Wernigerode l Auf Anhieb ist ihm die Villa „ans Herz gewachsen“, sagt Andreas Löbel. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Quedlinburg ist in Hasserode aufgewachsen und kennt das einstige Oberförsterei-Anwesen, das zu DDR-Zeiten als staatlicher Forstbetrieb genutzt wurde, noch aus Kindertagen. „Hier standen früher die Rückepferde“, zeigt Löbel bei einem Presserundgang auf ein Stallgebäude.

Lebenshilfe Quedlinburg ist Träger

Der Plan, wie sein „Herzstück“ einmal genutzt werden soll, steht. Die unter Denkmalschutz stehende Villa, die zuletzt von einer Familie bewohnt und 2018 an die Lebenshilfe Quedlinburg verkauft wurde, soll in eine neue integrative Kindertagesstätte für Wernigerode umgebaut werden. „Es ist doch einfach toll, wenn in dieses Denkmal hier inmitten der schönen Natur junges Leben einzieht“, schwärmt der Geschäftsführer und Bauherr.

Hausschwamm entdeckt

Mit einem Umbau allein sei es aber nicht getan, „wir als freier Träger der Kita müssen hier noch richtig viel Kraft in die Sanierung stecken“, begründet Löbel. Parallel zur Planung unter Federführung der Architektin Kerstin Hahne wurde die Bausubstanz von Fachleuten geprüft. Die Ahnung, dass in solch einem alten und mehrere Jahre leer stehenden Gebäude Schäden zu erwarten sind, hat sich bestätigt. „Leider ist auch Schwamm dabei“, sagt der Geschäftsführer, während Kai Poltermann ergänzt: „Es ist aber alles noch im reparablen Rahmen.“ Letzterer ist bei der Quedlinburger Lebenshilfe für die Gebäudeerhaltung und für Bauvorhaben zuständig. So wie Löbel habe auch Poltermann „schon Schlimmeres gesehen“, zumal die gemeinnützige GmbH bereits einige alte Gebäude saniert habe.

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Eröffnung verschoben

Mit der Voruntersuchung wurde der tatsächliche Sanierungs- und Reparaturaufwand festgehalten. Beispielsweise seien die vom Vorbesitzer eingebauten neuen großen Fenster im Erdgeschoss nicht fachgerecht eingesetzt worden. Die Bestandsaufnahme gab zudem Anlass, den Einzugstermin bereits in der Startphase zu verschieben. „Geplant war 1. Januar 2020, doch das schaffen wir nicht“, sagt Löbel. Ziel sei nun, spätestens im Sommer nächsten Jahres das Haus für 45 Kindergarten- und 20 Krippenkinder zu eröffnen.

Kosten 1,9 Millionen Euro

Die Gesamtkosten beziffert Löbel auf 1,9 Millionen Euro, inklusive 800.000 Euro Förderung vom Landkreis. Trotz der bereits bekannten Schäden, „teuer dürfen wir nicht werden“, betont der Bauherr.

Wann genau der Baubeginn ist, hängt von der Baugenehmigung ab. „Der Antrag ist gestellt“, sagt die Architektin Kerstin Hahne und erläutert einige Details. So soll das Haus auf der Hofseite einen Anbau bekommen, für Lift und Treppenhaus. Der Keller wird ausgebaut und soll als Küche und Kinderrestaurant genutzt werden. Im Erdgeschoss ziehen die Drei- bis Sechsjährigen ein, im Obergeschoss die Krippenkinder. Ställe und Werkstätten auf dem 3.200 Quadratmeter großen Areal sollen als Spielhaus mit Ruhezone und Kreativräume genutzt werden. Entstehen soll auch eine Spielweise, ein Kräutergarten und Parkraum für Mitarbeiter und Eltern.