Brocken l Die 8527. Wanderung auf den Brocken – für Benno Schmidt ist sie eine ganz Besondere. Auf dem Gipfelplateau angekommen erhält der 86-Jährige nicht nur den üblichen Stempel in seinen Wanderpass, sondern dazu den Landesverdienstorden aus den Händen von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Dies sei wohl die höchste Ordensverleihung in Deutschland nördlich der Alpen, so Haseloff, der diese Auszeichnung normalerweise in der Staatskanzlei in Magdeburg verleiht. Für Brocken-Benno, wie den rüstigen Rentner aus Wernigerode fast jeder nennt, hat der Ministerpräsident eine Ausnahme gemacht. Wo sonst hätte diese Ehrung auch stattfinden sollen?

Brocken - Symbol der Freiheit

Benno Schmidt gehörte zu den Wanderern, die sich am 3. Dezember 1989 Norddeutschlands höchsten Berg zurückerobert hatten. „Auch durch seinen Mut wurde aus dem Symbol für Deutschlands Teilung ein Sinnbild für seine wiedererlangte Einheit und Freiheit“, so Haseloff. Als „unbeschreibliches Glücksgefühl“, bezeichnet Schmidt selbst die Öffnung des Brockens. Seither wandert er beinahe täglich von Schierke bis zum Gipfel. Ein Gefühl der Versäumnis und der Sehnsucht treibe ihn an.

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Aber es ist nicht nur die sportliche Leistung, für die der 86-Jährige ausgezeichnet wird, sondern vor allem sein ehrenamtliches Engagement um den Brocken und die Harzregion. Benno Schmidt habe im Harz Spuren hinterlassen und die Attraktivität dieser wunderschönen Landschaft gefördert, so der Ministerpräsident in seiner Laudatio. Schmidt habe sich unermüdlich dafür eingesetzt, den Harz populär zu machen. Seit Jahren arbeite er im Harzklub und im Verein „Gesund älter werden im Harz“ mit, begeistere als Wanderführer zahllose Menschen für die Region. Seiner Initiative ist die Ausweisung zweier neuer Wanderwege zu verdanken. Der Harzer Grenzweg verläuft entlang der ehemaligen Teilungslinie, die Deutschland und auch den Harz durchschnitt. Der Teufelsstieg dagegen führt auf den Spuren Goethes. „Sie sind der bekannteste Harzbotschafter, den es gibt“, so Reiner Haseloff weiter. „Wenn Goethe das Glück gehabt hätte, Sie kennenzulernen, wären Sie in seinem ‚Faust‘ verewigt worden.“

Eigene Rekorde überbieten

Als Brocken-Benno breche er jeden Tag und mit jeder Wanderung seinen eigenen Rekord, so der Harzklub-Ehrenvorsitzende Albrecht von Kortzfleisch in seinem Grußwort. „Das ist schon etwas ganz Besonderes, wenn jemand so oft auf dem Brocken gewesen ist.“ Deshalb wünsche er „von Herzen, dass Sie noch viele Jahre gesund und munter Ihre eigenen Rekorde überbieten können“.

Benno Schmidt zeigte sich nach der Verleihung sehr geehrt. „Über die hohe Auszeichnung freue ich mich sehr.“ Bei seinen Wanderungen bewundere er nicht nur die Harzer Natur, sondern überlege oftmals, was rund um den Brocken verbessert werden könnte. Ob es die Schaffung von Wanderwegen oder ein neuer Gedenkstein gewesen sei, „ich habe meine Vorschläge stets mit aller Konsequenz und Zielstrebigkeit vorangetrieben“.

Dank an Ehefrau Helga

Den Verdienstorden wolle er seinen Unterstützern widmen – allen voran Ehefrau Helga und den Töchtern Susann und Annett, die ihm in all den Jahren den Rücken gestärkt haben. Zudem nennt Schmidt Ex-Landrat und Wanderfreund Michael Ermrich (CDU) stellvertretend für den Harzklub und Brockengärtner Gunter Karste für den Nationalpark Harz.

Ausruhen auf seiner Bekanntheit, seinen Erfolgen, seinen Rekorden und seiner Auszeichnung wird sich Brocken-Benno auch in Zukunft nicht. „Dieser Orden ist für mich Verpflichtung und Ansporn für weitere Aktivitäten“, verspricht er.