Wernigerode l 367 Unterschriften: Damit wehren sich etliche Wernigeröder gegen den übereilten Abriss der Kruskabrücke. „Die Unterschriften stammen ausschließlich von Einwohnern im unmittelbaren Einzugsbereich der Brücke sowie von Eltern der Kinderkrippe Auerhahn“, erläutert Anwohner Winfried Borchert, der die Aktion vor einigen Tagen initiiert hatte. Hinzu kommen etwa 50 weitere Unterschriften von Gästen und Urlaubern, die die Holtemme-Brücke während der Sammeltage genutzt haben, so Borchert gegenüber der Volksstimme.

Die Anwohner fordern Verwaltung und Stadtrat auf, nicht für einen Abriss der Brücke zu stimmen, bevor es eine Ersatzlösung für Radfahrer und Fußgänger gibt. Die Brücke sei in dem Wohnviertel eine wichtige Verbindung zwischen Hasserode und der Innenstadt, argumentieren die Nachbarn.

„Der Abriss der Brücke löst das Hochwasserproblem nicht“, so Borchert im Ordnungsausschuss. Es sei „Panikmache und kein guter Stil, mit den Ängsten der Anwohner zu spielen“, nur um die Brücke schnellstmöglich abreißen zu können. Borchert schlug im Namen der Unterzeichner vor, den Beschluss über den Abriss zu verschieben und gemeinsam mit den Anwohnern eine Lösung zu suchen.

Bilder

Abriss oder Neubau

Die Zukunft der Kruskabrücke ist in den vergangenen Tagen von Stadtpolitikern und Wernigerödern heftig diskutiert worden. Die Brücke zwischen Kruskastraße und Am Auerhahn gilt bei Hochwasser als Nadelöhr. Das Problem hatte sich zuletzt bei der Flut im Juli 2017 gezeigt. Treibgut hatte sich unter dem ohnehin zu tief sitzenden Brückenbauwerk verfangen und den Abfluss verstopft. Die Wassermassen ergossen sich über die Ufermauern auf die Straße und anliegende Grundstücke.

Seit der Flut von 2017 beschäftigt man sich deshalb im Wernigeröder Rathaus mit der Entschärfung des Nadelöhrs. Möglichkeiten wie die Ausschachtung des Flussbettes wurden verworfen, weil dies nicht zielführend sei. Auch der Abriss und der Bau einer deutlich höheren Brücke wurden diskutiert. Wie sich bei den Berechnungen zeigte, ist eine Brücke für Pkw nicht realisierbar. Für die notwendigen Rampen sei kein Platz, hieß es aus dem Rathaus. Noch im Frühjahr stand man vor der Entscheidung zwischen ersatzlosem Abriss oder Neubau für Radfahrer und Fußgänger. Beide Varianten hätten vor- und Nachteile, hieß es weiter. Die endgültige Entscheidung stand zu dem Zeitpunkt aus. Gebaut werden sollte frühestens im Jahr 2022.

Das dauerte CDU-Stadtrat Christian Linde zu lange. Er stellte den ersatzlosen Abriss der Brücke zur Diskussion, um Zeit und Geld zu sparen und um schnellstmöglich für Hochwasserschutz zu sorgen. „Ich möchte eine Diskussion anregen und eine Entscheidung des Stadtrats forcieren“, so Linde gegenüber der Volksstimme. Ein Abriss sei mit 100.000 Euro günstiger als eine neue Brücke. Und in der Nähe gebe es zwei weitere Brücken über die Holtemme, welche Passanten nur einige Meter Umweg kosten. Die Kruska-brücke sei nicht die einzige Verbindung zur Innenstadt.

Die Verwaltung reagierte mit einem Kompromiss: eine zwei Meter breite Fußgängerbrücke mit Stufen, die allerdings nicht barrierefrei sei. Kosten 280.000 Euro inklusive Abriss. Nach der Diskussion im Bauausschuss kam von Matthias Bosse (SPD) ein weiterer Vorschlag: schnellstmöglicher Abriss ja, aber das Wort „ersatzlos“ streichen. Unabhängig davon sollte OB Peter Gaffert (parteilos) aufgefordert werden, innerhalb eines halben Jahres einen Alternativvorschlag für eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke vorzulegen. Bosses Vorschlag setzte sich durch.

Unterdessen regte sich bei den Anwohnern Protest. Dieser gipfelte am Dienstag in der Übergabe der Unterschriftenliste vor der Sitzung des Ordnungsausschusses. Und der Protest zeigte Wirkung. Zwar blieb die große Diskussion aus. Stadtrat Rainer Schulz (Bündnis 90 /Die Grünen) regte aber an, die Vorlage vorerst zurückzustellen, um später eine „fundierte Entscheidung“ treffen zu können. Und die Mehrheit der Ausschussmitglieder zog mit.

Anwohner kämpfen weiter

Ist der ersatzlose Abriss der Kruskabrücke damit vom Tisch? Noch nicht. Denn bindend ist nur die Entscheidung des gesamten Stadtrates. Dieser tagt am 2. Juli um 17.30 Uhr im Rathaus. Indes kämpfen die Anwohner weiter. Die Unterschriftensammlung im Umfeld sei abgeschlossen, informiert Winfried Borchert. „Aber die Listen liegen weiter in Hasseröder Geschäften, in der Apotheke, in der Arztpraxis Dr. Bosse und in mehreren Fahrradläden der Stadt aus. „Ziel ist es, bis zur Sitzung des Hauptausschusses am 24. Juni auf 500 Unterschriften zu kommen.“