Oberharzstadt l Das Frühjahr ist da – eine gute Zeit für Bauherren, die damit beginnen, ihre eigenen vier Wände zu errichten. „Es tut sich was“, sagt Michael Kubocz, Leiter des Bauamtes der Stadt Oberharz am Brocken. Über seinen Tisch gehen die Bauanträge, die Häuslebauer stellen müssen – und es sind spürbar mehr als 2019. Wie viele es sind, lasse sich nur schwer nachhalten, so Kubocz. Klar sei aber, wo der Trend hingeht: Derzeit sei Hasselfelde gefragt.

In den Vorjahren habe hingegen Elbingerode eher im Fokus der Häuslebauer gestanden. In beiden Städten gebe es eine Infrastruktur für die tägliche Versorgung, die Verkehrsanbindung Richtung Wernigerode oder anderer Städte sei gegeben. Elbingerode profitiere „definitiv“ von der Nähe zu Wernigerode, sagt der Bauamtsleiter Michael Kubocz. Dort ist der Immobilienmarkt eng, Häuser und Grundstücke sind erheblich teurer als im Umland.

Bürgermeister Ronald Fiebelkorn stimmt ihm zu. „Wir sehen uns teilweise als Speckgürtel von Wernigerode“, sagt der CDU-Politiker. Das will die Verwaltung sich zunutze machen. „Wir sind das erste Mal wieder aktiv an den Markt herangegangen“, so Fiebelkorn – mit Blick auf die notwendige Haushaltskonsolidierung sei das geboten. Daneben gehe es aber auch darum, sich als Stadt zu positionieren – zum Beispiel als Standort für altersgerechtes Wohnung und als Region, in der es bezahlbaren Grund und Boden gibt und auch die Mieten bei Preisen von 4,50 bis 6 Euro pro Quadratmeter moderat ausfallen.

Häuser werden in Familien weitergegeben

In den Immobilienabteilungen zweier großer Harzer Geldinstitute zeichnet man ein differenziertes Bild. Als eher „verhalten“ beschreibt Oliver Franke vom Immobilienservice der Harzsparkasse die Nachfrage im Oberharzer Stadtgebiet. Das muss nicht heißen, dass dort keine Häuser den Besitzer wechseln. „Wir vermuten – gerade in den ländlichen Bereichen im Oberharz – werden Immobilientransaktionen vorwiegend innerhalb der Familien oder Bewohner des Ortes durchgeführt. Über Immobilienmakler werden die wenigsten Objekte abgewickelt“, weiß Franke. Daher habe man nur teilweise Einblick in den Markt. Wenn Makler im Spiel sind, würden vor allem Einfamilien- und Ferienhäuser „im unteren Preisbereich“ gesucht.

Dauerhaft in der Oberharzstadt wohnen wollen vor allem diejenigen, die dort zuvor schon ansässig waren. „Eher selten“ würden Kunden aus Wernigerode aufs Land ausweichen, so Oliver Frankes Erfahrung. Generell würden Interessenten nur „vereinzelt“ ihren Immobilienwunsch in andere, preisgünstigere Regionen verlegen. Anders sieht es bei Ferienhäusern aus. Für diese interessieren sich Kunden, die „ausschließlich außerhalb unseres Landkreises wohnhaft“ sind, so Oliver Franke.

Dies bestätigt Heino Oehring, Vorstand der Harzer Volksbank. Entweder kauften Menschen, die bereits vor Ort verwurzelt seien, oder solche, die sich in die Harzer Natur verliebt haben. Seltener wollten sich Zuzügler aus Preisgründen in die Oberharzstadt ansiedeln. „Die Menschen weichen zwar aus, aber noch nicht auf den Oberharz“, so Oehring. Gefragt seien aus Richtung Wernigerode bisher eher Orte wie Darlingerode und Ilsenburg.

Interesse aus Berlin und Norddeutschland

Demgegenüber melden sich bei der Volksbank Berliner, Potsdamer und generell Norddeutsche, die Interesse an Ferienhäusern haben. „Viele wollen sich einen Zweitwohnsitz im Harz verschaffen“, so Oehring. Ferienimmobilien seien aber auch bei Einheimischen gefragt, die sich mit der Vermietung selbstständig machen oder ein zweites Standbein aufbauen wollen.

In der Corona-Krise sei der Markt zwar durch das Tourismusverbot lahmgelegt, doch das werde sich ändern, glaubt Oehring. „Ich persönlich bin davon überzeugt: Wenn die Pandemie überstanden ist, werden die Menschen in erster Linie in Deutschland und damit auch im Harz Urlaub machen.“