Corona-Pandemie

Impfzentrum fährt runter: Kaum noch Interesse an Impfungen in Wernigerode

Sind alle Impfwilligen in Wernigerode inzwischen immunisiert? Fakt ist: Die Nachfrage nach Impfterminen ist deutlich zurückgegangen. Die Stadtverwaltung reagiert nun.

Von Ivonne Sielaff
Über 900 Menschen sind bei einer Hauruck-Aktion der Wernigeröder Stadtverwaltung in dieser Woche mit dem Impfstoff Moderne (Symbolfoto) gegen Corona immunisiert worden. Eine Terminvereinbarung war dafür nicht notwendig.
Über 900 Menschen sind bei einer Hauruck-Aktion der Wernigeröder Stadtverwaltung in dieser Woche mit dem Impfstoff Moderne (Symbolfoto) gegen Corona immunisiert worden. Eine Terminvereinbarung war dafür nicht notwendig. Foto: dpa

Wernigerode - Die Kapazitäten in Wernigerodes Impfzentrum werden zurückgefahren. Auch die Hotline, über die die Termine für die Corona-Immunisierung vereinbart werden konnten, wird geschlossen. Der Grund: Die Nachfrage nach Impfungen ist stark zurückgegangen. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir alle Wernigeröder, die an einer Impfung interessiert waren, auch tatsächlich geimpft haben“, sagt Rathaussprecherin Kristin Dormann auf Volksstimme-Nachfrage. Lediglich die Termine der Zweitimpfungen würden in den kommenden Wochen noch im Impfzentrum Am Kupferhammer abgearbeitet – immerhin 5640 Stück. „Aber damit sollten wir Ende Juli durch sein.“

Seit dem 12. März steht das Impfzentrum – betreut von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Wernigerode unter Federführung von Ralf Schult – offen. Zunächst hatte die Stadtverwaltung alle über 90-Jährigen, dann die 80-Jährigen angeschrieben und ihnen ein Impfangebot gemacht. Der Start verlief schleppend, denn zuerst standen nur 102 Impfdosen pro Woche zur Verfügung. Viel zu wenig – hätten doch die Kapazitäten im Impfzentrum ausgereicht, um nach Angaben der Stadtverwaltung etwa 1000 Personen am Tag zu immunisieren. Später waren es bis zu über 800 Dosen wöchentlich. Es folgten die über 70-Jährigen und die über 60-Jährigen.

Kaum Rückmeldungen

Am 7. Juni dann wurde die Impfpriorisierung aufgehoben. Das hieß: Ab sofort konnte sich jeder impfen lassen, egal wie alt und ob vorerkrankt oder nicht. Im Wernigeröder Rathaus entschied man sich zunächst, die Eltern minderjähriger Kinder anzuschreiben, da diese über die Kinder einem größeren Infektionsrisiko ausgesetzt seien. „Wir haben damit begonnen, aber schnell gemerkt, dass das Interesse eher gering ist“, sagt Kristin Dormann. Von den bis dahin angeschriebenen 1500 Eltern hätten gerade einmal 90 einen Termin vereinbart. „Da hatten wir eine größere Resonanz versprochen.“ Kurz darauf die Planänderung: Jeder Wernigeröder durfte sich nun über die Hotline der Stadt um einen Termin bemühen. Auch dabei war die Nachfrage eher zurückhaltend. Etliche Impftermine blieben unbelegt.

Deshalb blies OB Peter Gaffert (parteilos) zur großen Impfaktion für die Wernigeröder. Zwei Tage lang stand das Impfzentrum in dieser Woche jedermann offen – und zwar ohne vorherige Terminvereinbarung. 1000 Impfdosen Moderna hatte der Landkreis für die Hauruck-Aktion bereit gestellt. Der Schritt sei mit dem Kreisimpfzentrum abgesprochen gewesen, als abzusehen war, dass der Bedarf in Wernigerode nicht mehr so hoch gewesen sei, so Dormann. „Wir haben quasi um Erlaubnis gebeten.“ Voraussetzung sei der Wegfall der Priorisierung gewesen.

Über 6500 Termine

Und der Aufruf des Oberbürgermeisters fruchtete. Am Montag seien gut 560 Impfwillige immunisiert worden, bilanziert die Rathaussprecherin. Zeitweise hätten sich lange Warteschlangen bis zum Kupferhammer gebildet. „Zum Nachmittag wurde es allerdings ruhiger.“ Am zweiten Tag sei die Nachfrage etwas zurückgegangen. „Da haben wir 355 Leute geimpft.“ Die übrig gebliebenen Impfdosen und nicht genutzten Materialien seien nach Quedlinburg zurückgeschickt worden.

Auffällig: Vor allem jüngere Menschen hätten das Angebot genutzt. Zudem hätten sich einige Firmen angemeldet. „Darunter auch mit Mitarbeitern, die nicht aus Wernigerode, sondern aus dem Umland stammten. So ehrlich muss man sein.“ Diese Personen seien geimpft worden. „Wir haben da keine Ausnahmen gemacht. Es sind schließlich die Menschen, die sich täglich in Wernigerode aufhalten.“ Weil das Interesse bei Studenten der Hochschule Harz besonders groß gewesen sei, werde für sie noch ein Sondertermin organisiert.

Wie hoch die Impfquote in Wernigerode tatsächlich ist, das lasse sich derzeit nicht genau abschätzen, sagt Kristin Dormann. Über die Hotline der Stadt seien in etwa 6500 Termine vergeben worden. Dazu kommen die Sonderaktionen für Erzieher, Lehrer und Rettungskräfte, die Am Kupferhammer stattfanden, und die etwa 900 Impflinge von dieser Woche, sowie die Personen, die sich bei ihrem Hausarzt oder im Impfzentrum des Landkreises in Quedlinburg haben impfen lassen.

Übrigens: Auch wenn das Wernigeröder Impfzentrum runterfährt – die Impfungen bei Hausärzten, Betriebsärzten und im zentralen Impfzentrum in Quedlinburg laufen weiter.