Blankenburg l Haus- und Grundstückseigentümer haben nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Um diese gegenüber ihren Mietern, aber auch der Politik in Stadt und Land durchzusetzen, sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen, hat sich bereits im Mai 1990 der Verein „Haus & Grund“ in Blankenburg gegründet. Das 30-jährige Bestehen sollte eigentlich groß gefeiert werden. Doch wegen der Corona-Pandemie fiel der Festakt aus.

Trotzdem ein guter Grund, auf die 30-jährige Arbeit des 100 Mitglieder zählenden Vereins zu blicken, der aktuell von Udo Schönebaum geführt wird. Gegründet wurde „Haus & Grund“ auf Initiative von Rudolf Gall am 16. Mai 1990. „Rudolf Gall hat sich mit großem Engagement, viel Ehrgeiz und Sachverstand an den Aufbau des Vereins herangewagt“, so Udo Schönebaum. „Die ersten Ziele waren damals: kostendeckende Mieten, günstige Kredite, Entschuldung, Wohnraumverfügung ohne staatliche Einmischung, schnelle Bearbeitung von Anträgen auf Eigenbedarf, besonders für Familienangehörige“, zitiert er aus der ersten Satzung, die mit Hilfe von Goslarer Vereinsvertretern erarbeitet wurde. Dem ersten Vorstand gehörten damals neben Rudolf Gall auch Hermann Volkmann, Uwe Buckreus, Bärbel Schories, Erich Patzelt und Klaus Hendrich an.

„Mit der Zeit änderten sich Profil und Anforderungen der Vereinsarbeit. Die Sorgen und Probleme der Mitglieder passten sich zwangsläufig den neuen veränderten Gesetzmäßigkeiten und Strukturen an“, blickt Udo Schönebaum auf die damals dringendsten Probleme: das Abdecken der Betriebskosten durch Mietpreiserhöhung und die Hilfe beim Anmelden von Eigenbedarfsansprüchen, was aber zu Spannungen und Ärgernissen zwischen Vermietern und Mietern führte. In einem Schreiben aus dem Vereinsarchiv heißt es unter anderem: „Die Mieter haben Angst, bei den derzeitigen Gehältern die vielen erhöhten Abgaben nicht mehr zahlen zu können. Die Vermieter warten auf kostendeckende Mieterhöhungen, denn die Abgaben steigen auch in ihrem Bereich auf das Drei- bis Vierfache.“ Beklagt wird darin der Umgang des SED-Regimes mit Hauseigentümern: „Wohin haben uns denn die niedrigen Mieten geführt, auf die die damalige Staatsführung so stolz war? Die Häuser sind zum größten Teil grau, trist, renovierungsbedürftig und verfallen. Wir wollen doch auch zu schönen, sauberen Stadtbildern kommen! Aber wie? Bei einer Durchschnittsmiete von 90 Pfennig pro Quadratmeter bestimmt nicht.“

Doch auf die Eigentümer warteten mit den Jahren weitere Herausforderungen: So die Erhebung einmaliger Beiträge für öffentliche Verkehrsanlagen in der Stadt 1997 sowie Abwasserabgaben an den Trink- und Abwasserzweckverband (TAZV) 2002. Damals wehrten sich die Mitglieder erfolgreich gegen diese Bescheide, die zum Teil rückwirkend erhoben worden waren.

2006 trat Rudolf Gall aus Alters- und Gesundheitsgründen als Vorstandsvorsitzender und wurde für seine großen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seit der Neuwahl im Juli 2006 führt Udo Schönebaum den Verein. Zum Vorstand gehören weiterhin Johann Heitzinger, Eckhard Weinhonig und Wieland Hüttner als Rechtsbeistand.

„Mit der Zeit veränderten sich die Strukturen. Ziele wurden neu definiert und die computergesteuerte Kommunikation hielt Einzug“, so Schönebaum, der viel Wert auf Information legt. „Wir führen regelmäßige Mitgliederberatungen durch, so zu Modernisierung und damit verbundener Duldungspflicht der Mieter, Mieterhöhungen über das Vergleichsmietensystem, zu Betriebskosten, erstellen für unsere Mitglieder einen gerichtlichen Mahnbescheid bei Mietschulden, beraten zu Kündigungen , Mietkautionen, Mietfeststellung und auch und bei nachbarrechtlichen Problemen“, zählt er auf. Stolz ist er auf die zahlreichen Vorträge zu verschiedensten Themen mit kompetenten Referenten - ob von Polizei, Feuerwehr, Stadtwerken, TAZV und vom HUG-Landesverband. Für besonderes Engagement wurde der Gemeinschaft durch den Verein Haus & Grund Anhalt/Zerbst die Ehrenurkunde für „hervorragende energetische Betreuung der privaten Hauseigentümer“ verliehen. Und auch bei dem am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Gesetz zum Energiepass sieht er den Blankenburger Verein in einer Vorreiterrolle.

Kritisch sieht Udo Schönebaum nach wie vor den durch den TAZV in Blankenburg eingeführten Begriff „Wohneinheit“. „Diese Gebühr berücksichtigt nicht die Personenzahl in einer Wohnung, sondern ist quasi als Pauschale anzusehen. Eine Gleichbehandlung aller Bürger dürfte somit nicht mehr gegeben sein“, sagt er. Weiter am Ball bleiben möchte er in Sachen Straßenausbau-Beiträge. „Wir kämpfen weiter darum, das sie auch bei uns so schnell wie möglich abgeschafft werden“, so Schönebaum, der sich bei den Vorstandsmitgliedern für die bisherige gute Zusammenarbeit bedankt. „Ich wünsche mir für den Verein Haus & Grund Blankenburg weiterhin eine erfolgreiche Tätigkeit und würde mich sehr freuen, wenn sich noch mehr Haus- und Grundstückseigentümer dazu entschließen könnten, eine Mitgliedschaft anzustreben.“