Hoffnung für das Aschenputtel

Für Weinfreunde wäre sie eine Katastrophe, für Wintersportler aber ist es der Himmel: Die Skipiste im Zwölfmorgental ist ein echter Nordhang - kaum Sonne, dafür aber knackig kalt im Winter. Die Folge: mehr Frosttage als im Rest Wernigerodes oder gar in Schierke.

Von Theo Weisenburger

Wernigerode l Im Vergleich zu seiner großen Schwester in Schierke, die gerade mit viel öffentlichem und privatem Geld herausgeputzt wird, ist das Zwölfmorgentaler Wintersportareal das Aschenputtel. Der Betrieb kann nur mit viel ehrenamtlichem Engagement aufrechterhalten werden, die Parkplatz-Situation ist schlecht und führt mitunter zu Verstimmungen mit dem benachbarten Hotel „Schanzenhaus“ und auch bei der Gastronomie ist noch Luft nach oben.

Das soll anders werden, fordern die Mitglieder des Ski-Klubs Wernigerode um ihren Vorsitzenden Peter Lösler. Um dem ein wenig nachzuhelfen, haben sie ins Zwölfmorgental eingeladen. Neben Stadträten sind auch Landtagsabgeordnete der Einladung gefolgt, schließlich könnten am Ende der Bemühungen auch Fördermittelanträge stehen.

Erst ganz am Ende, wie SPD-Landtagsmitglied Ronald Brachmann deutlich machte. Vor einem möglichen Ausbau der Anlagen seien ein Bekenntnis der Stadt nötig und eine Studie, die untersucht, ob die Wünsche der Skifreunde überhaupt realisierbar sind.

Denn Wünsche, das wurde in der Runde deutlich, gibt es genug. Wilfried Pöhlert, aktiver Skifahrer und Linken-Stadtrat, nannte einige davon. Die Parkplatz-Situation sei „sehr brisant“, da müsse dringend etwas geschehen. Und weiter: „Wasser ist vorhanden. Wir könnten also beschneien.“

Diese Idee ist alles andere als abwegig. In der Nähe des Hangs gibt es einen erst vor wenigen Jahren wieder entdeckten Brunnen, den Mönchsbrunnen. In der Nähe steht ein altes Wasserhäuschen, das zum Anstauen des Gebirgswassers genutzt werden könnte.

Die Wernige­röder Skifreunde sprachen von 100 000 Kubikmetern Wasser, die für eine Beschneiungsanlage theoretisch zur Verfügung ständen. Theoretisch, denn ob und wie das technisch und vor allem finanziell umgesetzt werden kann, das ist erst noch zu untersuchen.

Ebenso noch nicht mit konkreten Zahlen und technischen Details sind die Ideen von Vereins-Chef Peter Lösler untersetzt. „Wir haben hier ein Kleinod“, sagte er, das allerdings nur mit ehrenamtlichen Strukturen nicht so genutzt werden könne, wie der Verein es eigentlich will. „Wir können nicht überregional werben, dafür sind wir zu klein.“

Dabei gäbe es Potenzial, nicht nur im Winter. Vorsitzender Lösler sprach von Wanderwegen, die auch zu Skater- und Mountain-Bike-Strecken ausgebaut werden könnten.

„Der Schlüssel dafür ist die Wiederbelebung der Harburg“, sagte er. Allerdings sei die wegen der zu hohen Kosten für Wasser und Abwasser nicht von Privaten zu betreiben. „Daran sind schon viele Investoren gescheitert.“

Vereins-Vorständler Manfred Frintert brachte noch einen weiteren Aspekt vor. Das Zwölfmorgental könne sich zwar nicht mit dem Vorhaben in Schierke vergleichen, doch es habe einen großen Vorteil: Es sei ideal für die Ausbildung des Nachwuchses. Davon könnte die ganze Region profitieren.

Doch wie umsetzen? Lösler brachte die Hochschule Harz ins Spiel. Studenten der Hochschule könnten die Bedingungen im Zwölfmorgental untersuchen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Das wäre die Grundlage für das weitere Vorgehen und detaillierte Planungen.

Darum hatten zuvor auch die Kommunalpolitiker in der Runde gebeten. Tobias Kascha (SPD) nannte das Zwölfmorgental ein „sinnvolles Ergänzungsangebot für Schierke“. Er war sich aber mit seiner Stadtrats-Kollegin Evelyn Edler (Linke) einig, dass die Stadträte erst genauere Zahlen und Fakten benötigen, ehe sie über eine Beteiligung der Stadt an den Plänen im Zwölfmorgental befinden können.

Die Bevölkerung zumindest hätten sie hinter sich, sagte Erdmute Clemens, die Chefin der Wernigerode Tourismus GmbH: „Die Bürger sind dafür. Die sind froh, wenn mal wieder etwas in Wernigerode passiert.“