Wernigerode/Tanne l Die Angst vor dem Wolf in und um Wernigerode ist groß. 2017 sorgten vermutete Wolfssichtungen am Galgenberg für Aufruhr. Inzwischen beweisen Fotofallen: Das Raubtier ist tatsächlich wieder in der Region angekommen. Harzer Landwirte verliehen ihren Sorgen mit einem „Mahn- und Solidarfeuer“ für die eingeschränkte Ausbreitung der Wölfe“ Ausdruck. Familie Thielecke beteiligte sich im Oberharz an der bundesweiten Aktion der Bauernverbände.

Der Bauernverband Nordharz fordert, so Diana Borchert, dass alle Kosten, die wegen des Wolf entstehen, zu 100 Prozent ersetzt werden müssen. Das sieht auch der Gastgeber, Brockenbauer Uwe Thielecke, so: „Wenn Wolfsrisse geschehen, dann muss der Landwirt entschädigt werden“. Aber es sind nicht nur die gerissenen Tiere, für die seiner Meinung nach finanziell aufgekommen werden muss, sondern vor allem die Folgeschäden: „DieTierarztrechnungen muss ja auch jemand bezahlen.“

Angst um Harzkühe und Mufflons

Kreisjägermeister Holger Piegert geht es noch um zwei andere wichtige Aspekte: Zum einen seien die in Deutschland einzigartigen Harzkühe durch den Wolf bedroht. „Und Wir laufen Gefahr, die Mufflons in der Region sonst völlig zu verlieren.“

Der Wolf in Sachsen-Anhalt

Haldensleben (an) l Der Wolf treibt in Sachsen-Anhalt immer öfter sein Unwesen und reißt dabei oftmals Schafe. Die Vorfälle, bei denen der Wolf auf den Mensch und seine Nutztiere trifft, häufen sich.

  • Wolfgang Merda (links) und Adolf Winter stehen im Dezember2016 neben dem gefundenen Hirschkalb bei Havelberg. Foto: Wolfgang Masur

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  • Im Februar 2016 riss ein Wolf Schafe der Hobby-Schafzüchterin Petra Huth bei Uthmöden. Foto: Ivar Lüthe

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  • Schäfer Christian Kruse mit einem Schaf, dass einen Wolfsangriff im November 2016 bei Haldensleben überlebte. Foto: Alexander Rekow

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  • Anfang Dezember 2016 spaziert ein Wolf durch eine Gartenanlage in Rathenow. Screenshot: Facebook/Undine Voigt

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  • Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz bei Havelberg mehrere Filmsequenzen im September 2016 aufgenommen worden. Foto: Dirk Rahnfeld

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  • Ein Wolfsrüde wurde im September 2016 auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow gesichtet. Foto: Klaus Puffer

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  • Fassungslos standen Mario Amtage und Edmund Herrmann (v. li.) im April 2015 vor den Überresten eines der getöteten sechs Damwild-Tiere in Westenjerichow. Foto: Bettina Schütze

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Zum anderen sorge er sich um die Harzer Tourismusregion mit ihren vielen überregionalen Wanderwegen. Auf einen Kompromiss möchte man sich auf Seite der Landwirte nicht einlassen. „Wolfssichere Rinderzäune sind unbezahlbar“, sagt Thielecke, „deshalb kann unser Ziel nicht die Umzäunung sein“.

Wenn sich das Tier im Harz ausbreitet, sei bald ein ganzer Berufsstand dahin. Ebenso viele Sorgen wie den Rinderzüchtern bereitet der Wolf den Schafzüchtern wie Wayne Hocke. Der 16-Jährige besitzt etwa 45 Tiere, Schafe- und Ziegen die er selbst aufgezogen hat. „Wenn sich der Wolf dramatisch ausbreitet, dann müssten Kleinbetriebe mit der Schafzucht aufhören.“

Schafzüchter droht das Aus

Hunde und Zäune zum Schutz seiner Tiere kann er sich nicht leisten. „Ich würde dann mit die Schafzucht aufgeben“, sagt der Schüler, der im Sommer eine Ausbildung zum Tierwirt beginnt.

Negative Erfahrungen mit dem Wolf hat er, ebenso wie die anderen Anwesenden, selbst noch nicht gemacht. Besorgt sind sie, so wie Hocke, aufgrund von Bildern und Vorträgen zum Thema Wolf. Der Rotwildzüchter Josef Spahn aus Wolfshagen sieht die Eindämmung der Wolfspopulation als wichtig an, um die Artenvielfalt in der Natur zu erhalten. In Niedersachsen gäbe es zehn Wolfsrudel.

„Deshalb muss die Population im Harz in Schach gehalten werden“, erklärt er. „Nun knick mal nicht ein, wir wollen einen Harz ohne Wölfe“, mischt sich Jägermeister Piegert ein. Auf die Frage, ob Naturschützer das anders sehen, antwortet der Veranstalter des Mahnfeuers, Uwe Thielecke: „Wir wollen einen offenen Dialog. Bisher hat sch aber noch kein Tierschützer bei mir für den Wolf ausgesprochen.“