Derenburg l Gräbt „Häuptling Penny-Markt“ jetzt das Kriegsbeil aus? Das sicher nicht. „Mir ist sehr an der Entwicklung des Orts gelegen und fühle mich hier heimisch“, bekräftigt Thomas Merbt, der bis Ende 2017 im ehemaligen Penny-Markt an der Bleichstraße das Indianer-Museum betrieben hat. Merbt ist auch Eigner der „Alten Burgmühle“ in der Burgstraße, in der er eine Ferienwohnung vermietet. Seit einigen Wochen zählt es zu seinen Aufgaben als Vermieter, von den Gästen eine Kurtaxe zu vereinnahmen und an den Kurbetrieb der Stadt weiterzuleiten – und ist damit gar nicht einverstanden.

Die Kurtaxe beträgt zurzeit 2,50 Euro pro Übernachtung und wird seit dem 1. April auch in den Blankenburger Ortsteilen einschließlich der Stadt Derenburg erhoben. Kurtaxpflichtig sind die Ortsteile mit der Anerkennung als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ geworden. Dem war ein mehrjähriges Prüfungsverfahren durch die Kommission des Landesfachausschusses für Kur- und Erholungsorte in Sachsen-Anhalt vorausgegangen. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung, übergab die Urkunden am 14. März in der Glasmanufaktur „Harzkristall“ persönlich an die Ortsbürgermeister.

Stadtbild

Der Ärger des Gastgebers entzündet sich vor allem am Stadtbild: „Gebäude stehen leer und verfallen, Dreckecken überall, Dornenhecken werden nicht zurückgeschnitten und überwuchern die Gehwege“, so einige seiner Kritikpunkte.

Wie so häufig auch in seinen Augen ein Ärgernis: Der Hundekot auf den Gehwegen. Hier könne man mit Automaten für „Hundetüten“ Abhilfe schaffen. Auch der Zustand des Mühlbachs, der direkt an seinem Grundstück verläuft, bereitet im Sorgen: „Das ist leider kein Fließgewässer mehr, sondern nur noch eine Brutstätte für Mücken und Schnaken.“

Lange Geschichte

„Dabei ist Derenburg ein interessanter Ort mit einer langen Geschichte und vielen historischen Zeugnissen“, so Merbt. Touristen seien durchaus angetan von der idyllischen Natur, der Lage und der Ruhe im Ort. Umso mehr vermisse er zum Beispiel eine Beschilderung von Sehenswürdigkeiten: Die vor einigen Jahren anlässlich eines Stadtjubiläums angebrachten Informationstafeln seien inzwischen verblasst und kaum mehr lesbar. Viel Nachholbedarf also in seinen Augen, um dem Prädikat eines Staatlich Anerkannten Erholungsorts gerecht zu werden.

Auch das Verfahren der Anerkennung kritisiert Thomas Merbt: Es hätte nur sehr wenig Zeit gegeben, sich darauf einzustellen, dass die Abgabe von den Vermietern erhoben werden muss. Außerdem habe er eine breite Diskussion im Vorfeld der Entscheidung vermisst.

Zweijähriger Prozess

Astrid Hildebrand-Besecke, Leiterin des Blankenburger Tourismus-Betriebs (BTB) weist Merbts Kritik zurück: Der Anerkennung sei eine zweijähriger Prozess vorangegangen, die Mitarbeiter des Blankenburger Tourismusbetriebes (BTB) hätten viel Zeit und Mühen investiert, um die Anerkennung als Erholungsorte zu erhalten. „Die Kommission hat bei einer Begehung auch das Ortsbild geprüft und nicht beanstandet“, bestätigt sie.

Auch den Vorwurf der ungenügenden Kommunikation weist die Tourismus-Chefin zurück: „Ein Grundsatzbeschluss über die Anerkennung der staatlich anerkannten Erholungsorte ist schon vor zwei Jahren getroffen worden. Es war klar, dass die Ortsteile mit der Anerkennung kurtaxpflichtig werden. Als feststand, dass die Anerkennung kommt, also noch vor der Übergabe der Zertifikate, haben wir die Vermieter angeschrieben und informiert. Darüber hinaus haben wir Sprechstunden angeboten, um offene Fragen zu klären.“

Wunsch nach Diskussion

Die Anerkennung bringe allen Vermietern Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Regionen, denn die Gäste buchen künftig Urlaub in einem Ort mit geprüfter Qualität und profitieren von den Vorteilen des Kurtax-Systems, heißt es aus dem Tourismus-Betrieb. Dazu gehört auch die Möglichkeit, mit dem sogenannten „HATIX“ Tickets für große Teile des Harzer Busnetzes zu sichern. „Meine Gäste machen davon keinen Gebrauch“, hat Merbt festgestellt, „sie fahren mit dem Rad oder nutzen das eigene Auto für Ausflüge nach Wernigerode oder Quedlinburg.“

Gleichwohl will Thomas Merbt Gastgeber bleiben und plant sogar, eine weitere Ferienwohnung auszubauen. Er wünsche sich aber, „dass sich alle Verantwortlichen einer Diskussion stellen“.