Darlingerode l Landrat Martin Skiebe (CDU) hat es nicht einfach, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wenige Frauen und eine Überzahl an Männern im Saal stehen in Grüppchen zusammen, plaudern ungehindert und angeregt miteinander.

Es ist die alljährliche Freude, sich bei dem Herrenabend in der Sandtalhalle in Darlingerode zu treffen. So wurde einmal mehr deutlich, dass das Motto der Veranstaltungsreihe „Gemeinsam wachsen“ Bestätigung fand und „eine Erfolgsgeschichte ist“, wie Skiebe bei seiner Begrüßung sagte. Dafür dankte er seinem Vorgänger Michael Ermrich, der den Herrenabend 1998 ins Leben gerufen hatte, und den Sponsoren, „die über Jahre ein wichtiger und zuverlässiger Partner sind“.

Herzlich willkommen hieß der Landrat am Freitagabend zum 20. Herrenabend über 200 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik sowie Verwaltung und besonders jene, die sich vom Berufsalltag in den Ruhestand verabschiedet haben. Gehören sie doch gleichermaßen zu den Führungspersönlichkeiten, die an der erfolgreichen Wirtschaftsentwicklung im Harzkreis beteiligt sind, so Skiebe. Er sei zuversichtlich, dass auch weiter Projekte entwickelt werden können, weil eine gute Vernetzung bestehe, „die Unternehmer Verantwortung tragen und über den Tellerrand hinausschauen“.

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Beeindruckt von Reinhard Grindel

„Gemeinsam wachsen“, so Skiebe weiter, höre an der Landkreisgrenze nicht auf. „Wir verstehen uns als ein Harz und wollen Brücken bauen, auch wenn es Menschen gibt, die wieder eine Mauer errichten möchten.“ Dass nach seiner Einführung aus seiner Sicht ein „Kracher“ folgt, ließ durchblicken, wie beeindruckt Skiebe vom Ehrengast Reinhard Grindel war. Dafür galt sein besonderer Dank Hans-Heinrich Haase-Fricke. Der Vorstand der Harzer Volksbank hatte den 12. Präsidenten des Deutschen Fußballverbandes in den Harz gelockt und Grindel überredet, einen Vortrag über die „schönste Nebensache der Welt“ zu halten.

Zuvor machte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) in seinem Grußwort deutlich, dass für ihn Fußball die Nummer-Eins-Sportart sei. Sie habe enormen Identitätscharakter - siehe 1. FCM und Halle, auch wenn dies immer wieder eine Herausforderung für den Polizeieinsatz bedeute. „Mir ist es aber lieber, konzentriert an den Wochenenden reagieren zu müssen, als jederzeit unkontrolliert und überall.“

Welche gesellschaftliche Bedeutung die „schönste Nebensache der Welt“ hat, darüber sprach der DFB-Präsident in seinem kurzweilligen Vortrag. Er umriss die ökonomische und soziale Bedeutung, betonte die ausgezeichnete Integrationsmöglichkeit durch Fußball und sagte: „Dem Ball ist es egal, wer gegen ihn tritt.“ Breiten Raum widmete er der Vereinsarbeit und besonders dem Ehrenamt im Kinder- und Jugendbereich.

Grindel appelliert an Gäste

Immerhin gebe es laut Reinhard Grindel in Deutschland rund 25.000 Fußballvereine, die Orte der Gemeinschaft schaffen. „Das ist der größte Schatz, den es gilt zu schützen.“ Deshalb sei es wichtig, das die Bereitschaft der Ehrenamtlichen wieder mehr betont und wertgeschätzt werden müsse. „Lassen Sie es Ihren Mitarbeiter spüren, der sich neben dem beruflichen Engagement auch ehrenamtlich einbringt, anstatt dass er ein schlechtes Gewissen hat“, sagte Grindel, der sich im gemütlichen Teil des Abends noch reichlich Zeit für persönliche Gespräche nahm.

Und das ging am besten bei einem Glas Hasseröder Bier, das aus aktuellem Anlass ebenso für viel Gesprächsstoff auf dem Herrenabend sorgte. In Wernigerode sind Bestrebungen angelaufen, die Hasseröder Brauerei wieder an die Heimatstadt zu binden. Beim Weltkonzern Anheuser- Busch InBev steht der Wernigeröder Brauereibetrieb auf der Verkaufsliste.