Wernigerode l Freie Kita-Plätze sind rar in Wernigerode: Nur neun Prozent der 1500 Plätze, die Stadt und freie Träger anbieten, sind derzeit nicht belegt. In drei der 13 kommunalen Einrichtungen könnten aktuell Kapazitäten im Kita- und Krippenbereich ohne Wartezeiten vorgehalten werden, berichtet Rathaus-Sprecherin Ariane Hofmann auf Volksstimme-Anfrage.

Entlastung soll eine neue Tagesstätte in Hasserode mit Platz für 65 Mädchen und Jungen bringen. Die Lebenshilfe Harzkreis-Quedlinburg sprang 2018 als freier Träger ein. Ursprünglich hatte sich der Sozialdienstleister das Ziel gesteckt, die integrative Einrichtung unter dem Dach eines alten, denkmalgeschützten Forsthauses spätestens Anfang diesen Jahres zu eröffnen. Schon kurz nach dem Start des Umbaus der Villa musste 2019 der Einzugstermin auf diesen Sommer korrigiert werden.

Doch noch immer ist das mehrere Tausend Quadratmeter große Grundstück an der Straße Freiheit eine Baustelle. Gerüste verbergen das markante Gebäude, das zu DDR-Zeiten als staatlicher Forstbetrieb genutzt wurde. „Derzeit wird die Fassade saniert, auf der Rückseite wird am Fahrstuhl gearbeitet, um die Barrierefreiheit zu gewähleisten. Innen werden Putz und ökologische Dämmung angebracht“, erläutert Lebenshilfe-Geschäftsführer Andreas Löbel. Nun werde eine Eröffnung am 1. Januar 2021 angepeilt.

Hausschwamm im Gemäuer

Für die Verzögerungen hätten drei Faktoren gesorgt: „Wir planten zunächst, über einen Brunnen mit natürlichen Ressourcen bei der Wasserversorgung autark zu werden“, so Löbel. Doch die Erschließung sei nicht möglich gewesen. „Deshalb mussten wir mit den Stadtwerken Wernigerode und dem Wasser- und Abwasserverband Holtemme-Bode nach einer alternativen Lösung suchen – und haben gemeinsam eine gefunden.“

Zudem habe sich herausgestellt, dass die Villa großflächig vom Hausschwamm befallen war. „Die Ausmaße sind erst mit dem Rückbau der Böden sichtbar geworden“, berichtet der Chef der Lebenshilfe Quedlinburg. Der Schwamm müsse schon aus der Zeit vor dem letzten Vorbesitzer des Anwesens stammen. „Die Sanierung hat uns viel Zeit und Geld gekostet.“

Doch glücklicherweise unterstütze die Landesdenkmalbehörde das Projekt und habe bei einem Fördermittelantrag geholfen. Weil sie dabei – mit Unterstützung des Landkreises Harz – auf Geld aus Fördertöpfen der Europäischen Union und des Bundes zurückgriffen, mussten die Bauherren die Ausschreibung der einzelnen Arbeiten neu organisieren.

Waldpädagogik als Leitbild

Insgesamt sollen Umbau und Sanierung rund zwei Millionen Euro kosten. Derzeit sei die Lebenshilfe außerdem mit der Auswahl des Personals für die Kita am Rande Oberhasserodes beschäftigt. „Wahrscheinlich werden wir etwa acht Erzieher benötigen – je nachdem, wie viele Kinder wir im Krippen- und wie viele im Tagesbereich betreuen.“ Dabei setze die Lebenshilfe auf „Kolleginnen mit Natur-Kenntnissen und Erfahrung in der Waldpädagogik.“

Denn die ist der Kern des Konzeptes für die neue Tagesstätte direkt an der Holtemme: Spielmöglichkeiten im Freien, dazu viel Grün vor der Haustür. So sollen sich die Kinder spielerisch Wissen aneignen. Erste Einblicke in diese Pläne und das umgebaute ehemalige Oberförsterei-Anwesen erhalten Interessierte am Sonntag, 13. September. Dann, am Tag des offenen Denkmals, kann die neue Kita besichtigt werden.