Wernigerode l Perlenkette, Wasserwelle, Fransenkleid? Fehlanzeige, nein: Heike Brehmer hat sich nicht getraut, wie sie gesteht. „Aber ich bin wirklich positiv überrascht, dass sich doch so viele Gäste im Stil dieser Zeit gekleidet haben“, sagte die Bundestagsabgeordnete (CDU) anerkennend in ihrer Ansprache auf Schloss Wernigerode am Sonnabend.

Dort ist unter freiem Himmel im besonderen Ambiente des Schlossinnenhofs die Ausstellung „Art Déco. Kunst im Stil des Historismus?“ eröffnet worden. Und das wurde gefeiert, wie es sich für die goldenen 1920er Jahre gehört: Mit Charleston-Tänzerinnen in glitzernden Kostümen, Musik vom Grammophon, dem Chansonnier Daniel Malheur und Mitgliedern der Gesellschaft für mondäne Unterhaltung aus Berlin, die stilecht die Eröffnung begleiteten.

Das Besondere an der Schau, die noch bis 3. November zu entdecken ist: Die nahezu 400 Exponate, die teils aus New York angeliefert wurden, sind diesmal nicht nur in den Räumen der Sonderausstellung zu sehen, sondern werden auch in der Neuen Bibliothek, im Billardzimmer, in der grünen Henrichskammer und sogar im Festsaal gekonnt in Szene gesetzt. Dort ist das Tafelsilber einem Hochzeitszug gewichen – einem Porzellan-Ensemble aus 20 Figuren des Bildhauers und Modelleurs Adolph Amberg. „Die ersten Wernigeröder waren schon da und fragten: ‚Wo ist das Silber? Schon wieder weg?‘", berichtete Museumsdirektor Christian Juranek. „Ich konnte sie beruhigen: Das Tafelsilber ist im Depot."

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Verbindung zum Historismus

In den Räumen stoßen der allgegenwärtige Historismus des Baus von Carl Frühling und Elemente des Art Déco ganz absichtlich aufeinander. Die Schau soll vor Augen führen, dass im Art Déco sehr wohl Historismus enthalten ist. Eine Provokation, wie Juranek in seiner Rede betonte. Seit 1998 streiten sich Kunsthistoriker über ebendiesen Zusammenhang.

Zur Eröffnung führten Christian Juranek sowie die Kuratoren Ulrich Feldhahn und Melitta Jonas jeweils eine Gruppe durch die Räume. Pünktlich zur Eröffnung präsentierten sie den fast 500 Seiten starken Begleitband zur Ausstellung, die übrigens vom Land im Jahr des Bauhaus-Jubiläums großzügig gefördert wird.