Wernigerode l Eine Extraschicht „Wintersport“ haben Mitarbeiter der Edeka-Filiale in den Wernigeröder Altstadt-Passagen am Dienstagvormittag (9. Februar) einlegen müssen. „Unterstützt von Hausmeistern sowie Reinigungspersonal haben wir von einem liegengebliebenen Lkw Lebensmittelnachschub in unsere Filiale bugsiert“, berichtet die stellvertretende Filialleiterin Diana Bosse später auf Anfrage gegenüber der Volksstimme. Und die Vize-Chefin hat kein Problem, die Dinge beim Namen zu nennen: Ja, es gebe einige Lücken in Regalreihen. Und nein: Es gebe keinen Versorgungsnotstand.

„Unser Hauptproblem ist im Moment einzig und allein, dass die Liefer-Lkw nicht bis zu uns herankommen“, skizziert Diana Bosse die Situation. Die engen Straßen und Kurven im Innenstadtbereich sowie riesig-hoch aufgetürmte Schneeberge bremsten eben auch die tonnenschweren und langen Edeka-Laster aus.

So eben auch am Dienstagvormittag, als sich ein Lkw im Kreuzungsbereich Albert-Bartels-/Ringstraße festgefahren hatte und geschlagene drei Stunden festhing. Erst sei er mithilfe freiwilliger Helfer freigeschippt worden. „Danach haben wir uns alle winterfest gemacht und die Ware von dort in die Filiale bugsiert.“

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Hoffen auf nächste Obst-Lieferung

Das Problem: „Der Laster hatte Konserven geladen. Der Fahrer des zweiten, der Frischware wie Obst und Gemüse an Bord hatte, sah das Dilemma und drehte gleich wieder um“, so die Vize-Chefin. Die Folge: Einige Regale blieben leer, für die anderen bleibe das Prinzip Hoffnung. „Wir hoffen, dass der Lkw am Mittwoch durchkommt“, so Diana Bosse.

Die Kundschaft reagiere sehr unterschiedlich auf diese besondere Situation. „Der eine hat völliges Verständnis, andere wiederum zeigen totales Unverständnis und denken scheinbar überhaupt nicht darüber nach, wie die Ware hierher kommt“, hat Diana Bosse beobachtet. Sie und ihre Leute könnten nur alles versuchen – „wir bestellen, was fehlt und können dann nur hoffen, dass die Lkw auf den Autobahnen und Straßen irgendwie durchkommen“. Das aber sei dann höhe Macht. „Aber ich sehe ja, was draußen los ist und wie hoch die Schneehaufen sind.“

In anderen Lebensmittelgeschäften in der Harz-Region ist die Lage offenbar ähnlich, vielleicht aber nicht so prekär wie in der Altstadt-Passage. Weil sich die Filiale im Tiefgeschoss befindet, müssen die Liefer-Lkw eine Rampe hinab – das steigert das Risiko liegen zu bleiben noch einmal.

Entspannung bei Kaufland

Am Montag, so die Auskunft aus der Kaufland-Filiale in Wernigerode, sei schon ein bisschen Katastrophe gewesen. Wahrscheinlich auch, weil viele Autobahnen dicht gewesen seien. „Heute war soweit alles wieder okay“, hieß es. „Wir haben halt Winter – und diesmal einen Extremwinter.“

Das merken auch die Verantwortlichen in der nigelnagelneuen Pug-Filiale im Wernigeröder Ortsteil Schierke. Gerüchte, wonach dort zum Wochenanfang sogar geschlossen gewesen sei, weist die Filialchefin zurück. „Wir haben ganz normal geöffnet und haben auch alles noch in ausreichender Menge da“, versicherte sie am Dienstag.

Das Problem auch hier: Die schweren Laster kommen nicht die Berge hoch. Und auch hier gibt es – wie faktisch in allen Lebensmittelmärkten – kaum Lagerhaltung. Weil das Prinzip eigentlich funktionieren sollte: Es wird bestellt, zeitnah geliefert und unmittelbar verkauft. In aller Regel bilden in modernen Supermärkten heute die Regale den Puffer, weil der Nachschub permanent rollt. Die Schierker Pug-Filialchefin zeigte sich am Dienstag entspannt: „Für die einheimische Bevölkerung sollte es reichen, und die Touristen fehlen im Moment ja.“ Natürlich könne es in diesen Tagen passieren, dass statt regulär 20 Brotsorten mal nur fünf im Angebot seien – aber das sollte ja verkraftbar sein.

Kein Grund zum Hamstern

Was im Gespräch mit den Verantwortlichen deutlich wird: Anlässe, Waren und Lebensmittel im großen Stil zu hamstern, gibt es nicht. So, wie die Schneefälle in den nächsten Tagen abklingen sollen, dürfte sich die Situation auf den Straßen schrittweise entspannen und der Nachschub heranrollen.

Das betont auch Amelie Weber, Sprecherin der Edeka Minden-Hannover Stiftung & Co. KG: Grundsätzlich sei die Warenversorgung auch in den von starken Schneefällen betroffenen Regionen weiterhin sichergestellt. „Es kann zwar lokal zu Verzögerungen bei der Belieferung einzelner Märkte und in einzelnen Sortimenten kommen, die Lieferkette funktioniert aber weiter.“ Es bestehe kein Grund, Vorräte anzulegen.