Blankenburg l Fast scheint es so, als hätte die bevorstehende Zwangsversteigerung des einstigen Bahnhofshotels eine ganze Lawine an Immobilienverkäufen in Blankenburg ausgelöst. Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen, aus dem Bestand der Marseille-Kliniken AG Gebäude in Blankenburg zu erwerben, werden nunmehr gleich fünf prägnante Immobilien zur Sommerauktion der Sächsischen Grundstücksauktionen AG angeboten.

Einstige Kurklinik am teuersten

Mit einem Mindestgebot von 125 000 Euro das teuerste Objekt ist laut Katalog die alte Teufelsbad-Kurklinik am Thiepark mit Portalgebäude, Bettenhaus, dem Verbindungsbau sowie einem Einfamilienhaus, Lager- und Turnhalle. In der Beschreibung wird auf den desolaten Zustand durch jahrlangen Leerstand und Vandalismus verwiesen. „Die Dächer sind in einem altersgemäßen Zustand mit partiellen Schäden, dadurch sind Nässeschäden und teilweise Deckendurchbrüche vorhanden. Fassaden mit Putzschäden und aufsteigender Feuchtigkeit“, heißt es darin. An und in den Gebäuden seien Vandalismusschäden, Müllablagerungen, altes Inventar sowie nicht beseitigte Brandschäden im Portalgebäude und Bettenhaus sowie ein Wasserschaden im Einfamilienhaus vorhanden. Dem Einfamilien- und dem Lagerhaus werde ein abrissreifer Zustand attestiert.

Nicht wesentlich besser liest sich der Zustandsbericht der ehemaligen Gaststätte „Schützenkrug“ nur einen Steinwurf entfernt. Das denkmalgeschützte Gebäude - Baujahr um 1886 - mit dem Anbau aus den 70er-Jahren war einst als Café, Verwaltung, Speisesaal und Küche für das Teufelsbad genutzt worden und ist unter dem Namen „Alt Blankenburg“ bekannt. Neben Schäden an den Dächern und der Fassade leide das Fachwerk-Ensemble an aufsteigender Feuchtigkeit sowie massiven Nässeschäden mit Schimmelbildung. Das Mindestgebot für das knapp 2000 Quadratmeter große Areal liegt bei 25.000 Euro.

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Villa mit Parkblick

Für Liebhaber von Villenarchitektur der Jahrhundertwende und ausgesprochene Denkmal-Enthusiasten dürfte das Haus Thiestraße 2 interessant sein. Die Stadtvilla - Baujahr um 1910 - ist laut Katalog „allumfassend sanierungs- und modernisierungsbedürftig“. Für das Einzeldenkmal auf dem knapp 1140 Quadratmeter großen Grundstück mit 640 Quadratmetern Wohnfläche werden 55.000 Euro aufgerufen. Allerdings seien auch dort Putzschäden, aufsteigende Feuchtigkeit, Vandalismus- und Feuchtigkeitsschä- den, Schimmelbildung sowie Müllablagerungen zu verzeichnen.

Das größtes Blankenburger Objekt, das am Freitag, 24. Mai, in Leipzig unter den Hammer kommen soll, ist die ehemalige Waldmühle in Michaelstein - zwischen der Celenus Teufelsbad-Fachklinik und dem Kloster Michaelstein gelegen. Das Areal umfasst stolze 11.500 Quadratmeter. Angeboten werden das Hauptgebäude sowie diverse Nebengebäude, die sich allerdings in einem katastrophalen Zustand befinden. Laut Katalog seien Heizungs- und Sanitäranlagen, soweit noch vorhanden, unbrauchbar. Die Fenster und Türen verschlissen, teilweise zerstört. Dächer und Decken durch Nässeschäden teilweise zerstört. Laut Katalog war die „Waldmühle“ ehemals als Hotel mit Gastronomie um 1901 erbaut worden. Später sei sie auch als Militärkrankenhaus in den 60er Jahren und bis etwa 1997 für Kur-und Heilbe- handlungen der Teufelsbad-Klinik genutzt worden. Mitbieten können Interessierte ab 75 000 Euro.

Stattliches Wohnhaus

Wesentlich mehr Chancen auf einen neuen Besitzer dürfte wohl ein stattliches Haus in der Ludwig-Rudolf-Straße haben, das mit 50.000 Euro Mindestgebot aufgerufen werden soll. Das Mehrfamilienhaus aus dem Baujahr um 1900 verfügt aktuell über fünf Wohnungen mit rund 600 Quadratmetern Wohnfläche. Hinzu komme ein großzügiger Garten mit altem Baumbestand. Insgesamt ist das Grundstück 1239 Quadratmeter groß. Obwohl Mitte der 90er Jahre teilsaniert, habe das Gebäude mit aufsteigender Feuchtigkeit zu kämpfen und sei in sanierungsbedürftigem Zustand.

Die Sommerauktion findet im NH-Hotel Messe Leipzig, Fuggerstraße 2, statt und beginnt um 11 Uhr.

Übrigens: Dass sich trotz massiver Schäden immer wieder Enthusiasten finden, in Blankenburg ein denkmalgeschütztes Gebäude zu erstehen, hatte erst die jüngste Winterauktion des Berliner Auktionshauses Karhausen bewiesen. Dort ging das zuletzt leerstehende Wohn- und Geschäftshaus am Schnappelberg 4a für 31.500 Euro weg. Startpreis waren 19.000 Euro.