Wernigerode l Anhaltende Regenfälle sorgen im gesamten Harzkreis für Hochwasser. Besonders betroffen sind die Ilse und Holtemme, die zu reißenden Flüssen anschwellen. Das Wasser schießt von den Bergen aus allen Richtungen herunter und bahnt sich seinen Weg.

Steinerne Renne wird reißender Bach

An der Steinernen Renne befindet sich eine Brückenbaustelle im Bereich der Firma Werbat. Sie tut das Übrige: Die Wassermassen laufen die Straße entlang und verwandeln die Bielsteinchaussee in einen Fluss.

„Land unter in Wernigerode“ wird aus der Kreisverwaltung gemeldet, wo ein Krisenstab eingerichtet ist. Die Holtemme am Pegel „Steinerne Renne“ überschreitet bereits am Dienstagvormittag die höchste Stufe 4, wie die Hochwasservorhersagezentrale in Magdeburg auf ihrer Internetseite mitteilt. Die Alarmstufe 4 wird ab einem Messwert von 110 Zentimetern ausgelöst. Experten sprechen von einem Rekord für diesen Pegelstand.

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Alarmbereitschaft im Bauhof

Währenddessen sind Mitarbeiter vom Bauhof der Stadt Wernigerode und vom Unterhaltungsverband Holtemme im Dauereinsatz. Beschäftigte der Wernigeröder Tourismus GmbH helfen bei Kontrollfahrten, Bürger der Stadt helfen, um Gräben zu ziehen und Astwerk auf Bächen zu räumen, wie am Sturzbach. Die Feuerwehren sind in Alarmbereitschaft, hin und wieder werden sie bereits angefordert, um Keller auszupumpen. Auf der Großbaustelle in Hasserode laufen Pumpen seit dem Morgengrauen, eine Baugrube samt Tiefgarage des Wohnparks Argenta ist vollgelaufen.

Hochwasser im Harz

Wernigerode (ru) l Land unter in Wernigerode und Umgebung. Der Dauerregen hat die Harzbäche Holtemme und Ilse in reißende Flüsse verwandelt. Sie sind über die Ufer getreten.

  • Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wer...

  • Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

    Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht überspült zu werden. Foto: Regina Urbat

    Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht ...

  • Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen nicht, der Sturzbach läuft über. Foto: Regina Urbat

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  • Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstörten Behelfsbrücke aus den Fluten. Foto: Michael Lumme

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  • Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Foto: Jörg Niemann

    Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in...

  • Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäcke. Foto: Uta Müller

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  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner informieren sich über die Lage. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner inf...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brücke hervor. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brüc...

  • Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Sielaff

    Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Si...

  • Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: Ulrich Eichler

    Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: ...

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

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  • Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto: Matthias Bein

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  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

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  • Anwohner stehen  in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matthias Bein

    Anwohner stehen in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matt...

  • Schaulustige  in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall auf das Hochwasser. Foto: Matthias Bein

    Schaulustige in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall a...

  • Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

    Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

  • Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens Müller

    Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens M...

  • Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

    Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

  • Foto: Jens Müller

    Foto: Jens Müller

  • Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße in die Ilse abgeleitet. Foto: Denis Loeffke

    Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße...

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode:  An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina Urbat

    Nach dem Hochwasser in Wernigerode: An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina ...

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

    Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

Sorge in der Kinderkrippe

Häuser in der Kruskastraße werden mit Sandsäcken gesichert. Hier helfen Anwohner beim Stapeln. Die Holtemme-Brücken an der Kruskastraße sowie der Hochschule Harz sind gesperrt, „aus Sicherheitsgründen“, sagt Bauhofchef Torsten Friedrich. Am späten Vormittag muss dann die Straße Am Auerhahn gesperrt werden, damit die Holtemme wieder zurück über die Fahrbahn ins Bachbett fließen kann. Die Holtemme schwappt an der Kruskastraße bereits drüber. Erzieher der Kinderkrippe „Am Auerhahn“ beobachten mit Sorge den steigenden Wasserpegel. Die Eltern werden aufgefordert, ihre Kinder abzuholen und über ein Ausweichquartier informiert. Wie Stadtsprecher Tobias Kascha der Volksstimme mitteilt, werden die Auerhahn-Kinder ab Mittwoch in der Kita „Regenbogen“ in der Pfälzergasse 9 betreut.

Holtemme tritt über Ufer

Im Ortsteil Silstedt bringen Bewohner der Neuen Mühle ihre Fahrzeuge in Sicherheit. Die Holtemme hat die Zufahrtsstraße bereits überspült und ist am Ortsrand von Minsleben über die Ufer getreten. Dort stehen Kühe wie auf einer Insel. Ein Bauhofmitarbeiter aus Minsleben alarmiert den Besitzer, damit er seine Tiere retten kann.

An Rettung müssen zwei Feuerwehrleute aus Silstedt denken, die gerade von der Arbeit kommen und die Holtemme kontrollieren. Beim Hochwasser 1993 hat der Kuhstall der Agrargenossenschaft kurz vor einer Evakuierung gestanden. Weniger Aufregung in der Rothen Mühle. Die Wirtsleute werden wohl keine nassen Füße bekommen. Lediglich in der sonst knöchelhohen Furt rauscht die Holtemme wie ein reißender Strom vorbei.

Landwirte noch weniger in Sorge

Die Silstedter Landwirte sprechen noch nicht von Katastrophe. „Noch ist alles im grünen Bereich“, sagt Jörg Weidemann, Chef der Agrargenossenschaft Silstedt-Benzingerode. In den vergangenen Wochen haben sich die Niederschläge in Grenzen gehalten, deshalb sei die Getreideernte nicht in Gefahr. Sobald es wieder trocken ist, geht es weiter.

Hintergrund: Ein Regenband überdeckt aktuell weite Teile Mitteldeutschlands. Entspannung ist nicht in Sicht. Das Tiefdruckgebiet „Alfred“ sorgt in den nächsten Tagen weiter für Dauerregen. Bis mindestens Mittwoch soll es laut Deutschem Wetterdienst in fast ganz Deutschland weiter regnen. Erst für Donnerstag rechnen die Experten mit einer Wetterbesserung.