Wernigerode l Wünsche bekommen eine ganz andere Dimension, wenn Menschen wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben. Wie wichtig es ist, dass es dann Menschen gibt, die Schwerstkranken einen letzten Wunsch erfüllen, ist auf einer Fahrt mit der Brockenbahn deutlich geworden.

Auf dem Bahnsteig der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) in Wernigerode fährt ein Krankenwagen vor. Es ist der Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser und kommt aus Wolfsburg. Am Steuer sitzt Andreas Meißner, neben ihm Ulrich Rühmann. Die beiden ehrenamtlichen Helfer begrüßen Heide Baumgärtner von der Pressestelle der HSB. Dann treffen in einem zweiten Fahrzeug vier Krankenschwestern vom Hospiz in Wolfsburg ein, während HSB-Zugführer Holger Prochnau das Signal gibt: „Es ist alles vorbereitet.“ Die Überraschung kann starten.

Eher beiläufig hat Jürgen Klüsener, der seit Dezember im Hospitz in Wolfsburg lebt, davon berichtet, wie gern er früher in den Harz gereist ist. Eine Dampflokfahrt mit der Brockenbahn, das hatte der 69-Jährige immer noch mal vor gehabt. Ein schweres Krebsleiden kam diesem Traum zuvor.

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Die Schwestern, die sich ehrenamtlich bei den Maltesern im Wünsche-Team engagieren, haben beraten und entschieden, „wir versuchen es, ihm diesen Traum zu erfüllen“. „Die HSB hat sofort zugesagt“, erinnert sich Andreas Meißner, der erstmals eine Aktion in Wernigerode organisiert hat. Unproblematisch sei es auch gewesen, ein geeignetes Transportmittel für die Zugfahrt zu bekommen, da eine Krankentrage nicht in Frage kam. „Die Firma Steinke hat uns kurzerhand einen supergeeigneten Spezialrollstuhl zur Verfügung gestellt“, sagt Meißner und bedankt sich beim Chef Tobias Steinke. „Ich habe gar nicht gezögert, als die Anfrage kam“, entgegnet Steinke. Die Logistik seiner Medizintechniker sei für den Vormittag umgestellt worden. So konnte Mitarbeiter Andy Busse den Auf- und Zusammenbau des Stuhls in dem von der HSB extra angehängten Waggon mit breiteren Türen und Kinderwagenplatz sowie den Rücktransport nach Wernigerode erledigen.

Solche Anfragen kommen meist sehr kurzfristig, „auch ist nicht immer abzusehen, ob die Wunscherfüllung nach Plan läuft“, sagt Jana Meißner. Am Ende sind sie und alle Malteser zufrieden und glücklich, denn die Überraschung ist mehr als gelungen.

Jürgen Klüsener, der morgens nach dem Frühstück im Hospiz erfuhr, dass es in den Harz geht, ist von der ersten Minute an, die er im bequemen Rollstuhl im Zug sitzt, begeistert. Er schaut lächelnd aus dem Fenster hinaus, vorbei an den bunten Fachwerkhäusern, die malerische Winterlandschaft. „Es ist einfach wunderschön“, sagt er leise und blinzelt in die Sonne. Kurz vor Drei Annen Hohne, wo die Bahnfahrt enden soll, fragt Jana Meißner: „Möchten Sie weiterfahren.“ Der Mann, eingemummelt in einem Daunensack, nickt. Spontan wird die Zugfahrt fortgesetzt, bis Schierke. Längst haben Mitreisende Notiz von dem schwerkranken Mann genommen und spüren seine Freude.

Beim Umsetzen auf die Krankentrage am Bahnhof Schierke winkt Jürgen Klüsener den Krankenschwestern zu und sagt: „Danke, ihr seid die weltbesten Schwestern.“