem Kinderschurtbund Braunlage und dem Benneckensteiner Schulhort. Er hoffe, „dass wir spätestens 2022 wieder zur Normalität zurückkehren können“ – und setzt darauf, dass die Nachfrage des Sommers 2020 anhält.

Mit neuen Partnern zu mehr Besuchern

Helfen sollen dabei auch neue Koperationen: „Mit Younit aus Benneckenstein, die Seminare, Betriebsausflüge und Workshops für Firmen anbieten, verbindet uns sehr viel – logisch, dass wir zusammenarbeiten“, sagt der Überlebenstrainer. Zudem habe er sich mit den Texterinnen Franziska Hirschelmann und Manuela Kahle zusammengetan, deren Agentur Storyart.Business Golz‘ bei seinen Abebnteuern mit einem Blog begleitet. „Damit machen wir Benneckenstein insgesamt wieder ein wenig bekannter.“

Hintergrund: Seit 2014 bieten Golz und Boschke die Überlebenstouren im Oberharz an – in einem 20 Hektar großen Waldstück, das sie gepachtet haben. Vor Corona gab es kaum ein Wochenende, an dem keine Gäste zu den Kursen in den Oberharz-Ortsteil fuhren – um Natur zu erleben, abzuschalten und zu lernen, wie man mit einfachsten Mitteln selbst Feuer macht. Vor allem für Junggesellenabschiede seien Survivaltours immer gefragter.