Ilsenburg l Eine alte Binsenweisheit seines Vaters habe sich beim Bau des Modells des Ilsenburger „Alten Eisenwalzwerkes“ bewahrheitet, so Klaus Oppermann.: „Geht nicht gibt‘s nicht.“ So tüftelten der Metallurge, der zu DDR-Zeiten einen Lehrstuhl an der Bergakademie Freiberg innehatte, sowie Hans-Jürgen Brandt, Eberhard Schenk, Volker Behrend und Erhard Rücker seit drei Jahren an einer detailgetreuen Nachbildung des Ilsenburger Eisenhüttenwerkes. Seit Januar unterstützt sie Gunnar Junig dabei. Den sechs Ehrenamtlern ist es ein Bedürfnis, die vergessene Industriegeschichte in ihrem Heimatort für künftige Generationen erlebbar zu machen, schildern sie ihre Motivation.

Mitten im Zentrum der Ilsestadt befand sich einst das bedeutende Eisenwalzwerk. Heute erinnert nur noch die stadtbekannte Radstube daran, dass an dieser Stelle am Forellenteich im 19. Jahrhundert ein leistungsfähiges Wasserrad Walzanlagen in einer Werkshalle angetrieben hat.  1828 als Hammerwerk gegründet, setzte das Eisenhüttenwerk ab 1857 auf neue Schlüsseltechnologien in der Eisenindus-trie. Das bislang wichtigste Verfahren zur Umformung von Eisen , das Schmieden, wurde durch Walzen abgelöst. Es entstand ein modernes Stahl- und Walzwerk.

Modell

Wie das im Ilsenburg des 19. Jahrhunderts aussah, wird im Maßstab von 1:25 im Funktionsmodell dargestellt. Es besteht aus fünf detaillierten Werkshallen in Fachwerkkonstruktion. Kernstück ist die Walzwerkhalle mit Puddel- und Schweißöfen, Dampfhammer, Fein- und Grobeisenwalzwerk. Die Adjustagehalle zeigt, wie der gewalzte Stahl mit Scheren, Richt- und Schleifmaschinen weiter verabeitet wurde. Zudem gibt es eine Generatoren-, Trocken - und Lagerhalle. Modellierte Hüttenarbeiter, Werkzeuge, Pferdefuhrwerke und Rohstoffe vermitteln einen einmaligen Einblick in die Abläufe des alten Eisenwalzwerkes. „So ein komplexes und detailgetreues Modell eines Stahl- und Walzwerkes aus dem 19. Jahrhundert ist mir nicht bekannt“, sagt Oppermann.

Während er zusammen mit seiner Arbeitsgruppe die inhaltliche und zeichnerische Gestaltung des Projektes übernahm, erfolgte die Finanzierung durch die Kommunale Beschäftigungsagentur des Landkreises Harz sowie durch Sponsoring der Salzgitter AG und Stiftung Harzsparkasse. Unterstützt wurden sie beim Bau des Modells von der Oskar Kämmer Schule Wernigerode und der Bautischlerei Christian Eggert aus Ilsenburg.

Museumstag

Zum Internationalen Museumstag am 19. Mai wird das Modell im Großraummuseum und Industriedenkmal Fürst-Stolberg-Hütte, Eduard-Schott-Straße 1 in Ilsenburg, von 10 bis 12 Uhr erstmalig präsentiert. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten. Als Teil des Ilsenburger Eisen-Pfades wird es dort auch künftig stehen.

Bei Interesse an einer Führunge wird um Anmeldung in der Fürst-Stolberg-Hütte gebeten unter der Telefonnummer (03?94?52)80?74?52.