Wernigerode l Drei Tage, die in Erinnerung bleiben: „Das Hochwasser im Juli hat uns alle überrascht. Es hat bei dem ein oder anderen tiefe Spuren hinterlassen“, so Peter Gaffert. Aber es habe die Menschen auch zusammengeschweißt, sagte Wernigerodes parteiloser Oberbürgermeister.

Am Mittwochabend hatten Gaffert und Silstedts Ortschef Karl-Heinz Mänz (CDU) in den Schützensaal des Ortsteils geladen, „um all denen Danke zu sagen, die uns unterstützt haben“, wie der Oberbürgermeister sagte. Das sei ihm ein besonderes Anliegen. Etliche der Juli-Helden waren der Einladung gefolgt, darunter viele Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Verwaltung, des Bauhofs und der Bergwacht. „Durch euren Einsatz ist größerer Schaden von der Stadt und den Ortsteilen abgewendet worden.“

Am 24. Juli habe der Dauerregen begonnen, blickte Peter Gaffert zurück. Bereits am Dienstag, 25. Juli, waren die Flüsse Holtemme und Zillierbach angeschwollen. Im Bereich Auerhahn/ Kruskastraße mussten die Brücken kontrolliert werden.

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Einsätze mit Coolness gemanagt

„Und die Pegel stiegen weiter“, so Gaffert. Stunden später standen Teile von Hasserode und Wernigerode unter Wasser. „Wir hatten Angst um die Krippe am Auerhahn: „Was machen wir mit den Kindern?“ Panik sei ausgebrochen, als sich das Gerücht verbreitete, dass Wasser aus der Zillierbachtalsperre abgelassen werden würde. Das Gerücht bestätigte sich nicht, doch die Talsperre drohte überzulaufen. Eine Überflutung der Stadt wurde befürchtet. „Als Stadt haben wir einen Krisenstab gebildet und uns alle zwei Stunden getroffen“, so Peter Gaffert weiter. Auch die Harzer Volksstimme und ein Kollege vom Radio seien bei den Treffen dabei gewesen. Die Journalisten verbreiteten und teilten aktuelle Informationen zum Hochwasser und auch den Hilfeaufruf der Stadt. „Das hat sensationell geklappt.“

Als Oberbürgermeister habe er in den drei Tagen mit einem Superteam zusammengearbeitet. Gaffert nannte Sozialdezernent Christian Fischer, der damals gerade erst seine Arbeit in der Stadtverwaltung angetreten und sich „gleich mit reingestürzt“ hatte, Bauhof-Chef Torsten Friedrich, der die Hilfseinsätze organisierte, Vize-Stadtwehrleiter Marco Söchting, der die Einsätze „mit Coolness“ managte, ebenso wie Silstedts Ortswehrleiter Ronny Leseberg. Peter Gaffert dankte zudem den Feuerwehrleuten aus der Region sowie aus Anhalt und Bitterfeld, den Firmen Strabag, CKS und Stratie für ihr „unbürokratisches, weises und kluges“ Handeln und den vielen ehrenamtlichen Helfern.

Stadtchef lobt tolle Zusammenarbeit

Als man in Wernigerode glaubte, das Gröbste überstanden zu haben, wurde die Lage noch einmal brisant. An der Neuen Mühle zwischen Minsleben und Silstedt brach am Mittwoch, 26. Juli, ein Damm. „Das Wasser kam so aggressiv, das habe ich in meinen 76 Jahren noch nicht erlebt“, erinnerte sich Ortsbürgermeister Karl-Heinz Mänz. Zuerst sei der Kuhstall überflutet worden. „Dann hat es die Mühlenstraße mit zehn Grundstücken erwischt.“ Und die Fluten ergossen sich weiter in das Dorf herein. Kurzzeitig wurde sogar eine Zwangsevakuierung erwogen. Auch am Donnerstag war die Gefahr in Silstedt noch nicht gebannt. Die Holtemme-Deiche waren aufgeweicht, eine freigespülte Gasleitung drohte zu brechen. Die Bundeswehr rückte mit Hubschraubern aus, um den Uferbereich mit Bigbags zu sichern.

Die Bereitschaft der Silstedter sei „hervorragend“ gewesen, lobte Mänz, die Versorgung der Helfer im Feuerwehrgerätehaus war „einmalig“. Die Damen von der Feuerwehr seien dafür drei Tage lang rund um die Uhr im Einsatz gewesen.

„Die Zusammenarbeit mit euch allen war toll“, fasste Peter Gaffert zusammen. „Ich hoffe, dass wir bei zukünftigen Ereignissen genauso zusammenstehen wie an diesen drei Tagen im Juli.“